„Wenn XYZ sagt: Spring in den/die [hier bitte Fluß Deiner Wahl einsetzen]! Machst du das dann auch?“

Machtreligion?

Juni 8th, 2007

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, sieht den Islam ja bekanntermaßen als eine „Machtreligion“. Ich habe da allerdings so meine Zweifel, wenn ich mir das Interview des Deutschlandfunks mit Ayyub Axel Köhler, dem Vorsitzenden des Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland, dem höchsten Vertretungsgremium muslimischer Organisationen in Deutschland, anhöre. Auf die Frage des DLF welche „aufgeschaukelten Sachfragen“ den Dialog mit der EKD erschweren, fällt es ihm hörbar schwer konkrete Punkte aus dem Positionspapier der EKD, zum Verhältnis der Evangelischen Kirche zum Islam („Klarheit und gute Nachbarschaft Christen und Muslime in Deutschland. Eine Handreichung des Rates der EKD“) zu benennen.

Heute jedenfalls rief Köhler auf dem Evangelischen Kirchentag zum „Berliner Religionsfrieden“ auf.

Das wird dann wohl ein längerer Prozess, wenn man von einem kausalen Einfluss von Religion auf Kultur ausgeht und sich die Kulturen leider so eminent unterscheiden … Die rein religiösen Unterschiede sind wahrscheinlich gar nicht so groß.

Im Juli 1996 hat sich Professor Erick M. Carreira, damals Associate-Professor der Chemie am California Institute of Technology (Caltech), offenbar so sehr über die laxe Arbeitsmoral eines Post-Doktoranden geärgert, daß er sich veranlaßt sah eine geharnischte Abmahnung zu verfassen. Er schreibt:

Guido

I would like to provide for you in written form what is expected from you as a member of the research group. In addition to the usual work-day schedule, I expect all the members of the group to to work evenings and and weekends. You will find that this is the norm here at Caltech. On occasion, I understand that personal matters will make demands on your time which will require you to be away from you respnsibilities to the laboratory. However, it is not acceptable to me wehn it becomes a habit.

I have noticed that you have failed to come in to the lab on several weekends, and more recently have failed to show up in the evenings. Moreover, in addition to such time off, you recently requested some vacation. I have no problem with vacation tme that is well earned, but I do have a problem with continuous vacation and time off that interferes with the project. I find this very annoying and disruptive to your science.

I expect you to correct your work-ethic immediately.

I receive at least one post-doctoral application each day from the US and around the world. I you are unabel to meet the expected work schedule, I am sure that I can find someone else as an appropriate replacement for this important project.

Sincerly,
Erick M. Carreira

guido.gif

Guido:

Ich möchte Ihnen in schriftlicher Form darstellen, was von Ihnen als Mitglied der Forschergruppe erwartet wird. Zusätzlich zur üblichen Wochenarbeitszeit, erwarte ich von allen Mitarbeitern, daß sie auch am Abend und am Wochenende erscheinen. Sie werden feststellen, daß dies die Norm am Caltech ist. In Ausnahmefällen kann ich nachvollziehen, daß ihre Zeit durch persönliche Angelegenheiten in Anspruch genommen ist, die sie zwingen sich von ihren Pflichten im Labor zu entfernen. Es ist allerdings unakzeptabel, wenn dies zur Gewohnheit wird.

Ich habe festgestellt, daß Sie den Laboraufenthalt an mehreren Wochenenden versäumten und seit einiger Zeit auch Abends nicht anwesend sind.
Über diese Auszeiten hinaus beantragten sie kürzlich auch noch Urlaub. Ich habe kein Problem mit wohlverdientem Urlaub, aber ich habe ein Problem mit permanentem Urlaub und Freizeit, die mit dem Projekt interferiert. Ich empfinde dies als außerordentlich unerfreulich und als Beeinträchtigung Ihrer Arbeit.

Ich erwarte von Ihnen, daß Sie Ihre Arbeitseinstellung umgehend korrigieren.

Mich erreicht täglich wenigstens eine Bewerbung auf eine Post-Doktoranden-Stelle aus den USA und der ganzen Welt. Sollten Sie nicht in der Lage sein, die an Sie gestellten Anforderungen zu erfüllen, bin ich sicher, daß sich ein geeigneter Ersatz für dieses bedeutende Projekt finden wird.

Mit freundlichen Grüßen
Erick M. Carreira

Diese irritierende Realsatire erreichte Anfang des Jahres als gescannte Bilddatei die vom Angstschweißgeruch durchwehten Büros des sogenannten Prekariats und wandert nun von Inbox zu Inbox und von schwarzem Brett zu schwarzem Brett.

