Trost für Atheisten

August 19th, 2010

solace

Als einer wichtigsten Gründe für den Glauben an “Götter” wird der Trost genannt, den dieser Glauben versprechen soll. Das bedingungslose Vertrauen auf “Gottes ewigen Ratschluss” gilt als Hilfe in allergrößter Not, in tiefster Angst, bei scheinbar endloser Hoffnungslosigkeit und schwerster Bedrückung.

Doch was bleibt Atheisten? Worin finden Atheisten wirklich echten Trost?

Bitte überlegt doch einmal, was Euch in Zeiten größter Angst um Euer Leben und das Leben Eurer Lieben hilft und schreibt es mir hier unten auf!

… oder kann es für Euch keinen Trost geben?

(Bitte anonym antworten – also auch bekannte Pseudonyme vermeiden!)

9 Responses to “Trost für Atheisten”

  1. doryphoros Says:

    Viel arbeitslose Deutsche “trösten” sich damit das ihnen ihre Jobs von Türken/Polen/Juden weggenommen wurden…

    Es ist erst ein mal zu zeigen ob Trost per se etwas gutes ist, bevor ich als Atheist genötigt bin zu erklären was mich tröstet in ermangelung eines Gottes der alles zum Guten wenden wird, auch für die paar Tausend Afrikaner die jeden Tag verhungern.

    Es kann doch der Bewältigung einer Situation nicht dienlich sein sich über die Ursachen oder die Art & Weise dieser Situation etwas vor zu machen.

  2. sapere Says:

    Ich verstehe folgenden Satz nicht:

    “Viel arbeitslose Deutsche “trösten” sich damit das ihnen ihre Jobs von Türken/Polen/Juden weggenommen wurden…”

    Du bist nicht “genötigt” zu erklären, was Dich in der Not tröstet. Meine Frage – auf die ich eine Antwort erbitte und nicht fordere – ist, ob es sowas für Dich gibt.

    Trost ist keine Illusion per se.

    Angesichts der himmelschreienden Not in der Welt könnte Dich z.B. trösten, dass Du alles in Deiner Macht stehende dagegen unternimmst.

    Unternimmst Du etwas?

  3. Anna Pseudo Says:

    Mich trösten genau die Gedanken, die Gläubigen Angst machen:

    * Es gibt keinen Zweck, keine höhere Bestimmung. Mein Dasein hier ist zufällig und hat keine Bedeutung, die über die von meinem Bewusstsein geschaffene hinausgeht. Ich finde diesen Gedanken sehr beruhigend, wenn mir das Leben mal wieder Steine vor oder auf die Füße wirft, und er hat mir schon mehr als einmal Kraft gegeben, weiterzumachen, und sei es nur, um zu sehen, was noch kommt.

    * Es gibt niemanden, auf den ich mich verlassen muss, als mich selbst. Ich habe mein Leben selbst in der Hand, und auch wenn ich es niemals ganz kontrollieren kann, habe ich alleine die Verantwortung, aus dem, was es mir bietet, das Beste zu machen. Dafür kann ich es mir dann auch selbst auf die Fahnen schreiben, wenn es mir gut geht.

    Ich vermute, dass die entsprechende Kontrollmöglichkeit über das eigene Leben vorhanden sein muss, um so zu denken, und ich weiß, dass ich als Westeuropäerin sehr privilegiert bin – aber andererseits gibt einem Gottlosigkeit auch sehr viel Kontrolle über das eigene Leben zurück.

    A.P.

  4. Noch ana Says:

    Anna Pseudo hat das schon recht hübsch ausgedrückt. Für mich noch mal kurz gefasst: Es gibt keine absolute Bedeutung.
    Daraus folgt: ich (und jeder andere) darf Bedeutung frei vergeben. Es ist schon ein Trost, dass alles nur jenen Wert hat, den ich ganz persönlich vergebe 😉

  5. Lichtecho Says:

    Geborgenheit spendet Trost oder umgekehrt: Der geborgene Mensch bedarf keines Trosts. Das ist in meinen Augen die große Stärke des naiven Glaubens und der Kirche als Gemeinschaft. In dem Blogpost über das Buch “Brauchen wir Gott?” ist das wunderbar beschrieben: http://tinyurl.com/246g9c9 Vielen Menschen macht die Inkonsistenz ihrer Weltbilder (hier Gott, da Wissenschaft) nichts aus, bemerken sie nicht einmal.

