Von einigen Anti-Naturalisten wird gern postuliert, Christen seien im “Dritten Reich” systematisch verfolgt worden. Häufig wird auch die Behauptung aufgestellt, die Nazis seien Atheisten gewesen, um deutlich zu machen, welche Konsequenzen die “Amoralität des Atheismus” haben kann.

Eine systematische Christenverfolgung hat es im Dritten Reich (1933-1945) nicht gegeben. Das Parteiprogramm der NSDAP von 1925 bekannte sich zu einem „positiven Christentum“; der einschränkende Zusatz „soweit es mit dem Deutschtum vereinbar ist“ wurde von Christen kaum problematisiert. Die Kirchenleitungen begrüßten anfangs die Machtergreifung Adolf Hitlers begeistert als Erlösung von der Gefahr des „Bolschewismus“. Hitler garantierte ihnen in seiner Regierungserklärung den Fortbestand und bezeichnete das Christentum als eine der geistigen Grundlagen des deutschen Volkes.

Doch die NSDAP sah sich als Weltanschauungspartei mit totalitärem Machtanspruch. Alles sollte dem Dienst am „deutschen Volkstum“ und an der „arischen Rasse“ unterworfen werden. Das Christentum wurde zur „Nationalreligion“ umgedeutet, die den „Willen zur Macht“ (Friedrich Nietzsche) betonte und sich vor allem gegen das „jüdische Untermenschentum“ definierte. Hitlers Antisemitismus war rassistisch begründet, knüpfte aber ausdrücklich an den christlichen Antijudaismus an, indem er 1923 in Mein Kampf schrieb:

Indem ich mich des Juden erwehre, erfülle ich das Werk des Herrn.

Am 20. Juli 1933 – also heute vor 75 Jahren – unterzeichneten im Vatikan der Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli – vordem mehrere Jahre Nuntius in Deutschland, ab 1939 Papst Pius XII. – und der deutsche Vizekanzler Franz von Papen, Hitlers Stellvertreter in dessen Eigenschaft als Regierungschef, ein Abkommen: das sogenannte Reichskonkordat, mit dem die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich auf eine vertragliche Basis gestellt wurden.

Weiterlesen bei Junge Welt

Leave a Reply