Wer jemals versucht hat, die Bibel ganz zu lesen, der wird festgestellt haben, dass er spätestens im Buch der Könige begann, sich schrecklich zu langweilen. Diese Langeweile wird im nachfolgenden Buch der Chronik, das im Prinzip noch einmal die gleichen Geschichten enthält, auf die Spitze getrieben, indem die Geschlechter Israels und Judas und damit hunderte scheinbar zufälliger Namen aufgezählt werden. Neben der Namensaufzählung gibt es lange Beschreibungen über die Macht- und Gewalttaten unterschiedlicher Herrscher und ihrer Geschlechter.

Es ist schrecklich ermüdend und lähmend, ja sogar deprimierend, dieser detaillierten Beschreibung und Huldigung irdischer Macht zu folgen. Die Heere werden immer größer, die Paläste und Tempel immer prunkvoller, die Heerführer immer tapferer und weiser. Gleichzeitig tun sie viele Dinge “die dem Herren übel gefallen”. Und es passiert … nichts. Nun ja, David ersetzt Saul. David zeugt Salomo. Salomo läßt “den Tempel” erbauen und ein König folgt auf den anderen. Und jeder dieser Könige tut mehr oder weniger Dinge, “die dem Herrn übel gefallen” oder “die dem Herrn wohl gefallen”.

Man mag gar nicht glauben, dass in dieser Aufzählung oft scheinbar sinnlosen Leids eine Heilsgeschichte stecken soll. Und doch soll all dies letztlich auf Jesus hinweisen. Das zeigt ein Video des Bibel-Projekts sehr schön:

Kern dieser Aussagen ist letztlich, dass all das, was das Volk Israel da treibt, wenn es sich einen König nach dem anderen sucht und einer dem anderen den Kopf einschlägt, letztlich nur Unglück bringt. Und diese Einsicht springt uns aus jeder Zeile an. Es ist einfach ermüdend, all das zu lesen und zu versuchen dies alles zu verstehen.

Umso erlösender ist es da, im Evangelium zu schmökern. Deshalb ist es für jeden Erstleser des Alten Testaments zu empfehlen, parallel immer auch neutestamentliche Abschnitte zu lesen, da man sonst schier verzweifelt.

One Response to “Warum das Alte Testament oft so langweilig ist”

  1. Stefan Kunze Says:

    Sagen wirs mal so: es GIBT Passagen, die sehr ermüdend sind – aber diese gehen auch wieder vorbei. Wenn ich mir vostelle, daß jeder König tatsächlich gelebt hat, daß damals versucht wurde “Politik zu machen” (ganz wie heutzutage), Herrschende und Behrrschte nach irgendeinem gangbaren Weg gesucht (und ihn meist nicht gefunden) haben, dann gewinnt dieses chronistische Dokument schon etwas.

    Es geht halt auch darum, die Bibel nicht als “über der Historie schwebend”, als reines Metaphern – gar Märchenbuch wirken zu lassen, sondern alles ist in der GANZ KONKRETEN Historie echter Menschen (mit konkreten Namen) mit ihren jeweiligen Gedanken und Taten verankert.

    Außerdem wird durch die Chronik der Hintergrund gemalt für das Wirken und Reden der vielen Propheten (die man ja nicht gebraucht hätte, wäre immer alles gut gegangen).

    Allerdings: auch viele Passagen in den Propheten wirken kryptisch, wirken langweilig, scheinen heute nichts aussagen zu können. Das ist aber abhängig von der individuellen Lebens- und Glaubenssituation – so können nach Jahren des “Überlesens” bestimmte Sätze eine sehr schlagende Wirkung gewinnen, die früher unsinnig schienen.

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