Der grausame Gott

September 16th, 2015

In dieser ARTE-Dokumentation wird die Opfergeschichte Abrahams an Isaak reflektiert. Zwei Künstler werden poträtiert, die diese Geschichte vor dem Hintergrund der gewaltsamen Religionskriege interpretieren. Wenn Gott zu wörtlich genommen und in blindem Gehorsam vielleicht gar falsch verstanden wird – so der Grundgedanke dieser künstlerischen Deutung – opfern wir selbst unsere Kinder, unser Heiligstes … aber Gott greift Abraham rechtzeitig in den Arm.

Der Theologe Eugen Drewermann sieht die Geschichte auch im Lichte des Heilsgeschehens um Jesus: Jesus zeigt mit seinem Opfertod, dass nicht Gott es ist, der die Gewalt will, sondern dass es der Mensch ist, der in seinem Drang nach Macht alles opfert. Gott hindert Abraham – der ihm in blinden Gehorsam folgte – an der Ausführung seines Plans. Gott selbst aber opfert seinen einzigen Sohn den blutdürstigen und machtgierigen Menschen auf dass sie klug werden und erkennen, was sie in blinder Wut getan haben. Damit es die Menschen endlich lernen. Endlich erkennen, dass die zwischenmenschliche Gewalt nicht von Gott, sondern dem Menschen kommt.

Ich bin Christ

September 11th, 2015

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann rufe ich nicht „Ich führe ein ordentliches Leben“.
Ich flüstere leise „Ich war verloren,
jetzt bin ich wieder da und mir wurde verziehen“.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann sage ich das nicht mit Stolz.
Ich gebe zu, dass ich dahinstolpere
und dass ich Christus als Begeleiter brauche.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann versuche ich nicht, stark zu sein.
Ich zeige damit, dass ich schwach bin
und dass ich seine Kraft brauche um weiter zu kommen.

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Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann brüste ich mich nicht mit Erfolg.
Ich sage, dass ich Mist gebaut habe
und Gott brauche, um den Mist jetzt aufzuräumen.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
Dann tue ich nicht so als sei ich perfekt.
Meine Fehler sind ja überdeutlich sichtbar.
Aber Gott ist überzeugt, dass ich es wert bin.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann leide ich weiter Schmerzen.
Und ich habe einen Haufen Kummer.
Deshalb bete ich.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann bin ich nicht „heiliger“ als du.
Ich bin einfach ein Mensch,
der Gottes Segen hat, irgendwie.

Der Gotteswahn

September 7th, 2015

Vor fast zehn Jahren habe ich in einer großen Buchhandlung aus einer Laune heraus ein Buch erstanden, das mein Leben grundsätzlich verändern sollte: Richard Dawkins‘ „The god delusion“ (Der Gotteswahn).

Viel später sagte man mir, dass mein Weg zum Christentum äußerst ungewöhnlich verlaufen sei. Von der Indifferenz eines typischen ostdeutschen Atheisten, der von Gott bis zum 14. Lebensjahr nie etwas gehört hat, über den Antitheismus des Richard Dawkins oder Christopher Hitchens, bis hin zu Kirche, Bibel und dreieinigem Gott.

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Anders als die meisten hat mich dieses Buch, „The god delusion“, aber nicht nur erst zum Atheisten gemacht und mich in meinem Atheismus bestärkt, sondern es war mein Einstieg in eine intensive und bewußte Auseinandersetzung mit Religion überhaupt, die mich später zum Christen machte.

Dieses Buch öffnete mir die Augen, zunächst für den immensen Zündstoff, der weltanschaulichen Fragen innewohnt, später für die monströsen Verbrechen, die auf das Konto organisierter Religion gehen und zuletzt für den unglaublichen Reichtum an Weisheit, der vielen religiösen Schriften zugrundeliegt.

Ich hätte diesen Schatz nie heben können, ohne den Reiz der Auseinandersetzung, den dieses Thema und dieses Buch hervorriefen und -rufen.

Ich muss meinen Freunden nun auf verschiedene Weise erklären, wie ich eine solche Wandlung durchmachen konnte. Und es fällt mir schwer, weil ich ihnen lange mit meinen extrem antireligiösen Meinungen auf die Nerven ging. Viele haben das nicht verstanden, manche haben sich davon auch vom Antitheismus überzeugen lassen.

Ich habe mich sehr engagiert. Ich habe die sogenannte atheistische „Buskampagne“ für Deutschland mit initiiert und habe in Foren und Blogs und zusammen mit den Giordano-Bruno-Stiftung, Freidenkern und Brights im „richtigen Leben“ für die atheistische Sache gestritten. Aber ich habe auch viel gelesen und und viel zugehört und ich habe irrgendwann etwas verstanden.

Ich glaube, ich habe dann begonnen, das richtig zu verstehen, als ich wirklich mitgemacht habe. Als ich beim Gottesdienst einfach mal mit aufgestanden bin. Das war schon komisch genug. Und dann habe ich auch das „Herr, erhöre uns“ mitgebetet. Und ich habe mitgesungen. Ich habe das Vaterunser mitgesprochen und habe zuletzt auch das Abendmahl genießen dürfen. Ich habe gesehen, wie dabei die Herbstsonne durch die Scheiben der kleinen Kirche schien und ich fühlte mich dabei geborgen und richtig.

