In seinem Artikel „Religiosität & Altruismus – Ein Vergleich der Spendenbereitschaft religiöser und nichtreligiöser Deutscher“ schreibt der Religionspublizist Michael Blume, dass Religiöse generell spendenbereiter seien und präsentiert dazu Daten einer sozialstrukturellen Analyse von (Geld-)Spendern aus dem „Familiensurvey 2004“. Religiosität soll sich dabei, laut Blume, als „erstaunlich starker Faktor“ für Spendenbereitschaft erweisen. Was in der Darstellung Blumes allerdings verschwiegen oder gar nicht erst miterhoben wurde, ist der Spendenzweck.

Der wurde nun in einer Gallup-Umfrage unter 1,009 US-amerikanischen Erwachsenen aus dem Dezember 2008 miterfasst. Und hier zeigt sich ein für alle religiösen Religionspublizisten überraschendes Ergebnis (für Atheisten ist dieses Ergebnis natürlich wenig überraschend):

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Es gibt keinen Unterschied zwischen Protestanten, Katholiken und Nichtreligiösen in der Spenden- und Mitwirkungsbereitschaft für eine nichtreligiöse Organisation. Darüber hinaus gibt es auch keinerlei Unterschiede zwischen Religiösen und Nichtreligiösen in der Blutspendehäufigkeit.

Religiosität führt also genausowenig zu erhöhter Spendenbereitschaft, wie höhere Spendenbereitschaft zu Religiosität führt. Es gibt also offenbar keinerlei Zusammenhang zwischen Religiosität und Opferbereitschaft.

Wieso auch.

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via

Es sind nicht zuletzt die Predigten und Bücher fundamentalistischer Evangelikaler in den USA, die mir regelmäßig Angst machen. Sie sprechen von Armageddon, von der Endzeit, dem angeblich bevorstehenden allerletzten Kampf zwischen Gut und Böse in Israel. Bevor dieser nicht stattgefunden hat, wird Jesus angeblich nicht wiederkommen. So wenigstens steht es im Johannesevangelium. Und christliche Fundamentalisten glauben die Bibel wörtlich. Solche direkten und indirekten Aufforderungen zur Initiierung eines Weltkrieges sind allein für sich schon beängstigend. Doch man kann sich ja der Hoffnung hingeben, dass diese absurden, potentiell selbsterfüllenden Prophezeiungen nur wenige Millionen verwirrte Ohren finden werden.

friends.gifAber eine ganz neue Dimension religiöser Verblendung will auch ein Mann erreichen, der dem zukünftig mächtigsten Mann der Welt sehr nahe steht: Der evangelikale Prediger Rick Warren. Der laut Christianity Today „einflussreichste Pastor in den USA“, der laut Newsweek zu den „15 People Who Make America Great“ gehört, fordert seine Gemeinde auf, sich mit derselben Hingabe hinter Jesus zu stellen, wie die braunen Horden hinter Adolf Hitler und die roten Horden hinter Mao.

Er sprach am 17. April 2005 vor 30,000 seiner Anhänger in einem Stadion, über eine Vision für die nächsten 25 Jahre:

„Es geht um die globale Ausdehnung des Königreichs Gottes, die totale Mobilisierung seiner Kirche und der dritte Teil ist der Traum von einer radikalen Ergebenheit jedes Gläubigen. Ich habe dieses Wort „radikal“ sehr bewußt ausgewählt, weil nur Radikale die Welt verändern, alles Große in dieser Welt ist von leidenschaftlichen Menschen vollbracht worden. Bescheidene Menschen bekommen bescheiden nichts geregelt. Und Bescheidenheit wird nie die globalen Riesen bekämpfen. (…) Im Jahre 1939, in einem Stadion genau wie diesem, in München, sie haben es angefüllt mit jungen Männern und jungen Frauen in Braunhemden, für einen fanatischen Mann hinter dem Podium, Adolf Hitler, das personifizierte Böse. Und in dem Stadion formten die Braunhemden ein Zeichen, das dem ganzen Stadion anzeigte „Hitler, wir sind Dein“. Und sie hätten fast die Welt erobert. (…) Wenn ich diese Geschichten höre, denke ich, was würde passieren, wenn amerikanische Christen, wenn die Weltchristenheit, wenn die Christen in diesem Stadion sagen würden „Jesus, wir sind dein“. Welches spirituelle Erwachen würde das geben?“

