Ein junger Politiker der Schweizer Christlichdemokratische Volkspartei (CVP), eines Ablegers der deutschen CDU, hat offenbar gefordert, dass alle, die aus der Kirche austreten und somit keine Kirchensteuer mehr zahlen (ja, auch in der Schweiz wird Kirchensteuer gezahlt), stattdessen zur Zahlung einer Sozialabgabe verpflichtet werden sollen.

Das ist lustig.

Denn jetzt hätten die Schweizer Atheisten die hervorragende Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie hoch den eigentlich der Anteil der Kirchensteuer an der Finanzierung von Sozialeinrichtungen ist. Wer es noch nicht wußte: Der Anteil der Kirchen an der Finanzierung von kirchlichen (!) Sozialeinrichtungen liegt in Deutschland bei – na? – genau, etwa 5-10%. Den Rest tragen alle Menschen, die – auch in der Schweiz – Steuern zahlen – egal ob sie sich sonntäglich erzählen lassen, dass es gasförmige, übernatürliche Männer und sprechende Schlangen gibt oder nicht.

Also nochmal zum mitmeißeln:

Der Anteil von Kirchengeldern in der Finanzierung aller Tätigkeiten von Caritas und Diakonie in Deutschland beträgt insgesamt etwa 2 Prozent. Die beiden Kirchen finanzierten von den rund 37 Milliarden Euro Kosten der Einrichtungen in der Trägerschaft von Caritas und Diakonie im Jahr 2003 insgesamt etwa 830 Millionen Euro. Somit werden jährlich etwa 0,2 Prozent des Gesamtvermögens (490 Milliarden Euro) der beiden deutschen Großkirchen für soziale Zwecke eingesetzt.

Hier mal eine Übersicht der Einkünfte der Caritas :

caritas.gif

Gleichzeitig, das darf man bei all dem nicht vergessen, erhalten die Kirchen Steuererleichtungen und Geldgeschenke von Staat – also auch atheistischen Schweizern – in Millionenhöhe. Das kommt natürlich vor allem den Kirchenmitgliedern zugute.

Ich denke, es wäre angebracht, dass die Atheisten fordern, dass alle, die in eine Kirche eintreten, eine Sozialsteuer zahlen, die dann allen Schweizern zugute kommt, seien sie Theisten oder Atheisten.

Tja, nicht umsonst forderte Sarah Silverman jüngst: Sell the Vatican, feed the world!

Einen weiteren aktuellen Beitrag zum Thema gibt es beim Humanistischen Pressedienst.

4 Responses to “Die Legende von der sozialen Kirchensteuer”

  1. Andreas P Says:

    Beziehen sich die Zahlen, insbesondere das Gesamtvermögen, auf die Schweiz oder auf Deutschland?

  2. sapere Says:

    Danke für die Nachfrage.

    Der Gründlichkeit geschuldet ist natürlich die Feststellung, dass die obigen Zahlen sich natürlich auf Deutschland beziehen und so – lediglich – Schlüsse über die Verhältnisse in der Schweiz zulassen und vielleicht (hoffentlich) zu einer intensiveren Nachforschung Anlass geben.

  3. Restebloggen zum Wochenende (12) « überschaubare Relevanz Says:

    […] gerechtfertigt. Sapere aude hat sich mal mit der Frage auseinandergesetzt, wie es damit eigentlich wirklich aussieht und stellt fest: „Der Anteil von Kirchengeldern in der Finanzierung aller Tätigkeiten von […]

  4. Oliver Says:

    wow, nette zahlen da……
    hätte ich nicht gedacht….
    wirklich nicht……..
    die kirche ist ein Schotte, wenn es um soziale Zuschüsse geht.

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