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Ich kannte dieses Gefühl schon. Ich hatte es früher manchmal, als ich als Kind in meinem Zimmer saß, es war dunkel und kalt draußen, drin war es warm und eine kleine Schreibtischlampe ließ ihr Licht auf ein kleines Bild scheinen. Ein weites Meer war darauf zu sehen und am Strand stand eine einsame Gestalt. Leise Musik lief im Hintergrund. Es war ein Gefühl der Geborgenheit im Großen und Ganzen. Und dieses Gefühl hatte ich wieder, als ich in einem kleinen Kirchlein im tchechischen Tabor, dem Hort der Hussiten, stand. Und wieder als ich einmal in einem Urlaub mit Freunden vor dem Essen betete und sang. Das kam mir fremd und komisch vor. Ein bißchen übertrieben und gewollt. Aber es hinterließ einen tiefen und bleibenden Eindruck.

Auch freundliche und verträgliche Menschen haben Eindruck auf mich gemacht. Menschen, die nicht Auge mit Auge vergalten, sondern unendlich zur Vergebung bereit waren. Mich beeindruckten Menschen, die anderen Menschen halfen, die mir in vielerlei Hinsicht unberührbar erschienen. Ich war beeindruckt von der Klugheit und von dem unermüdlichen Engagement für gute Dinge, die keine finanziellen Vorteile oder Machtgewinn oder Ruhm brachten. Ich war beeindruckt von dem stillen Glühen, der Wärme, die von manchen dieser Menschen ausging. Und mich beeindruckte die Gewaltlosigkeit, die keine Feigheit war. Denn sie blieben da und ertrugen den Hass und die Gewalt still. Ich sah Zuversicht im Angesicht des niederschmetternsten Hoffnungslosigkeit. Ich sah Vertrauen im Angesicht tiefsten Mißtrauens. Ich sah Liebe im Angesicht der kältesten Lieblosigkeit.

Und ich fragte mich, woher nahmen diese Menschen die Kraft, meinem Hass mit Geduld zu begegnen? Woher nahmen sie die Kraft, in dieser Welt, die zur Verzweiflung einlädt, nicht verzweifelt, sondern froh zu sein?

Dieses Beispiel trieb mich an. Ich wollte es wissen. Und ich sollte es wissen.

Wenn wir das Wort „Wahrheit“ hören, denken wir an die „objektive“ Wahrheit. Etwas, das man erforschen kann. Naturwissenschaftlich oder gar kriminalistisch. Wer ist der wahre Mörder? Hierbei geht es um Leben und Tod.

Und wenn der wahre Mörder gefunden ist, wird er erbarmungslos für seine Taten bestraft. Die Opfer haben schließlich ein Anrecht auf Sühne.

Naturwissenschaftliche Wahrheiten helfen uns, die Welt um uns herum zu verstehen und zu verändern, zu kontrollieren und oft auch zu manipulieren. Durch wissenschaftliche Forschung wissen wir zum Beispiel wie Wetterphänomene entstehen. Wir können das Wetter vorhersagen und – selten – inzwischen sogar beeinflussen. Gewollt oder – wie beim Klinmawandel – ungewollt.

Aber schon beim Klimawandel gibt es Streit. Was ist wahr? Haben die Warner recht – oder die Klimaskeptiker? Es wird also geforscht und und gesucht. Es gehen Millionen Euro in diese Forschung und Millionen Stunden Lebenszeit vieler tausender Menschen.

So ist es auch bei weltanschaulichen und theolgischen Diskussionen. Da streitet man sich stunden-, tage-,wochen-,jahre- ja lebenslang über die korrekte Übersetzung eines einzigen Bibelverses. Man kann ganze Bücher mit der Suche nach der wahren Bedeutung eines einzigen Wortes füllen.

Werden all diese Dinge dadurch wahrer? Und wie wichtig sind diese Wahrheiten und Erkenntnisse? Was bringt es, wenn wir wissen, wer recht hat?

Wir streiten über die „objektive“ Wahrheit weil wir Angst haben.

Wir haben Angst, das falsche Leben zu leben. Was, wenn der Klimawandel Schwindel ist? Was wenn es zu der Bibelübersetzung, die ich seit Jahrzehnten kenne, noch hundert andere Vatianten gibt, die etwas ganz anderes bedeuten? Ist es möglich, dass ich mein Leben dann auf Sand baue? Auf eine Illusion?

Wir suchen die Wahrheit mit aller uns zur Verfügung stehenden Kraft, wir investieren viel Geld und viel Zeit in die Wahrheitsfindung. Wir wollen die physikalische, die historische, die kriminalistische, die philosophische Wahrheit wissen, weil wir richtig leben wollen. Wir wollen glücklich sein und dieses Glück mit anderen Menschen teilen.

Doch oft haben andere Menschen ganz andere Wahrheiten als wir. Sie erscheinen verblendet. Sie wollen nicht verstehen. Und so stecken wir unendlich viel Energie darein, diese Menschen von der Wahrheit, die wir erkannt haben zu überzeugen. Sie davon zu überzeugen, dass die anderen irren. Denn wenn ich irre, habe ich in den letzten Jahren meine Zeit verschwendet und verschwende sie vielleicht in den nächsten Jahren weiter. Es steht unglaublich viel auf dem Spiel.

Die anderen müssen also irren. Und durch Belehrung mit vielen Worten und vielen guten und wohlbegründeteten Argumenten kann ich sie von der Richtigkeit meiner Argumente überzeugen.

Und ich kann auch viel Geld in die Verbreitung meiner Argumente stecken. Je mehr Geld ich habe, desto mehr Menschen kann ich dafür bezahlen, meine Wahrheit zu verbreiten. Ich kann Zeitungen und Fernsehsender kaufen, die Tag und Nacht meine Wahrheit verbreiten. Ich kann Lehrstühle an Universitäten stiften, die zu meiner Wahrheit forschen. Ich kann all meine Macht dazu einsetzen, dass meine Warheit unter die Menschen kommt und alle Menschen meine Wahrheit glauben müssen.

Doch was, wenn ich plöztlich, nach all diesem Aufwand, den ich getrieben habe, all der Lebenszeit, die ich investiert habe, all das Geld all die Kraft, die Mühe, wenn ich dann plötzlich feststelle, dass ich mich geirrt habe?

