Was ist hier eigentlich los?

April 16th, 2015

Ich will es kurz erklären:

Durch dieses Blog, durch andere Blogs und Foren, durch die vielen Diskussionen, die Auseinandersetzung, durch Nachlesen, Nachfühlen, Mitmachen habe ich verstanden, warum Theismus Sinn macht.

Ich habe das zunächst nicht verstanden, weil ich als Atheist in der dritten Generation aufgewachsen bin. Ich kannte Religiosität nur aus der Populärkultur und als Randerscheinung in Philosophie und Literatur. Ich war geprägt durch die Deutung von Religiosität als:

      „Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“

Im Schulsystem der DDR wurde Religion als Manipulationsinstrument der Mächtigen vermittelt. Und das ist es auch auch noch immer. Aber eine – wesentliche – Seite der Religiosität wurde dabei bewußt ausgeblendet. Diese andere Seite habe ich kennengelernt, indem ich mit religiösen Menschen gesprochen, gegessen, gesungen, gebetet, gelacht und gelebt habe.

Und da habe ich verstanden, dass mir der Schlüssel zum Verständnis religiöser Texte fehlte. Als ich diesen Schlüssel aber – nach langem Kampf – in den Händen hielt, eröffnete er mir eine Welt von unschätzbarem Reichtum. Von dieser Erfahrung bin ich so überwältigt, dass ich das gern teilen möchte. Deshalb habe ich mich entschlossen, zurückzukehren.

17 Responses to “Was ist hier eigentlich los?”

  1. Muriel Says:

    Ohja, das muss hart sein, wenn man religiöse Texte nicht versteht. Glückwunsch zu dem Erfolg!

  2. sapere Says:

    Wie meinst Du das? „Das muss hart sein, wenn man religiöse Texte nicht versteht“? Offenbar verstehe ich nicht nur religiöse Texte nicht 🙂

    Und zu welchem Erfolg beglückwünscht Du mich? Dass ich die Texte jetzt verstehe? Ist das ein Erfolg? Ich denke, das ist keine Leistungsfrage.

  3. Muriel Says:

    Ich meine damit, dass ich es mir schwierig vorstelle, wenn man religiöse Texte nicht versteht und dass ich mich für dich freue, dass du dieses Problem überwunden hast.
    Ich bin gespannt, wie das Teilen läuft.

  4. sapere Says:

    Ah, und Du verstehst sie wohl? … Ich frage nur so von ehemaligem Antitheist zu Antitheist …

  5. Muriel Says:

    Die meisten habe ich ja nicht mal gelesen, und “Verstehen“ ist ja ein schillernder Begriff. So allgemein müsste ich also wahrscheinlich verneinen.
    Andererseits hatte ich bisher nie den Eindruck, es würde daran hapern.

  6. sapere Says:

    „Schillernder Begriff“ 🙂

    Ja … mh … wenn Du die Basistexte nicht gelesen hast, ist konsequenter Antitheismus natürlich eine mutige Position …

    Sagen wir es mal so: Man kann religiöse Texte wie historische Tatsachenbeschreibungen lesen. Oder man kann das Geschriebene deuten. Das heißt, man muss den verborgenen Sinn darin entdecken … das ist etwas schwieriger und nur möglich, wenn man dafür auch empfänglich ist. Christen würden das als Gnade übersetzen. Bonhoeffer schreibt zum Beispiel:

    „Auch das freilich wird erst verständlich für den Menschen, der in die Wahrheit gestellt ist, dem durch die Person Christi der Andere zur echten Person geworden ist. Für den Menschen in der Unwahrheit bleibt Offenbarung, bleibt Person Seiendes, Ding, “es gibt”, demgegenüber es ein neutrales Verhalten gibt, das die Existenz des Menschen nicht berührt. Erst in der Gemeinde selbst kann Offenbarung in ihrem eigentlichen existenzbezogenen Sein begriffen werden.“

    Ich hab das lange nicht verstanden. Es klingt erstmal wie theologisches Kauderwelsch. Inzwischen verstehe ich es aber schon … und es macht Sinn 🙂

  7. Muriel Says:

    Ah, okay. Sowas hatte ich befürchtet. Dann mal viel Spaß mit dem Verständnis, und so, und dann wohl ehrlicherweise doch meine Glückwünsche.

  8. sapere Says:

    Schade 🙂 … und … danke.

  9. Nemesis Says:

    Hallo, sapere aude!

    Ich bin zwar weder Theist, noch Atheist etc, aber ich finde die Geschichte Deines Todes und Deiner Wiederkunft sehr spannend… wir alle sterben ab und zu, warum nicht, life goes on 🙂 Hier noch eine schöne Geschichte:

    “ The Dead Man’s Answer

    When Mamiya, who later became a well-known preacher, went to a teacher for personal guidance, he was asked to explain the sound of one hand.

    Mamiya concentrated upon what the sound of one hand might be. „You are not working hard enough,“ his teacher told him. „You are too attached to food, wealth, things, and that sound. It would be better if you died. That would solve the problem.“

    The next time Mamiya appeared before his teacher he was again asked what he had to show regarding the sound of one hand. Mamiya at once fell over as if he were dead.

