Es sind nicht zuletzt die Predigten und Bücher fundamentalistischer Evangelikaler in den USA, die mir regelmäßig Angst machen. Sie sprechen von Armageddon, von der Endzeit, dem angeblich bevorstehenden allerletzten Kampf zwischen Gut und Böse in Israel. Bevor dieser nicht stattgefunden hat, wird Jesus angeblich nicht wiederkommen. So wenigstens steht es im Johannesevangelium. Und christliche Fundamentalisten glauben die Bibel wörtlich. Solche direkten und indirekten Aufforderungen zur Initiierung eines Weltkrieges sind allein für sich schon beängstigend. Doch man kann sich ja der Hoffnung hingeben, dass diese absurden, potentiell selbsterfüllenden Prophezeiungen nur wenige Millionen verwirrte Ohren finden werden.

friends.gifAber eine ganz neue Dimension religiöser Verblendung will auch ein Mann erreichen, der dem zukünftig mächtigsten Mann der Welt sehr nahe steht: Der evangelikale Prediger Rick Warren. Der laut Christianity Today “einflussreichste Pastor in den USA”, der laut Newsweek zu den “15 People Who Make America Great” gehört, fordert seine Gemeinde auf, sich mit derselben Hingabe hinter Jesus zu stellen, wie die braunen Horden hinter Adolf Hitler und die roten Horden hinter Mao.

Er sprach am 17. April 2005 vor 30,000 seiner Anhänger in einem Stadion, über eine Vision für die nächsten 25 Jahre:

“Es geht um die globale Ausdehnung des Königreichs Gottes, die totale Mobilisierung seiner Kirche und der dritte Teil ist der Traum von einer radikalen Ergebenheit jedes Gläubigen. Ich habe dieses Wort “radikal” sehr bewußt ausgewählt, weil nur Radikale die Welt verändern, alles Große in dieser Welt ist von leidenschaftlichen Menschen vollbracht worden. Bescheidene Menschen bekommen bescheiden nichts geregelt. Und Bescheidenheit wird nie die globalen Riesen bekämpfen. (…) Im Jahre 1939, in einem Stadion genau wie diesem, in München, sie haben es angefüllt mit jungen Männern und jungen Frauen in Braunhemden, für einen fanatischen Mann hinter dem Podium, Adolf Hitler, das personifizierte Böse. Und in dem Stadion formten die Braunhemden ein Zeichen, das dem ganzen Stadion anzeigte “Hitler, wir sind Dein”. Und sie hätten fast die Welt erobert. (…) Wenn ich diese Geschichten höre, denke ich, was würde passieren, wenn amerikanische Christen, wenn die Weltchristenheit, wenn die Christen in diesem Stadion sagen würden “Jesus, wir sind dein”. Welches spirituelle Erwachen würde das geben?”

Dieser einflussreiche evangelikale Prediger, der im Jahre 2005 seine fanatisierte christliche Anhängerschar aufforderte, so zusammenzustehen und zu kämpfen wie die Hitlerjugend, wird am 20. Januar auf den Stufen des Kapitols vor der Vereidigung des 44. amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, predigen.

Siehe auch Beitrag der Huffington Post

2 Responses to “Obamas Pfarrer will christliche Hitlerjugend”

  1. Toni Says:

    Wie viele dieser Idioten würden endlich zur Vernunft kommen, wenn sie die Bibel nur ein Mal lesen würden und den kompletten Bullshit erkennen würden, der darin steht. z.B. die in den verschiedenen Geschichten immer weiter in die Zukunft verschobene Prophezeihung der Rückkehr Jesu, weil dieser komischerweise einfach nicht auftauchen wollte. Ursprünglich sollten ja noch seine Jünger höchstpersönlich das Gottesreich auf Erden erleben.

    Es ist einfach nur traurig, wie radikal manche Verrückte werden können, ohne offensichtlich je ihr heiliges Buch gelesen zu haben.

  2. sapere Says:

    Och, ich glaub schon, dass sie ihr heiliges Buch lesen. Sie dehnen aber die Aufforderung, das Gelesene zu interpretieren, buchstäblich über die Schmerzgrenze hinaus aus.

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