[Der psychologische Gottesbeweis]

Drüben in seinem Blog macht sich der Kollege Josef Bordat Gedanken, warum immer ein naturwissenschaftlicher Beweis für die Existenz Gottes verlangt wird. Er begründet dies mit der vorherrschenden Wissenschaftskultur des „Szientismus“.

Bordat schreibt:

    „Szientisten akzeptieren (als wahr, wertvoll, sinnhaltig, bedeutungsreich) nur das, was mit naturwissenschaftlichen Methoden nachgewiesen ist, allenfalls soll hinzukommen, was sich so nachweisen lässt. Sagen wir’s mal so: Da, wo ich glaube (im Sinne von “vertrauen auf Jemanden”, nämlich auf Jesus Christus), da glauben sie zu wissen (im Sinne von “vertrauen auf Etwas”, nämlich die Universalität der naturwissenschaftlichen Methode).“

Ich fürchte, hier liegt ein Mißverständnis vor. Als Naturwissenschaftler „glaubt“ man nicht an die naturwissenschaftliche Methode, man vertraut ihr nicht „blind“.

Naturwissenschaft ist schlicht eine Möglichkeit, Dinge zu zeigen, die für alle Menschen gelten.

Das ist bei Jesus Christus anders. Weltanschauungen gelten nicht für alle Menschen gleich. Menschen sind unterschiedlich. Sie haben unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Lebensstile. Aber man kann sich mit anderen – ähnlichen – Menschen zusammenschließen. Trotzdem – oder gerade deshalb – gibt es immer Unterschiede zwischen Gruppen. Die Gruppe der Katholiken unterscheidet sich von der Gruppe der Protestanten. Die Gruppe der Christen von der der Muslime. Jede Gruppe hat ihre eigenen Gesetze, ihre eigenen Codes und ihre eigenen Riten.

Gravitation dagegen existiert ohne Rücksicht auf Gesetze, Codes und Riten. Gravitation ist objektiv gültig. So wie auch der Ebola-Virus nicht nach Religion, Nationalität oder Hautfarbe fragt. Diese Dinge existieren unabhängig von subjektiven Erfahrungen und Empfindungen.

Wenn man also einen naturwissenschaftlichen Beweis für Gott verlangt, dann will man eigentlich wissen, was an diesem Gotteskonzept, das so vielschichtig ist, eigentlich für alle Menschen gültig sein könnte.

Und dieser Wunsch nach einem objektiv nachweisbaren Gott entspringt dem Wunsch nach einer verlässlichen Ethik.

Wenn man also nach einem objektiven Gott fragt, will man eigentlich wissen, ob man sich richtig verhält.

Wenn evangelische Christen behaupten, ihr Gott sei der einzig wahre und man müsse sich an seine Regeln halten, setzen Muslime oder Hinduisten oder Buddhisten oder Bahai oder Scientologen oder Zeugen Jehovas oder Neuapostoliker oder Katholiken oder oder oder dagegen, dass ihr Gott der einzig wahre sei und allein seine Gebote zu befolgen seien.

Der Wunsch nach einem objektiv naturwissenschaftlich nachweisbaren Gott entspringt also der Unübersichtlichkeit der religiösen Konzepte und dem Wunsch nach Verläßlichkeit und Lösung der vielfältigen religiös-ethischen Konflikte.

Wer könnte dies den Szientisten verdenken.

Aber wie löst man nun dieses Problem befriedigend für Szientisten und Religiöse Menschen?

Indem man man Gott naturwissenschaftlich beweist.

Wie das geht?

Gott ist – das wissen wir inzwischen – ein sehr vielschichtiges Konzept. An den Begriff „Gott“ knüpfen sich sehr viele unterschiedliche Bedeutungen. Aber es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Religionen. Und diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich naturwissenschaftlich erforschen.

Darüber hinaus läßt sich die Wirkung von Religion naturwissenschaftlich erforschen. Es läßt sich zeigen, dass Religion glücklich und unglücklich machen kann. Interessant für uns ist, naturwissenschaftlich herauszufinden, welche Religionsbestandteile uns persönlich zugute kommen und welche uns schaden. Wichtig wäre also für uns zu wissen, welche Weltanschauung uns glücklich machen kann – abhängig von unserer Kultur, unserer Sozialisation, unserem Intellekt, unserer Persönlichkeit.

Und es läßt sich naturwissenschaftlich prüfen, mit welchen Mitteln man Menschen diese Einsichten am besten vermitteln kann … und vermutlich wird sich dabei herausstellen, dass ein Mythos mit metaphorischen Geschichten und Gleichnissen, beispielhaften Personen und mit außergewöhnlicher Würdigung durch Riten, Normen und Heiligkeit besonders glaubwürdig erscheint. Und dass das Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit und der eigenen Unwissenheit, die Bereitschaft zu Einsicht und Umkehr entscheidend für die Funktion einer Gruppe und damit das eigene Wohlbefinden ist.

Religion läßt sich mittels der Psychologie naturwissenschaftlich erforschen … und damit läßt sich Gott letztlich auch beweisen.

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