Es ist Sonntag, draußen ist es sonnig und kalt. Drin warm und gemütlich. Und eben dachte ich noch, während ich nach dem Mittagessen aus dem Fenster auf die fernen Berge sah und nachsann, ich sei erlöst. Ich war durchdrungen von der tiefen Erkenntnis, dass wir einen unmittelbaren Zugang zu Gott haben können. Ich fühlte mich entspannt und gelassen. Ich sah gute Phantasien und Szenen vor meinem inneren Auge, die mir Hoffnung gaben und mich froh machten. Ich wußte, bei allem Bösen, das es in dieser Welt gibt, bei all dem, was Menschen einander antun, wie sie sich verletzen und kränken, wie sie einander versklaven, quälen und töten, es gibt auch in dieser Welt Hoffnung und Trost. Und ich wußte, ich habe ein Recht auf diese Hoffnung und diesen Trost. Ich muss diese Kraft, die ich da spüre nicht verdrängen und in Arbeitskraft und Leistung umsetzen. Ich kann und darf in dieser Sicherheit, diesem Vertrauen ruhen.

Diesen Glauben verdanke ich Jesus Christus und allen seinen Nachfolgern. Hätte es Jesus nie gegeben, würde ich auch heute, am Sonntag, so wie früher arbeiten und damit möglichst großem Besitz und Ansehen nachjagen, um mich gegen jeden Angriff oder Vorwurf der Wert- und Sinnlosigkeit zu immunisieren. Dank Jesus aber darf ich ruhig sein und muss mich nicht fürchten, nicht stressen, nicht quälen, nicht jagen, sondern darf einfach da sein, wie die Blumen auf dem Feld und ich darf auf das hören, was Gott mir sagt und zeigt, weil ich dank Jesus, seinen Jüngern, den Aposteln, der Kirche der Glaubenden weiß, dass wir Kinder Gottes und ihm ganz nah sind.

Und dann … dann trat ein Mensch zu mir und sprach weinend: Du bist schuld, dass ich leiden muss. Du bist verantwortlich für mein jetziges, gestriges und künftiges Leid. Du bist schuld.

Und ich? Ich verlor die Beherrschung. Und ich begann laut und vehement zu argumentieren. Zu diskutieren. Ja ich schrie sogar: „Was soll der der Scheiß?“

Ich war nicht in der Lage die Schuld auf mich zu nehmen. Ich wehrte mich und fühlte mich ungerecht behandelt. Wie soll man eine solche Schuld tragen? Einen solchen pauschalen Vorwurf annehmen? Unmöglich! Erniedrigend! Demütigend! Niemals! Der andere ist selbst schuld. Was gerecht ist, muss gerecht bleiben.

Und ich dachte, ich sei erlöst. Ich dachte, bei allem Bösen, das es in dieser Welt gibt, bei all dem, was Menschen einander antun, wie sie sich verletzen und kränken, wie sie einander versklaven, quälen und töten, es gibt auch in dieser Welt Hoffnung und Trost. Ich dachte, ich habe ein Recht auf diese Hoffnung und diesen Trost.

Und ich merkte, ich habe nicht nur das Recht dazu, sondern auch die Pflicht. Wenn ich Gerechtigkeit will, muss ich mich ihren Gesetzen, seinen Gesetzen unterwerfen. Oh Gott, sei meiner armen Seele gnädig!

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