Was dann ?

Mache ich einfach weiter? Das System läuft. Es muss weitergehen. Der Druck ist riesig. Ich habe jahrelang Überzeugungsarbeit geleistet. Habe andere mit viel Aufwand überzeugt und plötzlich weiß ich, das ist alles nicht wahr?!

Ich beginne, mich zu fragen, was Wahrheit ist. Und ich stelle fest, dass Wahrheit nichts ist, was man hat, sondern etwas, das man sucht. Sein Leben lang. Jeder von uns. Und all unsere erbitterten Diskussionen, wessen Wahrheit jetzt die wahre ist, sind nichts anderes als Liebeserklärungen an den anderen, an uns und an Gott.

Warum gebe ich mir Mühe, einen anderen zu überzeugen? Auch weil ich will, dass er nicht zuschanden geht. Neben allen egoistischen Motiven gibt es die Liebe zum anderen. Eine unbezähmbare Kraft. Mein Diskussionspartner ist wie Robinsons Freitag auf einer einsamen Insel. Er nervt, aber ich will nicht, dass er zuschanden geht, weil ich ihn brauche, wie die Nahrung und Luft zum Atmen und er mich.

Und so tritt hinter der angeblichen objektiven Wahrheit – über die wir uns ewig streiten – eine andere Wahrheit hervor.

Da werden die teuren Maschinen im Krankenhaus abgestellt, die eine todkranke Frau künstlich am Leben erhalten. Da nimmt jemand das Fahrrad, statt des Autos. Da legt jemand in der Straßenbahn sein Samrtphone zu Seite und hilft jemandem beim Einsteigen. Da geht eine zu einem ehemaligen SS-Aufseher, der mit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und nicht mehr sprechen kann und wäscht ihn. Da schließt ein Meteorologe sein Büro jeden Tag ein bißchen früher ab und geht nachhause zu seiner Frau uns seiner kleinen Tochter, er wird deshalb keine Professur erhalten.

Da treffen sich Menschen in einem großen und schönen Haus und machen weihevolle Gesten, stehen auf, setzen sich und erzählen Geschichten, sprechen Gedichte und Zauberprüche, laufen in langen Gewändern und singen und murmeln etwas, das alle singen und murmeln, trinken aus einem Gefäß, essen, in Kreis stehend, gemeinsam kleine Dinge, geben einander ein Zeichen des Friedens und lassen sich segnen.

Das ist eine anderen Wahrheit als die „objektive“ Wahrheit. Aber ich glaube, diese ist die Größere.

Religion ist Psychotherapie

August 5th, 2015

Yoga hat sich zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Und auch in der Psychotherapie spielen fernöstliche Praktiken neuerdings eine ganz wesentliche Rolle. Die sogenannte „Verhaltenstherapie“ wird – als eine von drei Therapiemethoden – auch von den Krankenkassen finanziert. Die Krankenkassen tun dies, weil empirisch nachgewiesen werden konnte, das Verhaltenstherapie wirksam ist. In vielen Fällen wirksamer als Medikamente.

Im Rahmen der Forschung zur Verhaltenstherapie wird auch weiter an wirksamen Methoden zur Behandlung psychischer Störungen geforscht. Neuester Gegenstand dieser Forschung sind vor allem fernöstliche Meditationstechniken, die somit Einzug auf allen Ebenen der Gesellschaft haben.

Einer der bedeutensten Vertreter der sogenannten „3. Welle der Verhaltenstherapie“ Jon Kabat-Zinn, emeritierter Professor des MIT, wurde kürzlich sogar zum Treffen des Weltwirtschaftforums nach Davos eingeladen, um einen Vortrag zum Thema Mindfulnes, zu deutsch: „Achtsamkeit“, zu halten.

Die FAZ schreibt:

    „Seit 36 Jahren leitet der promovierte Molekularbiologe Meditationskurse, er hat eine Klinik und ein Achtsamkeitszentrum aufgebaut. Dort wird Kranken und Ausgebrannten geholfen, chronische Schmerzen zu ertragen, Krebs zu bekämpfen, Stress und Burnout zu vermeiden. Auf der ganzen Welt lernen Millionen von Menschen nach der von ihm entwickelten Methode, der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR).“

MBSR ist wirksam. Aber auch andere Techniken gehören zu dieser 3. Welle der Verhaltenstherapie. So geht es hier nicht nur um Atem- und Achtsamkeitstechniken, sondern auch um einen ganzen philosophisch-weltanschaulichen Überbau. Ethik und Werte halten Einzug in die Psychotherapie. Die sogenannte Akzeptanz- und Commitment-Therapie beinhaltet auch die Behandlung von grundlegenden Wertefragen um Lebensziele des Patienten zu ermitteln und von problematischen Verdrängungs- und Betäubungsritualen (z.B. Drogen- oder Mediensucht) wegzukommen.

    Bei den Problemen, die den Patienten belasten, wird zwischen „sauberem“ und „schmutzigem Leid“ unterschieden. Schmutziges Leid entsteht durch den Versuch, mit Hilfe verschiedener Strategien (Rückzug, Flucht, Betäubung, Argumentieren, übertriebenes Sicherheitsverhalten, spannungsreduzierende Rituale etc.) unangenehme innere Erlebnisse zu vermeiden („experiential avoidance“). Die angewandten Strategien haben nicht nur den Nachteil, dass sie nicht oder nur zeitlich begrenzt funktionieren, sondern auch mit erheblichen negativen Konsequenzen für die Lebensführung des Patienten verbunden sind.