Das Schreiben ist exemplarisch die prekäre Arbeitsplatzsituation junger Hochschulabsolventen, die Forderung unermüdlicher Einsatzbereitschaft bei ständiger Unsicherheit über die Fortdauer des Arbeitsverhältnisses. In den ständig steigenden Studentenzahlen wächst ein neues Proletariat heran: gut ausgebildet, hochmotiviert und latent arbeitslos. Freizeit, Urlaub und Privatleben werden zum Luxusgut, das in nur Ausnahmefällen genossen werden darf. Mißachtungen dieser ungeschriebenen Regel werden selbstverständlich geahndet – wie man sieht. Doch das Prekariat schlägt zurück.

siehe auch hier

Ich kann auch nicht sehen, dass die bloße Präsenz der Polizei provokativ sein soll. Diese „Haut endlich ab! Zieht euch zurück“-Aufforderungen der Demo-Organisatoren an die Polizei erscheinen mir wie Anbiederungen an den militanten „Schwarzen Block“, der von der Polizei unterwandert gewesen sein soll. Eine lächerlichere Verschwörungstheorie ist kaum denkbar.

Ich habe bisher auf keinem der Videos prügelnde Polizisten gesehen. Wohl aber steinewerfende Vermummte und ein brennendes Auto.

Aber dafür ist ja sicher auch die Polizei verantwortlich. So ein Auto einfach so, provokativ in der Gegend rumstehen zu lassen … kein Wunder, wer Zivil-Autos rumstehen läßt sprüht auch willkürlich Tränengas gegen unschuldige Demonstranten:

Ob man allerdings mit solchen Maßnahmen Vertrauen bilden kann … ?

Diese Bilder sollten sich jedenfalls nicht wiederholen:Tags: Rostock, G8, Ausschreitungen, Riots, Demonstration, Videos

Siehe auch Spreeblick, Politblog und Spiegelfechter zum Thema.

NACHTRAG: Hier also jetzt die prügelnden Polizisten.

mal einfach wieder schreiben, wie schön es ist, einfach so vor sich hin bloggen zu können. Ohne Sinn und Verstand. Und ohne die Frage, ob das irgendwen interessiert, dass ich das Internet hier gerade mal wieder mit 787 Zeichen zugemüllt habe. (Nur weil der Klingsor letztens rumgejammert hat, dass er sich „weder anmaßen sollte, den Unsinn zu vermehren, noch das Kluge bloß nachzuplappern“)

Ich find‘, man sollte öfters mal was Kluges nachplappern, so wie das hier:

„Wenn ich schreibe, statte ich mir einen feierlichen Besuch ab.“Fernando Pessoa

oder

„Ohne zu schreiben, kann man nicht denken; jedenfalls nicht in anspruchsvoller, anschlussfähiger Weise.“Niklas Luhmann

oder

„Es ist so eine Art Obsession, glaube ich. Das Schreiben fasziniert mich so sehr, daß, wenn es mir verboten würde, ich langsam daran sterben würde.“Johannes Mario Simmel

Genauso geht’s mir mit dem Bloggen.

Leipzig bloggt

Juni 1st, 2007

hier nämlich – per podcast und franzzi ist dabei.

Routiniertes Bloggen?

Juni 1st, 2007

Ferner inspirieren weiterhin das Web 2.0 und seine interaktiven Möglichkeiten viele Wissenschafter. Wilson Lowry (University of Alabama) hat sich etwa mit den «Routinen des Blogging» beschäftigt und damit eine Forschungsfrage zu seinem Thema gemacht, die man vor kurzem noch gar nicht hätte stellen können. Spannend daran ist, dass Blogger offenbar mit der Veralltäglichung ihres Tuns Erfahrungen sammeln, die den Herangehensweisen professioneller Journalisten ähneln: Je öfter ein Weblog angeklickt werde, desto mehr würden sich die Blogger ihres Publikums «out there» bewusst und desto mehr orientierten sie sich an Erwartungen ihrer jeweiligen virtuellen Gemeinschaften. Sie würden mit unfundierten Behauptungen vorsichtiger, es bildeten sich Recherche- und Berichterstattungsroutinen heraus, um Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen. Anderseits, so Lowry, würden Journalisten sich ihr Publikum noch immer konstruieren: Statt sich mit ihm zu treffen, um es kennenzulernen und um sich mit ihm auseinanderzusetzen, entwerfen sie sich ein Wunschbild von ihm. Blogger hätten hingegen aufgrund der Interaktivität des Internets zu ihren Zielgruppen einen engeren Kontakt.

NZZ zur Jahrestagung der International Communication Association