    Will man Geborgenheit erfahren, aber nicht auf ein Gotteskonzept oder die Kirchengemeinde zurückgreifen, braucht es andere Erfahrungen der Geborgenheit. Ich selber erfahre Geborgenheit, wenn ich mich als Teil von etwas sehe, was größer ist, als ich. Das kann eine Naturerfahrung sein, eine Wanderung im Schwarzwald oder der nächtliche Himmel. Das kann aber auch Familie sein. Kinder sind sehr wichtig, weil sie uns zeigen, dass es nach uns weiter geht und wir Teil einer Kette sind. Freunde sind natürlich wichtig, aber vor allem auch Orte der Begegnung mit anderen Menschen, die einem vielleicht fremd sind, aber mit denen man die gleichen Interessen teilt. Man muss sich solche Orte einrichten, epikureische Gärten, in denen man sich mit Menschen austauschen kann. Wer solch einen Ort hat, der hat Geborgenheit und damit Trost.

  6. Robby Says:

    @AP & noch ana:

    Im “rationalen Zustand” gehe ich da mit, aber ich denke die Frage zielt eher darauf ab, was passiert, wenn ihr Unsicherheit verspürt. Wenn neben euch die geliebten Menschen wie die Fliegen wegsterben, ihr entführt und gefoltert werdet, jemand massivste Dissonanz in euch erzeugt oder auf eure wunden Punkte hämmert. Jemand der dann immer noch sagt “Och, ist ja nichts dabei.”, will ich sehen. Wahrscheinlicher ist es, dass tiefverankerte Reaktionen getriggert werden. Fight, Flight, Freeze. Nur wenn Fight und Flight nicht möglich sind, was dann? Oder anders: Kein Kontrollempfinden mehr, kein problembezogenes Coping, sondern pures Ausgeliefertsein.

    Die Frage, die sapere – meines Verständnisses nach stellt: Wie “copet” ihr dann?

  7. Anna Pseudo Says:

    @Robby: Die Frage ist sehr schwer zu beantworten, wenn man nie in der Situation war, und wer aus unseren Breiten war das schon? Ich kann nur mutmaßen, dass ich auch dann wüsste, dass mir kein imaginärer Freund helfen kann, sondern nur meine eigene Stärke.

    Widersprechen muss ich aber dem “Och, ist ja nichts dabei” – das habe ich nirgends gesagt. Verzweiflung, das Gefühl, nicht mehr weiter zu können, habe ich schon mehr als einmal gespürt, und auch als Atheist steckt man das nicht einfach weg. Der Gedanke, ausgerechnet in einem solchen Moment auf eine göttliche Intervention zu warten und zu vertrauen, erscheint mir aber mehr als absurd, ich glaube das würde alles nur noch schlimmer machen.

    Der Gedanke an das Leben hingegen, das weitergehen wird, wenn auch vielleicht in veränderter Form – der gibt Kraft.

    A.P.

  8. Christian Says:

    Ich kann nur sagen dass mich nach dem Tod meiner Großeltern die Tatsache getröstet hat, dass jetzt alles vorbei war, d. h. alles Leiden.
    Mit oben beschriebenen Extremsituationen habe ich (glücklicherweise) keine Erfahrung, ich denke aber nicht dass ich dann plötzlich auf göttliche Intervention warten würde.

  9. Nayru1337 Says:

    So wie ich den christlichen Glauben verstehe besteht ein großer Teil des Trostes aus der Zuversicht, dass trotz aller Ungerechtigkeit in der Welt “am Ende jeder bekommt, was er verdient”. Dieser Gedanke kann sehr tröstlich sein – wir hat er allerdings nie besonders weitergeholfen, da ich weder besonders nachtragend noch rach- oder gar rechtssüchtig bin.

    Interessanterweise tröstet mich ein ähnlicher Gedanke wie viele Atheisten: “Ich habe keine besondere Bedeutung”. Ich tue was ich kann nach besten Wissen und Gewissen – und der Rest liegt halt einfach nicht in meiner Macht. Was mich angeht ist es sogar egal die Frage zu klären ob der Rest in irgendjemandes Macht liegt.

    Vielleicht ist “am Ende” alles egal. Vielleicht nicht. Egal wie es ausgeht – ich kann immer nur tun was in meiner Macht liegt. Den Rest tut hoffentlich jemand anderes XD

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