Die Therapie besteht hauptsächlich darin, den Patienten darin zu unterstützen, seine dysfunktionalen Kontrollversuche abzubauen, indem er seine Bereitschaft erhöht, auch unangenehme Empfindungen zu akzeptieren und zu erleben.

Die evangelikale Nachrichtenagentur IDEA ist unzufrieden:

    „Die Übergänge zu hinduistischen und buddhistischen Lehrinhalten seien jedoch im Zusammenhang mit erlebnisorientierter spiritueller Suche oder Selbsterfahrungsangeboten fließend. Yogalehrer hielten in der Regel an der Überzeugung fest, das die Yoga-Übungen nicht von der Geisteswelt der hinduistisch-buddhistischen Religionen zu trennen seien. Eigentliches Ziel von Yoga sei Erlösung und das Einswerden mit dem Göttlichen. Der Yoga-Meister Swami Krishnananda (1922-2001) formulierte es so: „Yoga verspricht Vollkommenheit. Yoga verspricht frei von allem Elend andauernde Glückseligkeit.“
    Der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin) zufolge gilt es, den Inhalt des jeweiligen Yoga-Angebots zu prüfen: „Christliche Mystik wird sich in all ihren Übungen auf die Sammlung und Ausrichtung auf das Heilswerk Gottes in Jesus Christus konzentrieren.“ Sie werde sich nicht auf Formen einlassen können, „die eine auf methodischem Wege zu erreichende Vollkommenheit verheißen“. Dies gelte insbesondere dann, wenn solche Verheißungen mit Tendenzen zur psychischen und finanziellen Abhängigkeit von der Person eines Lehrers oder Gurus verbunden seien.“

Methoden und Meditationspraktiken um sich völlig von Leid zu befreien? Nein.

Im Kern handelt es sich bei Achtsamkeit und Commitment um eine grundlegende Praxis, die auch und vor allem im christlichen Kontext vermittelt wird.

Am Beispiel Jesu wird gezeigt, dass unser Leid zum Leben dazugehört und dass es unsere Aufgabe ist, auch das Leid (letztlich auch den Tod) als Bestandteil des uns geschenkten, kostbaren Lebens anzunehmen, statt ihm (Leid und Tod) entfliehen zu wollen. Da alle Flucht – wie man sie an vielen Beispielen in den Gleichnissen Jesu findet (Reicher Kornbauer, anvertraute Pfunde, barmherziger Samariter usw.) – letztlich in die Verdammnis (emotionale Verzweiflung) führt.

Man kann das alltägliche (aber auch das nichtalltägliche) Leid nur annehmen, wenn man Werte und Ziele hat, die über die reine Vermeidung von Leid hinausgehen. Es geht um die Klärung dessen, was zählt. Es geht um „Das Eigentliche“.

In der Religion wird diese Frage für die Gläubigen beantwortet. Aber so, dass sie ihm die Freiheit läßt, seinen eigenen Weg zu finden. Aber es gibt auch ewige Wahrheiten. Zu denen gehört, dass psychische Probleme immer Beziehungsprobleme sind. Sind Beziehungsprobleme gelöst, sind auch die psychischen Probleme gelöst.
Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen die anderen. Wir brauchen sie, um uns an ihnen zu reiben. Im Guten wie im Bösen.

Und Jesus wußte, dass Beziehungsprobleme nur zu lösen sind, wenn wir Geduld üben und liebevoll sind, wenn wir vergeben können und anderen all das zukommen lassen, was wir uns für uns selbst wünschen.

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Gegenstand dieses Blogs ist es, religiöse Sprache für Atheisten verständlich zu machen. Zu erklären, warum sich ganz normale Menschen manchmal anhören wie verstrahlt. Da ist die Rede von Jesus, dessen Freund man sei. Oder man hört sogar ein „Ich liebe Jesus“. Viele wissen ganz genau, was Gott ist und was er von ihnen und der Welt will.

Völlig verrückt, denkt der naturwissenschaftlich geschulte Geist … aber wenn’s glücklich macht. Viele andere sind wirklich verärgert und verzweifelt. So ein Wahnsinn wird staatlich finanziert?

Der gnadenlose Satiriker Jan Böhmermann ist stinkig:

Und Religion ist letztlich auch bekannt für ihre Neigung monströse Verbrechen zu rechtfertigen oder gar anzustacheln. Wie haben die Neuen Atheisten in einer Kampagne deutlich gemacht:

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Religion ist also gefährlich, sagt diese Zuspitzung. Religion – als Gotteswahn – führt letztlich zu Wahnsinnstaten, die Verzweifelte oder Größenwahnsinnige begehen, weil sie sich als Schild und Schwert Gottes wähnen. Also warum sprechen die Menschen dann überhaupt noch von einem Gott? Und warum sollte man diese unerschöpfliche Quelle der Gewalt noch verständlich machen?

Also, was soll der ganze Kram? Warum sollte man das Ganze noch dulden, wenn es so vernichtende Konsequenzen hat.
Hat nicht Karl Marx schon ganz zu recht darauf hingewiesen, dass Religion letztlich nichts anderes ist als Volksverdummung:

    „Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“

Die Idee des Priesterbetrugs steht im Raum. Dient Religion also nur der Unterdrückung eines Volkes? Hat sie den Zweck Macht, Reichtum und Ansehen von Priestern, Politikern, Mächtigen und Reichen zu stützen?

Tatsächlich gibt es Formen von Religiosität, die genau das tun. Religiosität, die dazu dient, den Status quo zu erhalten und den frommen Bürger in seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit weiter einzusperren. Die Schriftgelehrten und Philister, die Jesus im Israel vor 2000 Jahren schon ansprach, gibt es noch heute – aber auch vor 200 Jahren.

