“Nichts wurmt die “Neuen Atheisten” mehr, als dass Comtes “theologisches oder fiktives Stadium” einen großen, nämlich den jüngsten Teil der Menschheit im Klammergriff halten könnte. Die armen Kinder, heißt es dann, können sich nicht wehren gegen die absurden Zumutungen des jeweiligen Glaubens, und das werde ihnen womöglich lebenslang zum Verhängnis. Natürlich kann man auch umgekehrt fragen, ob es nicht einem ganzen Land zum Verhängnis geraten kann, wenn die nachfolgende Generation ganz glaubenslos heranwächst. Oft füllen die emotionale Lücke im Seelenhaushalt und den Leerraum im Kopf dann leider nicht die Bücher der Humanisten, tritt kein Seneca oder Epikur an die Stelle der Bibel, sondern dumpfester Egoismus. Wer daran zweifelt, der besuche des Nachts eine tschechische oder russische oder ostdeutsche Kleinstadt und frage eine tumbe Jugend, wer denn nun ihr Nächster sei.”

One Response to “Alexander Kissler: Der aufgeklärte Gott – Wie die Religion zur Vernunft kam”

  1. Max Headroom Says:

    “Oft füllen die emotionale Lücke im Seelenhaushalt und den Leerraum im Kopf dann leider nicht die Bücher der Humanisten, tritt kein Seneca oder Epikur an die Stelle der Bibel, sondern dumpfester Egoismus.”

    Wobei man sich ruhig die Frage stellen kann, ob die “Umwelt” bzw. die Umgebung in der man sich befindet, Pro oder Contra Egoismus ist. In einer Umgebung, in der nur der “stärkere” überlebt, meistens mit einer Faust im Gesicht des Gegners, wird Gewalt den Ton vorgeben und der Erfolg eines Einzelnen hängt dann davon ab, wie und wo er als nächstes “zuschlagen” wird. Da hierfür einen wesentlichen Teil seiner Energie verwendet werden muss, kann er sich sprichwörtlich “nicht leisten”, diese Energie auch für den Nachbarn, dem Freund oder eben dem “Nächsten” aufzuwenden.
    In unserer Zeit allerdings, in der wir ein fertiges Dach über den Kopf kaufen oder mieten können, Vertraglich-geregelte Arbeit nachgehen könnten und die medizinische Versorgung nicht am hiesigen Dorfschamanen hängen geblieben ist, zeigt sich nicht “automatisch” ein solch ausgeprägter Egoismusgedanke, wie man aufgeklärter Gott es gerne hätte. Dann kann… ähm… könnte man die Energie weniger in die Verteidigung des eigenes Reviers investieren – dafür wurde die Polizei geschaffen – sondern in die (geistige) Fortentwicklung. Anstatt dann mit brennenden Zauberkerzen die Ahnen um Vergebung für die missratene Ernte zu bitten, könnte man einfach die Fehler selber erkennen und versuchen, sie zu korrigieren – möglicherweise gar mit Hilfe eines Seelendoktors wie z.Bsp. einem Psychater 😉

    Und was der Besuch einer tschechischen, russischen oder ostdeutschen Kleinstadt bzw. Vorstädchens angeht… weshalb denn so weit reisen, wenn der religiös motivierte “Ehrenmord”, und sei es nur die Unterdrückung der Frau in der Ehe, schon hier in unseren Großstädten angekommen ist ? Ob der Ehemann allerdings Senekas Gedanke als Motivation für den Schlag in’s Gesicht der eigenen Frau vorbringen kann, halte ich für sehr zweifelhaft.
    Aber es ist immer wieder schön zu lesen, was passieren “könnte”, wenn eine Maxime erreicht wäre, wie z.Bsp. die komplett Abschaffung der Religion. Schließlich kann man ja tagtäglich erleben wie korrupt und vernichtend die Menscheit geworden ist, seit der Rock’n’Roll ihren Siegeszug um die Welt gestartet hat. Heute sind Gewaltverbrechen und Drogenhandel eindeutig auf Elvis Presleys Werke zurückzuführen… ganz sicher ! Die waren damals ja /so/ wild und ungezügelt 😉

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