Höllehöllehölle

Dezember 9th, 2008

Es ist vor allem diese entsetzliche Bigotterie und schwiemelige Rabulistik, die mich bei der Argumentationsweise von Gottessöhnen und -töchtern regelmäßig verzweifeln läßt.
Ja, ich weiß, es gibt ein Buch mit dem vielsagenden Titel “Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“, aber kann das helfen, angesichts des flexiblen Standpunktwechsels im Bezug auf einen real nicht existenten Gesprächsgegenstand?

Wie z.B. die Hölle?

Kein Christ glaubt ernsthaft (wörtlich) an die Hölle. So die landläufige Sprachregelung. Und wahrlich, sie spielt in den Predigten der großen Kirchen eher eine untergeordnete Rolle. Nichtsdestotrotz ist die Vorstellung von diesem Ort, den es nicht gibt so präsent wie eh und je:

Und was entgegnet man nun einem Menschen, der behauptet, dass die Hölle nichts mit dem Christentum zu tun hat? Was sagt man einem Freund des Übernatürlichen, wenn er wieder behauptet, dass kein vernünftiger Mensch ernsthaft an die wortwörtliche Korrektheit der Geschichte von der Auferstehung, der Junfrauengeburt, der Erschaffung der Welt in sechs Tagen oder Wunderheilungen und Sintfluten glaubt?

Dem sollte man vielleicht die Unterhaltung zwischen Richard Dawkins und John Lennox empfehlen, in der Lennox, ein Professor für Mathematik an der University of Oxford, frei von der Leber weg darüber fabuliert, dass die Bibel wörtlich wahr sei, nicht symbolisch, nicht metaphorisch, nein, wortwörtlich wahr.

Es tut so manches Mal sehr weh, wenn man dieser grotesken Selbstdemontage lauschen muß. Und oft, in diesen quälend langen, mit Absurditäten gesättigten 30 Minuten, fragt man sich, warum Dawkins hier oder dort eigentlich nicht vehement widerspricht, sollte ihm, angesichts solch bizarrer Behauptungen, die sonst so exzellente Rhetorik urplötzlich abhanden gekommen sein? Nein, Dawkins ist einfach nur baß erstaunt aber auch erfreut, hier endlich ein besonders schillerndes Exemplar der Sorte Gläubiger vor sich sitzen zu haben, die ihre auffällig widersprüchlichen weltanschaulichen Ansichten nicht bemänteln oder verschämt wegdiskutieren, sondern klar und deutlich bekennen – was einschließt, dass der Verzehr eines Shrimpscocktails oder das Arbeiten am Samstag augenblicklich zum Tod durch Steinigung führen müßte. (Noch mehr Widersprüche, Absurditäten, Ungerechtigkeiten, Hass, Intoleranz und Homophobie finden sich hier). Angesichts eines solch unerschrockenen intellektuellen Selbstmords, wie ihn Lennox begeht, muss man schweigen und genießen … bei einem Shrimpscocktail … zur Erholung … vom arbeitsreichen Samstag.

One Response to “Höllehöllehölle”

  1. Mathias Says:

    Ich finde es immer wieder absurd, dass sich Menschen zwar als “Christen” bezeichnen und damit auch einen Bezug zur Bibel haben sollten – wenn man sie allerdings auf den riesig großen Unfug anspricht, der darin steht, relativieren sie, “das ist eh nicht so gemeint”, “muss man heute anders interpretieren” usw.

    Die Frage, die sich mir dann stellt, ist zweierlei Natur:
    – Wenn ein allmächtiger, allwissender Gott ein Buch verfasst – und auf diesem Glauben basiert das Christentum -, wieso tut er es nicht so, dass es auch noch heute und in allen kommenden Zeiten vollste Gültigkeit hat? Ist die Wandelbarkeit der Bibelinterpretation nicht gerade ein Indiz dafür, dass darin einfach nur die Moralvorstellungen verpackt wurden, die die Menschen zum Zeitpunkt des Verfassens – ohne Zutun irgendeines Gottes – hatten und sich anmaßten, diese als “göttlich” zu bezeichnen?

    – Aus welchem Grund ist jemand, der mit der Bibel in Reinform nichts anfangen kann und immer heruminterpretieren und -ducksen muss, noch Christ? Wenn das Fundament seines Glaubens ganz offensichtlich nicht mehr zeitgemäß ist und erst einmal zu 90% relativiert werden muss, wieso nimmt er dann nicht davon Abstand und bildet – unabhängig von Gott – seine eigene Moral?
    Eine mögliche Antwort auf diese Frage wäre, dass er dann nicht mehr den göttlichen Argumentationsbeistand hat, mit dem er im Zweifelsfall immer noch behaupten kann, Gott hätte das so gewollt und dieser ist schließlich allgütig. Dass dieser Weg nicht sonderlich intelligent ist, lässt mich wiederum an den geistigen Kapazitäten diverser Gläubiger zweifeln.

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