Novalis schrieb:

    Philister leben nur ein Alltagsleben. Das Hauptmittel scheint ihr einziger Zweck zu sein. Sie tun das alles, um des irdischen Lebens willen; wie es scheint und nach ihren eignen Äußerungen scheinen muß. Poesie mischen sie nur zur Notdurft unter, weil sie nun einmal an eine gewisse Unterbrechung ihres täglichen Laufs gewöhnt sind. In der Regel erfolgt diese Unterbrechung alle sieben Tage, und könnte ein poetisches Septanfieber heißen. Sonntags ruht die Arbeit, sie leben ein bißchen besser als gewöhnlich und dieser Sonntagsrausch endigt sich mit einem etwas tiefern Schlafe als sonst; daher auch Montags alles noch einen raschern Gang hat. Ihre parties de plaisir müssen konventionell, gewöhnlich, modisch sein, aber auch ihr Vergnügen verarbeiten sie, wie alles, mühsam und förmlich. Den höchsten Grad seines poetischen Daseins erreicht der Philister bei einer Reise, Hochzeit, Kindtaufe, und in der Kirche. Hier werden seine kühnsten Wünsche befriedigt, und oft übertroffen.
    Ihre sogenannte Religion wirkt bloß wie ein Opiat: reizend, betäubend, Schmerzen aus Schwäche stillend. Ihre Früh- und Abendgebete sind ihnen, wie Frühstück und Abendbrot, notwendig. Sie können’s nicht mehr lassen. Der derbe Philister stellt sich die Freuden des Himmels unter dem Bilde einer Kirmeß, einer Hochzeit, einer Reise oder eines Balls vor: der sublimierte macht aus dem Himmel eine prächtige Kirche mit schöner Musik, vielem Gepränge, mit Stühlen für das gemeine Volk parterre, und Kapellen und Emporkirchen für die Vornehmern.

Also verzichten wir doch einfach auf diesen Wahnsinn. Reicht es nicht, wenn wir Naturwissenschaft und Vernunft haben? Eine rational-pragmatisch-utilitaristische Ethik kann doch die meisten Menschen glücklich machen, oder?

Der gleiche Autor, der oben die Religion der Philister anprangert, klagte jedoch schon vor 200 Jahren über diese Profanisierung der Weltsicht als Folge der Aufklärung:

    „Der anfängliche Personalhaß gegen den katholischen Glauben ging allmählich in Haß gegen die Bibel, gegen den christlichen Glauben und endlich gar gegen die Religion über. Noch mehr – der Religionshaß dehnte sich sehr natürlich und folgerecht auf alle Gegenstände des Enthusiasmus aus, verketzerte Phantasie und Gefühl, Sittlichkeit und Kunstliebe, Zukunft und Vorzeit, setzte den Menschen in der Reihe der Naturwesen mit Not oben an und machte die unendliche schöpferische Musik des Weltalls zum einförmigen Klappern einer ungeheuren Mühle, die, vom Strom des Zufalls getrieben und auf ihm schwimmend, eine Mühle an sich, ohne Baumeister und Müller, und eigentlich ein echtes Perpetuum mobile, eine sich selbst mahlende Mühle sei.“

Sollte eine rationale Interpretation und das naturwissenschaftliche Verständnis der Welt nicht reichen? Wozu braucht es Enthusiasmus? Wozu Phantasie und Gefühl, Sittlichkeit und Kunstliebe, Zukunft und Vorzeit? Sind wir nicht alle einfach Nackte Affen?

Novalis wirbt stattdessen für eine Romantisierung der Welt:

    „Die Welt muß romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedre Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. So wie wir selbst eine solche qualitative Potenzenreihe sind. Diese Operation ist noch ganz unbekannt. Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es. “

Romantisierung der Welt also. Damit ist wohl nicht die mühevolle Aufhübschung einer aufgetakelten Dirne, wie in dem Bild von Otto Dix gemeint.

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Es geht um eine Idee(!) Es geht nicht darum, dass man dem Endlichen noch mehr Endliches hinzufügt und es damit aufzuwerten glaubt, wie eine barocke Kirche mit überbordendem Tand, Schmuck und vergoldeten Putten. Es geht darum, dass man sieht, dass auch eine grotesk geschminkte Prostituierte ein Mensch mit einem Seelenleben ist, mit Ängsten und Trauer, Hoffnungen und Träumen, mit einer Geschichte und einer Zukunft. Das ihr Dasein, in einem größeren Gesamtzusammenhang steht, als ihrer lächerlichen Erscheinung zu einem ganz bestimmten Punkt in der Zeit.

In dem Projekt der Romantisierung geht es darum, zu verstehen, dass wir trotz beeindruckender Präsenz unserer Endlichkeit – die uns selten so klar vor Augen steht wie in dem Bild „Puffmutter“ und anderen Bildern von Otto Dix und den Vertretern des Realismus – dass wir uns in der Betrachtung anderer und der Welt im Allgemeinen eben nicht allein auf diesen einen Moment, der hier – scheinbar für alle Zeit fesgehalten wurde – beschränken.

Es geht darum, dass wir – gemäß dem berühmten Diktum von Antoine de Saint-Exupéry – „mit dem Herzen“ sehen. Dass ein Mensch ein wertvolles Geschenk ist, auch wenn er zur Zeit nicht alle unsere Erwartungen an Ästhetik erfüllt.

Vielleicht war die Puffmutter mal eine schöne Frau. Vielleicht hat sie liebevoll auf ein scheues Kind oder einen sehnsüchtigen Freier geschaut. Hat jemandem sanften Trost gespendet und einem anderen unendliche Hoffnung geschenkt. Sicher hat sie in ihrem Leben viel falsch gemacht. Aber wenn wir mit den Augen des erbarmungslosen Richters auf einen Menschen herabblicken, wenn wir ihn nach seinem vergänglichen Fleisch und seinem vertrocknenden Blut und allein nach seinem Sündenregister beurteilen, nehmen wir uns selbst die einzigartige Möglichkeit, auch die bezaubernde Schönheit dieser und anderer Menschen zu sehen.

