Ja, die säkulare Szene in Deutschland ist zerstritten. Da streiten die Humanisten mit der Giordano-Bruno-Stiftung, die GBS mit den Brights und die Brights untereinander. Man ist sich natürlich einig in einer ganz wesentlichen Frage – aber wie man diese Frage beantwortet, darüber herrscht mehr Streit als in einer Waschküche. Dies hat seine Gründe vor allem in den übergroßen Egos der Beteiligten. Jeder ist der neue Messias und posaunt das auch möglichst laut in die Öffentlichkeit.

Kürzlich gab es Streit um die „Prüfung“ des Berliner Religionsunterrichts zur Aufdeckung kreationistischen Gedankengutes. Ohne hier ins Detail gehen zu müssen: Wenn der Brightsblog meint, hier für das säkulare Spektrum zu sprechen, wenn er diese Maßnahme kritisiert, dann irrt er sich gewaltig.

Denn bereits im ersten Artikel des Berliner Schulgesetzes „§ 1 Auftrag der Schule“ finden sich mindestens 5 Widersprüche zur Lehre der christlichen Kirchen:

„Auftrag der Schule ist es, alle wertvollen Anlagen der Schülerinnen und Schüler zur vollen Entfaltung zu bringen und ihnen ein Höchstmaß an Urteilskraft, gründliches Wissen und Können zu vermitteln. Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Frie-dens, der Freiheit, der Menschenwürde, der Gleichstellung der Geschlechter und im Einklang mit Natur und Umwelt zu gestalten. Diese Persönlichkeiten müssen sich der Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit bewusst sein, und ihre Haltung muss bestimmt werden von der Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen, von der Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung und von der Anerkennung der Notwendigkeit einer fortschrittlichen Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse sowie einer friedlichen Verständigung der Völker. Dabei sollen die Antike, das Christentum und die für die Entwicklung zum Humanismus, zur Freiheit und zur Demokratie wesentlichen gesellschaftlichen Bewegungen ihren Platz finden.“

1. „Ziel muss die Heranbildung von Persönlichkeiten sein, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten“

Das Christentum ist eine Ideologie, die Gewaltherrschaft nicht nur anstrebt, sondern ausübt (Beispiel: Die völkerrechtswidrige Außenpolitik der USA).

2. „…das staatliche und gesellschaftliche Leben auf der Grundlage der Demokratie … „

Demokratie wiederspricht der autoritär-faschistoiden Ideologie des Christentums nach dem Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ oder mit Jesus Christus in eigenen Worten:

“Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir.” [Lk 19:27]

“Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.” [Mt 10:34/35]

“So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.” [Lk 14:26]

“Meinet ihr, daß ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.” [Lk 12:51]

3. „… des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde“

Christliche Lehren von der Ermordung von Atheisten, Homosexuellen, der Haltung von Sklaven und der Bekämpfung allen Andersdenkens und der restlosen Missionierung zur Christlichen Ideologie widerspricht dem Gedanken des Friedens, der Freiheit und der Menschenwürde zutiefst.

Homosexualität:

“Wenn ein Mann sich mit einem anderen Mann wie mit einer Frau vergeht, haben beide Schändliches begangen. Sie sollen mit dem Tode bestraft werden; es lastet Blutschuld auf ihnen.” [3. Mose 20, 13]

Ehebruch:

„Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat.“ [3. Mose 20, 10]

Atheistenmord:

“Ach Gott, wolltest du doch die Gottlosen töten.” [Psalm 139,19]

Sklaverei:

“Willst du aber leibeigene Knechte und Mägde haben, so sollst du sie kaufen von den Heiden, die um euch her sind” [3. Mose 25,44]

4. „…der Gleichstellung der Geschlechter“

Bilbische Aufforderungen zur bedingunslosen Unterordnung von Frauen unter den Mann widersprechen diesen Forderungen.

“Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HERRN.” [Eph 5,23]

5. „ihre Haltung muss bestimmt werden von der Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen“

Dem widersprechen diverse biblische Aussagen. Siehe oben!

Alles in allem widerspricht der konfessionsgebundene Religionsunterricht dem Berliner Schulgesetz schon im Kern. Jeder vernünftige Bürger hat das Recht, das selbst zu überprüfen und die zuständigen Behörden darüber zu informieren.

Die hysterische Kritik an dieser sachlichen korrekten Aufforderung der GBS, vor allem vonseiten der Kirchen, ist diffamierend, atmet Atheismusfeindlichkeit und zeigt die extrem antisäkulare Stimmung in der christlichen Szene in Deutschland.

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Der „Feuerbringer“ hat sich dieser Frage übrigens auch gewidmet.

One Response to “Brights, die GBS und das Berliner Schulgesetz”

  1. Bebu Says:

    Schöne Gegenüberstellung. Vielleicht sollte man hinzufügen, dass diese wenigen Bibelstellen keine Ausnahmen sind, sondern vielmehr ein repräsentatives Bild für einen großen Teil der Bibel – und zwar beider Teile.

    Ich frage mich da schon lange, ob es möglich wäre, in Deutschland eine Partei zu gründen, die als Programm diese und viele andere, ähnliche Bibelstellen nimmt, dabei Atheisten/Ungläubige durch Gläubige/Andersdenkende/o.ä. ersetzt und dann weiter existieren kann ohne vom Bundesverfassungsgericht verboten zu werden. Allein für ein derartiges Urteil, das die Verfassungsfeindlichkeit des Chrsitentums beweisen würde, wäre es den Aufwand wert.

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