Beautiful Dawn

April 29th, 2010

Vatikan AG

April 29th, 2010

Der Niko hat mich vor ein paar Wochen gebeten, ein bißchen Werbung zu machen. Und das will ich hier auch gern – wenn auch ein bißchen verspätet – tun. (Mal abgesehen davon, dass ja eh niemand mein Blog liest).

Werbung für ein Buch mit dem Titel „Vatikan AG“. Ich habe das Buch nicht gelesen. Ich könnte jetzt natürlich irgendeinen schon woanders stehenden Text hier reinkopieren – aber da meine wenigen Leser sicher besseres zu tun haben, als lange Texte zu lesen, will ich nur ganz ganz kurz sagen, warum dieses Buch vielleicht lesenswert sein könnte, aber warum ich es mir wahrscheinlich trotzdem nicht kaufen werde.

Also, hier erstmal der Trailer:

Hört sich ja eigentlich schonmal ganz gut an.

Der Standard hat drüber geschrieben, der SPIEGEL hat es erwähnt und die Neue Zürcher Zeitung schreibt:

„Der Journalist Gianluigi Nuzzi veröffentlichte Dokumente, die zeigen, dass die Papstbank auch unter Caloia bis in die Mitte der 1990er Jahre Geld des organisierten Verbrechens verwaltete und auch Millionen aus Korruptionsgeschäften verschob.“

nucci

Und im Interview mit der Welt erklärt Nuzzi

In der Vergangenheit gab es eine Reihe verdächtiger Todesfälle, darunter Morde, die als Selbstmorde getarnt wurden, die in einem Zusammenhang mit den Finanzen des Heiligen Stuhls standen.

Es geht also nicht nur um krumme Finanzgeschäfte. Es geht offenbar um Leben und Tod.

Aber: das Buch kostet 22,50 Euro. Also ein Buch, das bereits preislich auf einer Stufe mit Carsten Frerks „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“ steht, das sich aber – wie Frerks Buch – als Taschenbuch sicherlich deutlich besser verkauft. Auch an mich.

Wie ist das Verhältnis der katholischen Bloggerseiten zu den atheistischen? Gibt es zwischen beiden Diskussionen oder Kämpfe?
(…) Das Problem ist, dass im Internet in sehr kurzer Zeit eine große Atheisten-Szene entstanden ist, in der ganz komische Standards herrschen. Darüber ließ sich einiges sagen.

Was halten Sie von den Kampagnen und deren Durchführung auf den atheistischen Seiten?

Das ist ein wahnsinnig komplexes Thema. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle. Zum einen lässt sich ja überhaupt nicht mit Sicherheit sagen, wie viele der Atheisten, die momentan im Internet aktiv sind oder sich an bestimmten Kampagnen beteiligen, wirklich Atheisten sind und nicht einfach nur junge Leute mit einem ganzen Haufen legitimer Fragen, die einen hippen Trend wittern und probeweise mal aufspringen. Die Art und Weise, wie auf bestimmten Atheisten-Seiten argumentiert und operiert wird, legt jedenfalls die Vermutung nahe, dass da nur in den seltensten Fällen tatsächlich ein reifer, gewachsener Atheismus dahintersteckt. Man merkt das schnell, wenn man mal ein wenig herumliest. Auf der einen Seite findet man plötzlich nicht wenige Leute, die wissen, was eine „ignoratio elenchi“ oder eine „petitio principii“ ist und wie man einen gültigen Syllogismus bildet. Aber andererseits wird auf diesen Atheisten-Seiten zum Beispiel immer wieder die physische Unterscheidung zwischen „etwas“ und „nichts“ in einen Topf geworfen mit der metaphysischen Unterscheidung zwischen „Existenz“ und „Nicht-Existenz“. Wäre ich ganz böse, nähme ich einfach an, dass diese Themen auf Wikipedia noch nicht behandelt wurden. Zudem geht es auf den Atheisten-Seiten auch nicht immer um Gott, sondern darum, wie böse die Religionen sind. Und da wird mit einem Doppel-Standard operiert, den ich auch auf meinem Blog schon hin und wieder einmal beklagt habe: Passiert im Namen einer Religion etwas Übles, dann ist das die Schuld der Religion selbst, die ihrerseits übel ist. Passiert im Namen einer Religion Gutes, dann wird das entweder gleich ignoriert, oder es werden atemberaubende logische Salti vollzogen um zu demonstrieren, dass hier nur Individuen am Werk waren, die zufällig einmal nicht so handelten, wie ihre Religion es eigentlich von ihnen verlangt. Da der „neue“ Atheismus ja mittlerweile Züge trägt, die denen der Religionen nicht unähnlich sind (Hohepriester; dünnhäutige Gläubige, die auf jede Kritik reagieren wie auf ein Sakrileg; sich anbahnende Schismen zwischen diversen Wortführern und deren Anhängern) gehe ich einfach mal davon aus, dass sich in Zukunft auch so etwas entwickeln wird, wie der Cafeteria-Atheist oder der Atheist, der einfach aus seiner Kirche austritt.

