Geburtenrate und Religiosität
January 4th, 2009
Die Hypothese, dass Gebete wenigstens eine Wirkung haben, nämlich die Geburtenrate zu erhöhen, ist inzwischen im common sense angekommen. Man streitet merkwürdigerweise kaum noch darüber, ob es wohl einen Zusammenhang zwischen der Religiosität und Kinderzahl geben könnte.
Wenig beachtet ist der Effekt der Religiosität der Eltern auf die Fertilität der Kinder. Die Wirtschaftwissenschaftler Pablo Brañas-Garza und Shoshana Neuman haben in einer Analyse des “International Social Survey Programme: Religion II (ISSP)” die Hypothese geprüft, dass die Häufigkeit des elterlichen Gottesdienstbesuches einen Einfluss auf die Kinderzahl der Kindes hat. Spanische Frauen, die von einer sehr intensiv praktizierenden Mutter erzogen wurden, hatten im Schnitt ein Kind weniger als die Töchter der weniger praktizierenden Mütter. Väter wiederum, haben einen kinderzahlförderlichen Effekt (0.8). Die Daten der italienischen Stichprobe stützen den spanischen Befund im Bezug auf die Mutter. Die Kirchenbesuchshäufigkeit italienischer Väter hatte keinen signifikanten Effekt. Das Ausmaß der eigenen Religiosität ist übrigens unerheblich für die Kinderzahl in Spanien und Italien.
Die israelischen Soziologen Jon Anson und Avinoam Meir haben ebenfalls den Zusammenhang zwischen Religiosiät und Fertilität erhoben und kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Werden die zusätzlichen Variablen Nationalismus und Lebensstandard in die Analyse eingeführt, hat die Religiosität keinen Einfluss mehr auf die Geburtenrate. Die Autoren schließen mit der Bemerkung, dass die Scheinzusammenhänge zwischen Religiosität und Fertilität wohl eher auf den latenten Nationalismus israelischer Siedler zurückzuführen ist.
Ethnozentrismus und Intoleranz gelten als bedeutende Begleitvariablen von Religiosität.
January 5th, 2009 at 00:37
http://fact-fiction.net/?p=1633 (Das ist KEINE Leseempfehlung, sondern soll nur zeigen, daß bestimmte Ideen inzwischen auf fruchtbaren Boden fallen.)