    „You are dead all right,“ observed the teacher, „But how about that sound?“

    „I haven’t solved that yet,“ replied Mamiya, looking up.

    „Dead men do not speak,“ said the teacher. „Get out!“ “

    Liebe Grüsse und alles Gute für Dich!

    Nemesis _()_

  10. ke Says:

    Sagen wir es mal so: Man kann religiöse Texte wie historische Tatsachenbeschreibungen lesen. Oder man kann das Geschriebene deuten.

    War dir in all den 3½ Jahren, die du dich hier im Blog intensiv mit Religion beschäftigt hast, etwa nicht aufgefallen, dass man religiöse Texte nicht als Tatsachenbeschreibungen lesen muss? O_O

  11. sapere Says:

    Nein. Ich hatte keine Ahnung von Deutung und Auslegung. Ich nahm an, die theologische Interpretation eines Textes sei bloße Rabulistik um das eigene Unwissen zu verhüllen.

    Wie gesagt, mir fehlte der Schlüssel zum Verständnis, dass ich einen Text auch metaphorisch lesen kann.

    Das ist irgendwie so, als ob man ein 3-D-Bild anschaut und nur komische Muster sieht. Man denkt, das seien einfach zufällig Muster und das sieht blöde aus. Bis man mal versucht zu schielen – auch wenn das komisch ist – und plötzlich feststellt dass das Bild beeindruckender ist als jedes noch so schöne 2-D-Bild …

  12. Ernst Says:

    Erstaunlich! Andereseits, mit Saulus ist das ja auch mal passiert. Mutig, das so hier zu schreiben, Respekt!

  13. Bruder Spaghettus Says:

    Schöne Geschichte, aber unglaubwürdig.

  14. sapere Says:

    Bruder Spaghettus, vor Deiner Reaktion auf meine Rückkehr hatte ich am meisten Angst. Du hattest auf die Todesnachricht so liebevolle Worte gefunden. Du kennst mich. Du hast mich am Piratenschiff im Paradies dem Fliegenden Spaghettimonster geweiht und wir haben danach noch lange gesprochen.

    Ich bin’s. Und ich meine das was ich hier schreibe auch so. Ich habe jetzt eine Ahnung warum um die Bibel so ein Bohei gemacht wird.

    Und ich hoffe sehr, dass Du mir meine Proselytisierung nicht übelnimmst.

  15. Bruder Spaghettus Says:

    Ich weiß nicht mal, was Proselytisierung ist.

    Ja, ich war wirklich sehr betroffen, als deine Todesnachricht kam. Später hatte ich dann schon vermutet, dass du noch lebst und dachte, du musstest untertauchen. Sogar jetzt vermute ich noch, du wirst/bist irgendwie gezwungen, das so zu schreiben.

    Wenn die Geschichte wirklich so stimmt, wie du sie jetzt erzählst, dann bleibt mir nur festzustellen, sapere aude ist wirklich tot.

    Der, den ich damals kannte, hätte sich in keiner Weise so verhalten.

  16. sapere Says:

    Bruder Spaghettus, ich habe Dir schon mehrfach geantwortet, aber meine Antwort ist durch meine Schusseligkeit oder was auch immer im digitalen Nirvana verschwunden … ich versuche es jetzt einfach nochmal:

    Ich bin, was man einen Proselyten nennt: http://de.wikipedia.org/wiki/Proselytismus

    Und ich bin nicht gezwungen worden. Ich mache das freiwillig. Es gibt eine Kontinuität von meinen früheren Tun und Sagen zu dem, was ich jetzt tue und sage.

    Du hast mich ein ganz kleines bißchen kennengelernt. Ich bin kein anderer. Ich bin nicht (mehr) tot. Ich bin einfach noch einen Schritt weitergegangen.

    Was Du mit Deinem Kult um das Fliegende Spaghettimonster tust, ist – für mich – auch aus heutiger Sicht noch gut und richtig.

    Was Du karikierst, ist eine in toten Ritualen und Selbstgefälligkeit gefangene Kirche, die Menschen mit seelenlosem Hokuspokus und sinnlosem Abrakadabra insbesondere zur Kirchensteuer zu bekehren versucht und oft nicht mehr.

    Aber es gibt neben all dem überflüssigen Tand und dem oft lachhaften Aberglauben einen Kern der Menschlichkeit, der Warmherzigkeit, den ich auch in Dir gesehen habe.

    Es tut mir auch so besonders leid, gerade Dich – unwillentlich – getäuscht zu haben, weil ich das Gefühl hatte, Du seist einfach eine ganz ehrliche Haut. Und ich hoffe sehr, Du wirst meinen Schritt irgendwann verstehen …

  17. sapere aude » Blog Archive » Wie man die Bibel lesen (und völlig mißverstehen) kann Says:

    […] Ich hatte in einem früheren Posting geschrieben, dass ich erst allmählich erkannt habe, dass man die Bibel nicht nur wörtlich lesen kann, sondern dass die Texte unterschiedliche Interpretationsebenen haben können. Muriel und ke konnten das nicht verstehen. Ungläubig fragte ke: […]