Weiterlesen kann man das hier: http://amroemsten.blogspot.com/2010/04/das-interview.html

pfaffeAuf dem neuen Humanisten-Blog mit dem peinlich-ranschmeißerischen Titel (wissenrockt.de) hat sich wieder jemand Gedanken über eine Atheistenpartei gemacht. Ich hatte diesen Vorschlag bereits einmal in die Runde geworfen und er fiel auf – wie soll man sagen – nicht so extrem fruchtbaren Boden. Kein Wunder. Wie sagt man so schön:

„Atheisten versammeln ist wie Katzen hüten“

Dr. Frank Berghaus möchte jedenfalls eine „Humanistische Partei“ gründen. Das ist schonmal schlecht, denn die gibt es leider schon. Und sie hat nicht den besten Ruf. Im Prinzip steht sie für genau das Gegenteil von dem, wofür Humanisten normalerweise stehen: Unabhängiges Denken.

In der bereits aktiven „Humanistischen Partei“ fühlt man sich stattdessen den Lehren des Gurus „Silo“ verpflichtet. Ganz schön blöd, aber nicht zu ändern.

Mit dieser Deppenpartei will Dr. Frank Berghaus sicher nichts zu tun haben, denn er fragt:

„Wie müsste das Programm einer säkularen, evolutionär-humanistischen, rational-wissenschaftsfreundlichen, bürgerrechtsbezogenen und tolerant-individualistischen Partei aussehen?“

Und weiter:

„Eine Partei, die sich lediglich für die strikte Trennung von Staat und Religion einsetzt, hätte in ihrer einseitigen Ausrichtung sicherlich keine Chance auf vernünftige Wahlergebnisse. Sie würde recht schnell mit dem Label „Sektierer“ bedacht werden. Ein Lied von diesem Dilemma der einseitigen Themenbezogenheit können diejenigen Grünen singen, die sich noch an die Anfangsphase zurückerinnern. Erst die unter großen Kämpfen und Schwierigkeiten erreichte Festlegung auf allgemeinpolitische Sujets sicherte das Verbleiben der Grünen als ernstzunehmende politische Kraft mit vernünftigen Stimmanteilen bei Wahlen. Die einseitig gebliebene Abspaltung ÖDP spielt dagegen keinerlei Rolle mehr.“

Das grundlegende Problem der atheistisch-humanistisch-freigeistig-skeptischen Szene in Deutschland ist ihre unvermeidliche, natürlich-inhärente Zerissenheit.

Es gibt für Menschen, die fanatische Ideologien, verkrustete Strukturen, überkommene Dogmen und totalitäre Autoritäten nicht anerkennen und gar erbittert bekämpfen wenig Möglichkeiten zur systematisch-zielorientierten und effektiven Parteiarbeit, zu der Unterordnung, Anpassung, Vereinfachung, Ideologisierung und zehrende Machtkämpfe gehören.

Man muss möglicherweise eines anerkennen: Die einzige Möglichkeit der Durchsetzung atheistischer Interessen ist der permanente intellektuelle Guerilla-Kampf. Atheistische Humanisten müssen im Verborgenen wirken. Sie knüpfen ihre Netzwerke im Schatten der politischen Lautsprecher. Sie üben ihren Einfluss in den diskreten und gepflegten Zirkeln der intellektuellen Elite. Sie bedürfen der einfachen Wahrheiten der Massenpolitik nicht.

Atheismus und Humanismus heißt eben nicht, dass alle Bürger eines Staates oder die gesamte Weltbevölkerung davon überzeugt werden müssen, dass es keine Götter gibt oder dass man ohne Religion glücklicher sei. Es ist vielmehr die persönliche Aufgabe jedes engagierten Atheisten und Humanisten, die scheinbar sicheren Wahrheiten beständig zu hinterfragen.

Eine solche Haltung läßt sich nicht institutionalisieren. Schon gar nicht in einer Partei. Es ist eine Lebenseinstellung, die aus sicherem Wissen um unser Nichtwissen folgt – und die deshalb aber auch anderen ihre unterschiedlichsten individuellen Weltanschauungen und Lebensentwürfe gestattet und sie gleichberechtigt würdigt.

Eine weltanschauungsgeleitete Partei, deren erklärtes Ziel die Trennung von Staat und Weltanschauung ist, widerspräche sich selbst.

Ich denke, jeder sollte versuchen zu erkennen, dass eine „Humanistische Partei Deutschlands“ so etwas wie die SED wäre, eine institutionalisierte Weltrevolution – eine Nonkonformistenpartei. Kurz, eine contradictio in adiecto und damit der Wählerstimme eines halbwegs intelligenten humanistischen Atheisten unwürdig.

via giordanobrunostiftung.wordpress.com

Journalisten und ihr Glaube

April 16th, 2010