Was sind wir? Sind wir unsere äußere Hülle. Sind wir unsere Karriere oder unsere Verluste? Sind wir unsere vergänglichen Sorgen und Ängste. Sind wir unsere Sünden. Oder sind wir mehr? Sind wir Teil eines großen Ganzen sind wir Endliches oder Teil eines Unendlichen?

Diese Sprache, diese Ideen haben den Klang des Versponnenen, des Verrückten, des Idealistischen. Es klingt verstrahlt, was hier steht. Völlig abgespaced. Es ist die Sprache, die den Sinn macht. Und es ist die Sprache, die ein Gefühl erzeugt.

Wenn ein Naturwissenschaftler den ganzen Tag über Theorien und Formeln, über Kritik und Gegenkritik brütet, dann läßt das diesen Menschen nicht unbeeindruckt. Seine Welt wird zu einer Welt der Formeln und der Theorien, der Kritik und Gegenkritik. Er denkt und spricht formelhaft. Und er fühlt … nichts.

Der Liedermacher Gerhard Schöne hat ein wunderbares Lied geschrieben, das das hier oben beschriebene zusammenfasst:

Wo ist der unendliche Ozean, Mama?
Den all jene Wale und Haifische sahen, Mama.
Du schwimmst ja schon drinnen, kleine Sardine,
Dummerchen, du.
Quatsch, das ist Wasser – salzig dazu.

Ach, gibt es ihn wirklich den Himmel, den blauen, Mama?
Den all jene Adler und Zugvögel schauen, Mama.
Du fliegst ja schon drinnen, niedliche Biene,
Dummerchen, du.
Quatsch, das ist Luft nur – farblos dazu.

Wo ist Gott zu finden, wo kann ich ihn sehen, Mama?
Um den alle streiten, und doch nicht verstehen, Mama.
Er umfließt die Sardine, trägt dort die Biene,
dich hüllt er ein.
Er will in dir wohnen – ich laß ihn rein.

Das Lied kann man sich auf der Webseite der Buschfunk-Verlages anhören. Linke Spalte: MP3-Player starten. Scrollen.

Die Rede von Gott ist eine poetische, eine gefühlvolle, eine mythische, eine metaphorische. Es ist eine Sprache, die das Herz öffnet und den Geist befreit. Deshalb hören sich Christen so verstrahlt an. Wenn sie sagen, sie lieben Jesus, dann ist das ein Ausdruck ihres Gefühls, nicht eines pragmatischen Affiliationsakts, der sich sozialpsychologisch vermessen läßt. Sprache läßt sich intuitiv erfassen. An ihrer Sprache erkennen Menschen einander. Sprache bezeichnet nicht nur, Sprache verbindet, Sprache trennt.

Achten wir auf unsere Worte. Denn die Dinge werden zu den Worten mit denen wir sie bezeichnen.

Die Rede von Gott

Juni 4th, 2015

Wie kann man es überhaupt wagen, noch von Gott zu reden?

Wie kann man einem Atheisten gegenüber rechtfertigen, dass man von einem Gott spricht, wenn dieser Begriff zur Rechtfertigung größter Verbrechen der Menschheit herangezogen wurden? Wenn der Heilige Bernhard von Clairvaux, einer der großen Kirchenlehrer schreibt: „Ein Ritter Christi, sage ich, tötet mit gutem Gewissen“ und wenn er von der „Ausrottung“ der „Unruhestifter“ in der Stadt Gottes spricht, kann man dann noch guten Gewissens von Gott reden?

Wenn der größte Verbrecher der Geschichte, Adolf Hitler, die Gnade des „allmächtigen Gottes“ erbittet, um erfolgreich für Deutschland zu kämpfen? Wenn auf den Koppelschlössern der Wehrmacht „Gott mit uns“ steht.

Wie ist die Rede von Gott angesichts unglaublicher Monstrositäten die im Namen oder mit der Billigung der Katholischen Kirche begangen werden noch möglich? Die Mafia als Finanziers von Reliquienschreinen und Heiligenprozessionen, von Kirchen und Kapellen. Erst in diesem Jahr hat Papst Franziskus alle Mafiosi exkommuniziert. Aber die Verflechtung von geistlicher und verbrecherischer Macht scheint unzerstörbar.

Wie kann man da noch von Gott reden?

Wie von Gott reden, wenn er im Alten Testament – aus der Sicht von Richard Dawkins – eigentlich so beschrieben wird:

    “The God of the Old Testament is arguably the most unpleasant character in all fiction: jealous and proud of it; a petty, unjust, unforgiving control-freak; a vindictive, bloodthirsty ethnic cleanser; a misogynistic, homophobic, racist, infanticidal, genocidal, filicidal, pestilential, megalomaniacal, sadomasochistic, capriciously malevolent bully.”

Und was kann man Nietzsche antworten wenn er schreibt:

    „Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, – ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, – ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit […].“

    „Man nennt das Christenthum die Religion des Mitleidens. – Das Mitleiden steht im Gegensatz zu den tonischen Affekten, welche die Energie des Lebensgefühls erhöhn: es wirkt depressiv. Man verliert Kraft, wenn man mitleidet […] Das Mitleiden kreuzt im Ganzen Großen das Gesetz der Entwicklung, welches das Gesetz der Selektion ist. Es hält, was zum Untergange reif ist, es wehrt sich zu Gunsten der Enterbten und Verurteilten des Lebens, es gibt durch die Fülle des Missratnen aller Art, das es im Leben festhält, dem Leben selbst einen düsteren und fragwürdigen Aspekt.“

    „Die Schwachen und Missratnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz unserer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.“

Wie kann man angesicht dieser vernichtenden Kritik immer noch von Gott sprechen? Christlich von Gott sprechen?