Dieser einflussreiche evangelikale Prediger, der im Jahre 2005 seine fanatisierte christliche Anhängerschar aufforderte, so zusammenzustehen und zu kämpfen wie die Hitlerjugend, wird am 20. Januar auf den Stufen des Kapitols vor der Vereidigung des 44. amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, predigen.

Siehe auch Beitrag der Huffington Post

Nichts ohne meinen Scharlatan

Januar 17th, 2009

Es ist wohl eine der bekanntesten experimentell-sozialpsychologischen Studien zum Thema Altruismus und Hilfeverhalten. Die Studie von Darley und Batson aus dem Jahr 1973 „Von Jerusalem nach Jericho: Eine Studie über situationale und dispositionale Variablen des Hilfeverhaltens“. In einem Experiment wurde hier das freiwillige Hilfeverhalten von Theologiestudierenden untersucht, mit der spannenden Hypothese, dass gerade Theologiestudierende besonders hilfsbereit seien. Zwei Gruppen wurden hier unterschieden, die eine sollte sich mit der Parabel des barmherzigen Samariters (Lukas 10, 25-37) beschäftigen, wodurch das Thema Hilfeverhalten besonders salient gemacht werden sollte.

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Die andere Hälfte beschäftigte sich mit allgemeinen Fragen des Theologenberufes. Nach dieser ersten Aufgabe sollten die Studierenden einen anderen Raum aufsuchen. Auf dem Weg zu diesem Raum lag eine hilfsbedürftige Person auf dem Boden. Die entscheidende Frage war nun, inwieweit die Theologiestudenten dieser hilfsbedürftigen Person unter die Arme griffen. Die Studenten wurden außerdem unter unterschiedlichen Zeitdruck gesetzt. Das Ausmaß des Hilfeverhaltens variierte nun keineswegs nach der Religiosität* oder gar nach der Frage, ob die Theologiestudenten die Geschichte vom guten Samariter zuvor gelesen hatten (auch wenn das in der sozialpsychologischen Literatur oft falsch beschrieben wird). Das Ausmaß der Hilfe erhöhte und verringerte sich ausschließlich nach der Eile in der die Studenten waren. Darley und Batson schreiben also:


„Notice also that neither form of the third hypothesis, that types of religiosity will predict helping, received support from these data. No correlation between the various measures of religiosity and any form of the dependent measure ever came near statistical significance, even though the multiple regression analysis procedure is a powerful and not particularly conservative statistical test.“ (Zu beachten ist, dass die 3. Hypothese, dass unterschiedliche Formen der Religiosität Hilfeverhalten vorhersagen, keinerlei Untersützung durch die Daten erhalten. Keine Korrelation zwischen den verschiedensten Formen der Religiosität und jeder Form des gezeigten Hilfeverhaltens kamen in die Nähe der statistischen Signifikanz, auch wenn die multiple Regression ein sehr robustes und nicht unbedingt strenges Messinstrument ist.)

Und auch hier finden wir wieder Evidenz für unsere Hypothese, dass aktiv positives Verhalten weder durch Religiosität als Persönlichkeitseigenschaft, noch durch religiös aufgeladene Vorinformation befördert wird – negatives Verhalten aber sehr wohl durch religiöse Entschuldigungen von moralischen Barrieren befreit werden kann.

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Literatur:

Darley, J., & Batson, C. (1973, July). ‚From Jerusalem to Jericho‘: A study of situational and dispositional variables in helping behavior. Journal of Personality and Social Psychology, 27(1), 100-108.

*Religion as means as measuring religiosity as a means to other ends. Religion as end seemed to involve religiosity as an end in itself with some intrinsic value. Religion as quest was conceived to involve religiosity emerging out of an individual’s search for meaning in his personal and social world.


