Ich bin Christ

September 11th, 2015

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann rufe ich nicht „Ich führe ein ordentliches Leben“.
Ich flüstere leise „Ich war verloren,
jetzt bin ich wieder da und mir wurde verziehen“.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann sage ich das nicht mit Stolz.
Ich gebe zu, dass ich dahinstolpere
und dass ich Christus als Begeleiter brauche.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann versuche ich nicht, stark zu sein.
Ich zeige damit, dass ich schwach bin
und dass ich seine Kraft brauche um weiter zu kommen.

cat

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann brüste ich mich nicht mit Erfolg.
Ich sage, dass ich Mist gebaut habe
und Gott brauche, um den Mist jetzt aufzuräumen.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
Dann tue ich nicht so als sei ich perfekt.
Meine Fehler sind ja überdeutlich sichtbar.
Aber Gott ist überzeugt, dass ich es wert bin.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann leide ich weiter Schmerzen.
Und ich habe einen Haufen Kummer.
Deshalb bete ich.

Wenn ich sage … „Ich bin Christ“,
dann bin ich nicht „heiliger“ als du.
Ich bin einfach ein Mensch,
der Gottes Segen hat, irgendwie.

One Response to “Ich bin Christ”

  1. Nemesis Says:

    Sympatico. Übrigens, ich liebe Katzen:

    In der Katze hast du Mißtrauen, Wollust und Egoismus, die drei Tugenden des Renaissance-Menschen nach Stendhal und anderen. Damit ist sie, ich möchte sagen, das konzentrierteste Tier. Der Hund ist dagegen gläubig, selbstlos und erotisch kulturlos. Unsere heutige Zivilisation nähert sich mehr der Stufe des Hundes. Das Christentum ist vornehmlich gegen die Katze gerichtet. Man darf nach dem allen in einigen Jahrhunderten den Menschen erwarten.

    *

    Die Selbstachtung einer Katze ist außerordentlich.

    *

    Die Reinlichkeit der Katze ist eine ganz andre, als die des Menschen. Der Mensch wäscht sich, kämmt sich, bürstet und klopft seine Kleider, er entledigt sich, mit einem Wort, seines Staubes, indem er ihn dem Wasser, der Luft, der Erde zurückgibt. Die Katze hingegen schleckt ihn mit unermüdlicher Zunge in sich auf, verleibt ihn sich ein, vertilgt ihn – aber im fruchtbarsten Sinne, indem sie ihn schlankweg in ihr organisches Leben mit hineinnimmt.

    *

    Du hast einen Großstadtwinter umsonst den Anblick einfacher, natürlicher Anmut ersehnt. Drehe dich um. Vielleicht sitzt hinter dir auf dem leeren Divan eine etwa einjährige Katze, die dich dann und wann besucht, um sich dort eine halbe Stunde umständlich zu putzen und dann eine zweite halbe Stunde voll tiefen Behagens zu schlummern, – und du siehst was du suchtest, die eingeborene Lieblichkeit unbewußter Natur.

    Christian Morgenstern, aus „Stufen“