Kein Witz: Derart merkwürdige Ansichten sind Unterrichtsstoff in Brandenburger Schulen.

Das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg hat neue Unterrichtsmaterialien zum Thema “Opposition und Repression in der DDR” erarbeitet. Dort kommen auch Zeitzeugen zu Wort, wie z.B. der heutige Polizei-Pfarrer und ehemalige Bürgerrechtler Stephan Bickhardt. Der wird mit folgenden Worten zitiert:

Sich aufregen lassen ist […] die Voraussetzung von Engagement. Aber dass es dazu kommt, da muss man sensibilisiert sein […] dafür, dass der Mensch über allen Institutionen steht. […] Und wenn wir von der Sensibilisierung für das Menschliche reden, dann gehört eben dieser spirituelle Zusammenhang auch mit dazu. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Menschen, die einen lebendigen Glauben haben, die Achtung vor dem Nächsten, die das ja sofort mit einschließt, Spitzeldienste zum Nachteil anderer übernehmen. Dieser gewöhnliche Atheismus im Osten hat auch zu dieser Desensibilisierung mit beigetragen.

6 Responses to “Alle Atheisten sind potentielle Stasi-Spitzel”

  1. Tweets that mention sapere aude » Blog Archive » Alle Atheisten sind potentielle Stasi-Spitzel -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by sapere aude, Big Ben. Big Ben said: RT @_sapereaude_: Alle Atheisten sind potentielle Stasi-Spitzel http://is.gd/elvHs […]

  2. Nayru1337 Says:

    Die Überschrift passt hier irgendwie nicht. Dem Text entnehme ich die Aussage:

    “Bickhardt kann sich nicht vorstellen, dass Menschem mit lebendigem Glauben Spitzeldienste zum Nachteil anderer übernehmen.”

    Ich sehe keine Aussage über “Alle Atheisten” – aber vielleicht kannst du mir da ja noch auf die Sprünge helfen. Im Übrigen ist die Kombination aus “alle” und “potentiell” mindestens so sinnvoll wie “manchmal immer” 😀

    Grüße
    Nayru

  3. sapere Says:

    Stimmt, das hat der Bickhart wortwörtlich so nicht gesagt.

    Aber was schließt Du denn aus seiner obenstehenden Aussage?

    Dass Atheisten genauso sensibel für Autoritäten sind? Dass Atheisten so wie Theisten anfällig für Stasi-Anwerbung waren?

    Wohl kaum.

    Im übrigen ist die Kombination der Worte “alle” und “potentiell” durchaus nicht sinnlos.

    Das Wort “potentiell” steht nur für “möglich”.

    Und die Aussage, dass alle Atheisten das Zeug zum Stasi-Spitzel haben könnten – weil sie Atheisten sind und deshalb nicht die “Sensibilität” der Theisten für Autoritarismus haben – ist alles andere als sinnlos.

    Das ist es, was ich aus den Worten Bickhardts lese.

    Und ich sehe nicht, dass das zutreffend ist. Im Gegenteil. Gerade Theisten haben nachgewiesenermaßen eine Neigung zur autoritären Persönlichkeit. Und auch ihre Ideologei ruft zur bedingungslosen Unterwerfung unter Autoritäten auf.

    Im Buch Römer Kapitel 15 Vers 1 bis 5 steht:

    Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen. Denn die Gewaltigen sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, so wirst du Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin dir zu gut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. Darum ist’s not, untertan zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen.

    Bickhardts Behauptung ist also nicht nur umstritten, sondern eigentlich eine Frechheit.

  4. Nayru1337 Says:

    In der einzigen Aussage Bickhardts Zitats, die direkt etwas mit Atheismus zu tun hat behauptet er, der Atheismus im Osten habe zur Desensibilisierung für das Menschliche mit beigetragen.

    Vermutlich geht seine Aussage wirklich in die Richtung, aber für mein persönliches Empfinden ist die Überschrift “Alle Atheisten sind potentielle Stasi-Spitzel” zu radikal zugespizt und extrem reißerisch.

    Quantifizierte Aussagen, die “ALLE” oder “KEIN” beinhalten sind mitunter in aller Regel sowieso sehr mit Vorsicht zu genießen. Obwohl es die Sache natürlich sehr viel einfacher macht.

    Ich kann mich davon leider auch nicht freisprechen. Dir unterstelle ich jetzt einfach mal, dass der radikal reißerische Ton durchaus gewollt war 🙂

  5. sapere Says:

    Was soll ich sagen … ?

    Du hast Recht! 😉

    Zuspitzung ist ein ein von mir gern genutztes rhetorisches Stilmittel zum Zweck der Kritik eines bis dahin eher impliziten – und deshalb ungerechtfertigt geduldeten – Urteils.

  6. Tech-o-matic Says:

    Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Menschen, die einen lebendigen Glauben haben, die Achtung vor dem Nächsten, die das ja sofort mit einschließt, Spitzeldienste zum Nachteil anderer übernehmen.

    Die Vorstellungskraft dieses Menschen lässt arg zu wünschen übrig. Es gab erwiesenermaßen genug Spitzel innerhalb der Kirchen in der DDR. Und das waren ganz sicher keine Atheisten, sondern viel eher lebendige Propagandisten des Wort Gottes.

    Übrigens ist “Spitzeldienste zum Nachteil anderer” doch ein tautologischer Pleonasmus, oder?

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