Im Juli 1996 hat sich Professor Erick M. Carreira, damals Associate-Professor der Chemie am California Institute of Technology (Caltech), offenbar so sehr über die laxe Arbeitsmoral eines Post-Doktoranden geärgert, daß er sich veranlaßt sah eine geharnischte Abmahnung zu verfassen. Er schreibt:

Guido

I would like to provide for you in written form what is expected from you as a member of the research group. In addition to the usual work-day schedule, I expect all the members of the group to to work evenings and and weekends. You will find that this is the norm here at Caltech. On occasion, I understand that personal matters will make demands on your time which will require you to be away from you respnsibilities to the laboratory. However, it is not acceptable to me wehn it becomes a habit.

I have noticed that you have failed to come in to the lab on several weekends, and more recently have failed to show up in the evenings. Moreover, in addition to such time off, you recently requested some vacation. I have no problem with vacation tme that is well earned, but I do have a problem with continuous vacation and time off that interferes with the project. I find this very annoying and disruptive to your science.

I expect you to correct your work-ethic immediately.

I receive at least one post-doctoral application each day from the US and around the world. I you are unabel to meet the expected work schedule, I am sure that I can find someone else as an appropriate replacement for this important project.

Sincerly,
Erick M. Carreira

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Guido:

Ich möchte Ihnen in schriftlicher Form darstellen, was von Ihnen als Mitglied der Forschergruppe erwartet wird. Zusätzlich zur üblichen Wochenarbeitszeit, erwarte ich von allen Mitarbeitern, daß sie auch am Abend und am Wochenende erscheinen. Sie werden feststellen, daß dies die Norm am Caltech ist. In Ausnahmefällen kann ich nachvollziehen, daß ihre Zeit durch persönliche Angelegenheiten in Anspruch genommen ist, die sie zwingen sich von ihren Pflichten im Labor zu entfernen. Es ist allerdings unakzeptabel, wenn dies zur Gewohnheit wird.

Ich habe festgestellt, daß Sie den Laboraufenthalt an mehreren Wochenenden versäumten und seit einiger Zeit auch Abends nicht anwesend sind.
Über diese Auszeiten hinaus beantragten sie kürzlich auch noch Urlaub. Ich habe kein Problem mit wohlverdientem Urlaub, aber ich habe ein Problem mit permanentem Urlaub und Freizeit, die mit dem Projekt interferiert. Ich empfinde dies als außerordentlich unerfreulich und als Beeinträchtigung Ihrer Arbeit.

Ich erwarte von Ihnen, daß Sie Ihre Arbeitseinstellung umgehend korrigieren.

Mich erreicht täglich wenigstens eine Bewerbung auf eine Post-Doktoranden-Stelle aus den USA und der ganzen Welt. Sollten Sie nicht in der Lage sein, die an Sie gestellten Anforderungen zu erfüllen, bin ich sicher, daß sich ein geeigneter Ersatz für dieses bedeutende Projekt finden wird.

Mit freundlichen Grüßen
Erick M. Carreira

Diese irritierende Realsatire erreichte Anfang des Jahres als gescannte Bilddatei die vom Angstschweißgeruch durchwehten Büros des sogenannten Prekariats und wandert nun von Inbox zu Inbox und von schwarzem Brett zu schwarzem Brett.

Das Schreiben ist exemplarisch die prekäre Arbeitsplatzsituation junger Hochschulabsolventen, die Forderung unermüdlicher Einsatzbereitschaft bei ständiger Unsicherheit über die Fortdauer des Arbeitsverhältnisses. In den ständig steigenden Studentenzahlen wächst ein neues Proletariat heran: gut ausgebildet, hochmotiviert und latent arbeitslos. Freizeit, Urlaub und Privatleben werden zum Luxusgut, das in nur Ausnahmefällen genossen werden darf. Mißachtungen dieser ungeschriebenen Regel werden selbstverständlich geahndet – wie man sieht. Doch das Prekariat schlägt zurück.

One Response to ““I expect you to correct your work-ethic immediately””

  1. anonymous Says:

    dat is doch schon sooo alt. es geisterte bereits vor 2 jahren durchs netz

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