Man kann es, weil die Sprache der Menschen, die ich oben zitiert habe, die Sprache des Hasses ist. Es ist die Sprache der Wut, die eigentlich Verzweiflung ist, die dem größten Leid entspringt: Dem Leid, sich nicht geliebt zu fühlen.

Diese Sprache entlarvt sich selbst. Sie spricht nicht von Gott, sie spricht aus Angst und furchtbarer Not. Im Versuch, der Endlichkeit des Daseins und der eigenen Leidensfähigkeit zu entrinnen. Sie leidet an ihrer Leidensfähigkeit.

Dass diese Leidensfähigkeit ein Geschenk ist, das es auch ermöglicht, weise zu werden und weniger zu leiden, sehen sie nicht. Sie wollen ihr Leid allen anderen aufzwingen. „MÖGEN SIE IN IHRER EIGENEN SCHEISSE VERRECKEN“ schreit es aus ihnen heraus.

Und so schreit es auch aus uns heraus. Wir sind nicht frei von diesem Hass, diesem Gefühl der Ungerechtigkeit, des Neides und der Mißgunst. Auch wir wünschten manchmal, die anderen, die so glücklich und zufrieden scheinen, die so ein sicheres und aufregendes Leben führen, sollten spüren wie es sich anfühlt, nicht mehr weiter zu wissen, völlig verzweifelt zu sein, am Ende. Wenn ich schon untergehen muss, will ich wenigstens alle anderen mit mir reißen.

Das ist auch die Logik der verzweifelten Amokläufers von Aurora, der in einem Kino zwölf Menschen erschoß. 10 Jahre plante er die Tat und begründete sie schließlich mit seiner Verzweiflung angesichts so vieler persönlicher Verluste und Tiefschläge, deren Ursache er in seiner psychischen Erkrankung fand. Wozu also noch leben? Und wenn er selbst sterben muss, warum sollte es überhaupt noch Leben geben?

„Life ist death“ schreibt er, also „Why should life exist? What is the purpose of living?“

Gewaltausübung und Kriminalität sind Ausdruck der Verzweiflung, der ohnmächtigen Wut angesichts der Zumutungen des Daseins. Wir wollen uns selbst schützen – aber wir müssen doch sterben. Wir können dem Tod nicht entgehen. Das zu wissen, ist ein schreckliches Schicksal und viele Menschen verfallen tatsächlich in eine verzweifelte Suche nach einem Ausweg. Sie betäuben sich und suchen soviel wie möglich aus diesem Leben herauszuholen. Sie machen vergängliche Dinge und Erlebnisse zu ihrem Gott. Und dann stellt sich die Erkenntnis ein, das alles vergänglich ist. Also wozu noch leben? Wozu?

Weil es etwas gibt, das nicht vergehen kann. Etwas das bleibt wenn alles was geformte Materie ist vergangen ist, das was der Materie ihre Form gibt, das was hinter Physik und Chemie steht, das was die Materie so bewegt, dass sie sich letztlich zu liebesfähigen Menschen gefügt hat.

Das ist es was „eigentlich“ ist. Das war, bevor wir da waren und das wird da sein, wenn wir die Erde längst verlassen haben. Was das sein soll kann niemand ermessen. Jedes Wort, das es beschreiben soll ist falsch. Es kann nur klägliche Versuche geben, dieses Ewige zu umschreiben was immer ist und was in der Bibel als יהוה geschrieben wird.

Diesem יהוה wird viel Böses zugeschrieben. All das Leid, das Menschen erleben und das sie verstehen wollen. Warum leiden wir? Weil wir leben. Wozu dann leben? Weil Leben nicht nur Leidensfähigkeit bedeutet. Warum man leiden muss haben die Alten so verstanden, dass das Leid eine Strafe Gottes ist. So erschien Gott letztlich wie der egoistische Megalomane, den Dawkins kritisiert.

Dieses schreckliche Bild von Gott hat Jesus, haben seine Jünger, haben seine Nachfolger neu gerahmt. Gott ist nicht der ferne Gewalttäter, der die Menschen nach Belieben für ihre Sünde belohnt und bestraft … und letztlich die Gesetzestreuen etwas weniger. Nein, Gott ist wie wir. Er ist in uns er ist die Prinzipien die uns leiten. Er zeigt uns Gut und Böse. Und er zeigt uns, dass das Leid und der Tod keine Strafe sind, sondern Notwendigkeiten, die im Weltmaßstab, im Maßstab des Universums und es ganzen Rests einem uns im großen und ganzen unbekannten Plan folgen.

Im Detail geht es aber offenbar um Liebe. Das spüren wir intuitiv. Wenn wir glücklich sind, wenn es uns gut geht, wenn wir bezaubert sind und hingerissen, wenn wir schweben und tanzen, dann geht es um die Liebe – nicht nur die romantische aber auch. Diese Liebe ist da. Die ist in dieser Welt. Auf die sollen wir uns konzentrieren und ausrichten. Nicht auf das Böse, nicht auf die Verhinderung des Bösen durch das Böse. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12:21).

Das ist eine andere Rede von Gott, die Jesus und seine Jünger da im Neuen Testament versuchen. Es ist eine Rede, die die Menschen anspricht und anrührt, aufwühlt und antreibt. Das ist der Heilige Geist, von dem alle reden.

Diese vieldeutige Rede von Gott ist heute vielen nicht mehr verständlich. Sie wollen Gott anfassen können und vermessen. Sie wollen ihn vorhersagen und falsifizieren. Sie wollen Gott in der Weltgeschichte finden, in der historischen Wahrheit und in der chemisch-physikalischen Wirklichkeit. Wie vermittelt man in dieser Welt eine verständliche Rede von Gott?

