Atheisten, Brights, Freidenker, säkulare Humanisten und Skeptiker haben unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte, aber sie eint, dass sie ein Weltbild haben, das frei von übernatürlichen und mystischen Elementen und frei von Göttern ist. Am vergangenen Wochenende (21./22. August 2010) trafen sich tatsächlich Mitglieder der meisten säkularen Organisationen in Deutschland zum ersten Mal zum ökumenischen Atheistentag in Jena.

party

Am Ende waren sie alle dabei, Mitglieder der Brights, der Giordano-Bruno-Stiftung, der Humanisten, der Freidenker und des IBKA. Sie kamen aus der Uckermark, aus Schweinfurt, Halle, Erfurt und Jena und trafen sich – wie verabredet – am Phyletischen Museum in Jena. Nach dem einstündigen Besuch des Haeckelschen Vermächtnisses, brach die Runde zum atheismushistorischen Stadtrundgang auf.

Denn Jena hat einige religionskritische oder gar atheistische Denker, unter ihnen Schiller, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche und Haeckel beherbergt, den großen „Atheismusstreit“ der Philosophiegeschichte gesehen und sogar atheistische Institutionen – den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für wissenschaftlichen Atheismus – eingerichtet.

Nach der zweistündigen Wanderung durch Jenas atheistische Vergangenheit schifften sich die Teilnehmer des 1. Ökumenischen Atheistentages auf der HMS Beagle ein. Im Jenaer Straßenbahndepot konnte man sich eine Ausstellung zu Charles Darwins Leben und seiner berühmten Reise um die Welt mit Original-Darwin-Reliquien ansehen.

Nach einer zweistündigen Pause trafen wir uns erneut am Phyletischen Museum, um anschließend gemeinsam ins Paradies aufzubrechen. Dort fand die erwartungsgemäß recht angeregte Atheismus-vs.-Theismus-Debatte zum Thema „Ist Gott mehr als ein Phantasieprodukt?“ vor etwa 20 Zuhörern statt. Teilnehmer beider weltanschaulicher Perspektiven waren vertreten und die Unentschiedenen fanden die atheistischen Argumente ganz sicher überzeugender als die theistischen …

Nach der Diskussion ruhten wir uns im Paradiespark unter sternenklarem Himmel von einem langen und ereignisreichen Tag aus. Aber auch die Träume über die tollen zukünftigen Atheistentage konnten die „Geschichten aus Milliarden und einer Nacht“, die Florian uns versprochen hatte, nicht vergessen machen. Leider konnte er jedoch aus Krankheitsgründen sein Versprechen nicht einlösen.

Der sonntägliche Vormittag begann gegen 10 Uhr, wie es sich gehört, mit einem Monsterdienst, einer zünftigen Nudelmesse, zelebriert von →Elli Spirelli und Bruder Spaghettus von der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters. Drei Brüder konnten – Monster sei Dank – neu in die Gemeinde der gläubigen Pastafari aufgenommen werden.

Danach brach die Gemeinde zur Wanderung in die steinerne Vergangenheit der Erde auf, die →Ole uns am Beispiel der Jenaer Berglandschaft spannend beschrieb. Für den →Berg, den wir in einem schweißtreibenden Marsch in zwei Stunden nach oben wanderten, brauchte die Sedimentation rund 10 – 20 Millionen Jahre und ist 220-280 Millionen Jahre alt. Oben angekommen wurden wir sogar mit Fossilienfunden und einem grandiosen Blick über Jena belohnt.

Den Abschluss fand der 1. Ökumenische Atheistentag im ältesten Jenaer Gasthaus. Auch dort wurde noch fleißg weiterdiskutiert. Aber in einem waren sich alle Teilnehmer einig:

Der 2. Ökumenische Atheistentag kommt bestimmt.

Und die Planung beginnt jetzt!

11 Responses to “1. Ökumenischer Atheistentag in Jena: Ein Resümee”

  1. Florian Freistetter Says:

    Die “Geschichten aus Milliarden und einer Nacht” hast übrigens du ins Programm gesetzt; ich hab nix versprochen 😉 Tut mir aber wirklich leid, dass es nicht geklappt hat. Aber mir gings wirklich nicht mehr so gut und das Kind musste ja auch irgendwann ins Bett. Beim nächsten Mal wirds was!

  2. sapere Says:

    Stimmt, der Titel war von mir – aber Du hast in unserer Vorbesprechung gesagt, dass Du was zur Astronomie erzählen wolltest. So. 😉

    Aber dass ich den Ausfall Deines Vortrags erwähnt hab war ja auch kein Vorwurf. Eher ein verstecktes „hoffentlich geht’s Dir bald besser“!

  3. Florian Freistetter Says:

    Es geht schon wieder besser, danke 😉 Aber ich bin trotzdem noch verärgert, dass ich die Wanderung verpasst habe. Auf diesen Berg wollt ich immer schon mal und Fossilien hab ich auch schon länger gesucht – ohne Erfolg…

  4. sapere Says:

    Och, das können wir wirklich sehr gerne – wenn Ole auch Lust hat – nochmal machen. Ich fand das nämlich, auch wenn ich ein bißchen gejammert hab, richtig, richtig cool!

  5. Bjoern Says:

    Hübsche Zusammenfassung, danke! 🙂

    Aber eine kleine Korrektur hätte ich anzubringen: soweit ich mich erinnere, sagte Ole eher, dass die Sedimentation etwa 10-20 Millionen Jahre brauchte – nicht 220-280 Millionen Jahre. Der ganze Berg hat ein *Alter* von etwa 220-280 Millionen Jahren (so steht’s auch in dem verlinkten Wiki-Artikel) – das hast du wohl mit der Zeit, die für die Entstehung verging, durcheinander gebracht…

  6. sapere Says:

    Ups. DA war ich wohl zusehr mit Diskutieren beschäftigt und habe Ole nicht richtig zugehört … 😳

  7. kati katz Says:

    Ein ökumenischer Atheistentag ist ja echt eine klasse Idee. Dürfen an so einem Tag auch Agnostiker teilnehmen?

  8. sapere Says:

    Am Atheistentag dürfen alle Menschen teilnehmen, die friedlich feiern wollen. Selbstverständlich auch Theisten. Und da Agnostiker eine Art verdeckte Theisten sind, selbstverständlich auch Agnostiker. :mrgreen:

  9. Bruder Spaghettus Says:

    >Aber eine kleine Korrektur hätte ich anzubringen…

    Da fühl ich mich doch gleich an den Atheistentag erinnert: Björn, der Jahreszahlenfetischist. 🙂

    Richtig schöne wars in Jena. Der Weg hatte sich voll gelohnt.

    Auf zum nächsten Atheistentag!

  10. Bjoern Says:

    @Bruder Spaghettus: Nicht nur Jahreszahlen-Fetischist, sondern Zahlen allgemein! 🙂

  11. Bruder Spaghettus Says:

    Inzwischen hab auch ich was geschrieben und ein paar Fotos dazu gelegt:

    http://fsm-uckermark.blogspot.com/2010/09/1-atheistentag-in-jena-nun-auch-ich.html