Außergewöhnlich kinderliebe katholische Priester sind hinlänglich bekannt. Allerdings gelten sie als eine entschuldbare Minderheit, eine unschöne Ausnahme von der Regel. Nicht selten ist die einzige Strafe für ihr Verbrechen die Versetzung in eine andere Diözese. Aber auch ganz normale Religionsanhänger begehen Sexualstraftaten und werden natürlich dafür verurteilt. Und es finden sich bei der Analyse von Zusammenhängen zwischen Religiosität von und Sexualverbrechen äußerst interessante Befunde: Die australischen Kriminologen Donna Eshuys und Stephen Smallbone fanden bei schon immer atheistischen (Atheists), vom Glauben abgefallenen (Dropouts), zum Glauben konvertierten (Converts) und schon immer gläubigen (Stayers) Sexualstraftätern folgendes Bild:

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Die religiösen Sexualstraftäter hatten nicht nur doppelt soviele Opfer wie die neuen und alten Atheisten, ihre Opfer waren auch durchschnittlich halb so alt wie die Opfer der Atheisten.

Die Studie von Eshuys und Smallbone zeigt, dass auch die sexuelle Belästigung durch Religiöse einem Muster folgt: Wünschenswertes Verhalten, das Aktivität erfordert, wird durch Religiosität nicht verstärkt, aktiv negatives Verhalten aber ausreichend entschuldigt. Nach dem Prinzip: „Wie kann es schlecht sein, wenn Gott es ermöglicht.“ und „Ich werde zu einem Priester gehen, meine Sünden beichten und es nie wieder tun.“

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Literatur:

Eshuys, D., & Smallbone, S. (2006, July). Religious Affiliations Among Adult Sexual Offenders. Sexual Abuse: Journal of Research and Treatment, 18(3), 279-288.

Wenn II

Januar 16th, 2009

via

sein.gifReligiöse Sozialwissenschaftler in den USA sind sich einig: Religiöse Menschen sind zufriedener und Religiöse sind glücklicher. Ihre Daten haben sie in den USA erhoben. Dort bezeichnen sich 80% bis 90% der Menschen als religiös, was die Aussagenverlässlichkeit für nichtreligiöse Länder einschränkt. Im letzten Jahr hat Liesbeth Snoep eine kleine Analyse des „World Values Survey“ vorgenommen. Sie verglich dabei die Antworten der Einwohner von Dänemark, Niederlande und USA auf die Frage: „Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben?“ mit der Zeit, die Sie mit anderen in der Kirche verbrachten, ihrer Zugehörigkeit zu einer kirchlichen Organisation oder Konfession, der Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs, der Bedeutung eines „Gottes“ in jemandes Leben sowie Gebetshäufigkeit und Meditation außerhalb der Kirche.

Liesbeth Snoep fand – wie zu erwarten war – sehr schwache aber signifikante Korrelationen für die US-amerikanische Stichprobe zwischen den unterschiedlichen Maßen für Religiosität und Glücksempfinden. Die Korrelationen für die Dänen und die Niederländer waren durchweg nicht signifikant. Was natürlich nicht notwendig den Umkehrschluss zuläßt, dass die Niederländer und Dänen auch ohne Religion sehr glücklich sind – aber zumindest scheint es keine erhebliche Rolle zu spielen.

Die Erklärung für diesen Effekt finden wir wohl in einer speziellen Korrelation: Die Zeit, die man mit anderen in der Kirche verbrachte, schien der beste Prädiktor für Zufriedenheit der Amerikaner in dieser Studie zu sein, was nicht verwundert. In nichtreligiösen Gesellschaften, wie den skandinavischen, gibt es eine stärkere soziale Absicherung und reichlich religionsfreie Angebote zufriedenstellender sozialer Aktivitäten.

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Literatur:

Snoep, L. (2008, June). Religiousness and happiness in three nations: a research note. Journal of Happiness Studies, 9(2), 207-211.

Kreationismus für Dummies

Januar 15th, 2009

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Die Fakten:

1. Englisch

2. Deutsch