Das geht nur, wenn man ganz neu von Gott spricht, wenn man ihn neu sucht, wenn man die Sprache des Hier und Jetzt kennt. Spricht man anders von Gott, so wird Gott ein anderer. Es ist an der Zeit.

Adolf Hitler über Gott

Juni 4th, 2015

In seiner ersten Rundfunkansprache am 1. Februar 1933 sagte Hitler:

    Indem der ehrwürdige Herr Reichspräsident uns in diesem großherzigen Sinne die Hände zum gemeinsamen Bunde schloß, wollen wir als nationale Führer Gott, unserem Gewissen und unserem Volke geloben, die uns damit übertragene Mission als nationale Regierung entschlossen und beharrlich zu erfüllen. […] So wird es die nationale Regierung als ihre oberste und erste Aufgabe ansehen, die geistige und willensmäßige Einheit unseres Volkes wieder herzustellen.

    Sie wird die Fundamente wahren und verteidigen, auf denen die Kraft unserer Nation beruht. Sie wird das Christentum als Basis unserer gesamten Moral, die Familie als Keimzelle unseres Volks- und Staatskörpers in ihren festen Schutz nehmen. […] Möge der allmächtige Gott unsere Arbeit in seine Gnade nehmen, unseren Willen recht gestalten, unsere Einsicht segnen und uns mit dem Vertrauen unseres Volkes beglücken. Denn wir wollen nicht kämpfen für uns, sondern für Deutschland!

Die Ritter Christi aber kämpfen mit gutem Gewissen die Kämpfe des Herrn und fürchten niemals weder eine Sünde, weil sie Feinde erschlagen, noch die eigene Todesgefahr. Denn der Tod, den man für Christus erleidet oder verursacht, trägt keine Schuld an sich und verdient größten Ruhm. Hier nämlich wird für Christus, dort Christus (selbst) erworben. Er nimmt wahrlich den Tod des Feindes als Sühne gern an und bietet sich noch lieber seinem Streiter als Tröster dar. Ein Ritter Christi, sage ich, tötet mit gutem Gewissen, noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber, wenn er tötet, nützt er Christus. „Denn nicht ohne Grund trägt er das Schwert, er steht im Dienst Gottes und vollstreckt das Urteil an dem, der Böses tut, zum Ruhm aber für die Guten.“ (Röm 13,4; 1Petr 2,14)

Ja, wenn er einen Übeltäter umbringt, ist er nicht ein Menschenmörder, sondern sozusagen ein Mörder der Bosheit, und mit Recht wird er als Christi Rächer gegen die Missetäter und als Verteidiger der Christenheit angesehen. Wenn er aber selbst umgebracht wird, ist es klar, dass er nicht untergegangen, sondern ans Ziel gelangt ist. Der Tod, den er verursacht, ist Christi Gewinn; wenn er ihn erleidet, sein eigener. Der Christ rühmt sich, wenn er einen Ungläubigen tötet, weil Christus zu Ehren kommt. Wenn ein Christ stirbt, offenbart sich die Hochherzigkeit des Königs, da der Ritter zur Belohnung geführt wird. Ja, über ihn wird der Gerechte frohlocken, wenn er die Vergeltung sieht. Über ihn „sagen die Menschen: Gibt es denn für den Gerechten einen Lohn? Gewiss, es gibt einen Gott, der auf Erden Gericht hält.“ (Ps 57,11f) Allerdings dürfte man die Heiden nicht töten, wenn man sie auf einem anderen Weg von den maßlosen Feindseligkeiten und von der Unterdrückung der Gläubigen abhalten könnte. Nun aber ist es besser, dass sie beseitigt werden, als dass das Zepter des Frevels auf dem Erbland der Gerechten lasten soll, damit die Gerechten nicht etwa ihre Hände nach Unrecht ausstrecken.

Was also? Wenn mit dem Schwert dreinzuschlagen für den Christen in keinem Fall erlaubt ist, warum hat dann der Vorläufer Christi den Soldaten auferlegt, sie sollen mit ihrem Sold zufrieden sein, anstatt ihnen den Kriegsdienst ganz und gar zu verbieten. Wenn es aber jedenfalls allen erlaubt ist, die dazu durch Gottes Anordnung bestimmt sind, und die sonst nichts Höheres gelobt haben, wem – so frage ich – steht es besser an, als denen, durch deren starke Hand Zion, unsere befestigte Stadt, zu unser aller Schutz gehalten wird? Sie wird gehalten, damit nach Vertreibung derer, die das göttliche Gesetz überschreiten, das gerechte Volk in Sicherheit einzieht, das dem Herrn die Treue bewahrt. Sicher sollen deshalb die Völker, die am Krieg Lust haben, zerstreut und zerhauen werden: solche Leute, die bei uns Unruhe stiften; alle sollen aus der Stadt des Herrn ausgerottet werden, die Unrecht tun. Sie arbeiten daran, die in Jerusalem niedergelegten unschätzbaren Reichtümer des christlichen Volkes zu rauben, das Heiligtum zu schänden und den heiligen Tempel Gottes in Besitz zu nehmen. Es sollen also beide Schwerter von den Gläubigen gegen die halsstarrigen Feinde gezückt werden, zu zerstören jeden Stolz, der sich gegen die Gotteserkenntnis erhebt, worin der christliche Glaube liegt. „Und die Heiden sollen nicht sagen können: Wo ist ihr Gott?“ (Ps 113,2)

Der Heilige Bernhard von Clairvaux in seinem „Liber ad milites templi de laude novae militiae“ (BUCH AN DIE TEMPELRITTER LOBREDE AUF DAS NEUE RITTERTUM).