charly.gif
Read the rest of this entry »

Der habilitierte Philosoph Daniel von Wachter hat Probleme. Probleme, die er mit vielen seiner Glaubensgenossen teilt. Logik gehört einfach nicht zu ihren Stärken.

Von Wachter kann nicht verstehen, wie man einerseits ein Naturalist sein kann, der alles Übernatürliche für extrem unwahrscheinlich hält und nicht gleichzeitig ein Atheist sein muss, der jede Gottesvorstellung ablehnt. Zugegeben, es ist schon ein wenig kompliziert, das zu verstehen, aber von einem Verbalwissenschaftler sollte man ein Mindestmaß an Intelligenz und Kreativität erwarten.

Bei Herrn von Wachter ist dies jedoch sicher schon zuviel verlangt, hat er doch bereits früher hübsche Beispiele seiner bemerkenswerten Fähigkeiten im Bereich des logischen Denkens zutage treten lassen. Bei einer Buchvorstellung Anfang Juli äußerte sich von Wachter mit den folgenden interessanten Worten:

“Naturwissenschaftliche Einwände gegen die Evolutionstheorie würden [von den „neuen Atheisten“] nicht ernst genommen, weil man Angst davor habe, dass die Kritiker recht haben könnten. „Denn wenn die Evolutionstheorie wegbräche, wäre das ein starkes Argument für die Existenz Gottes“

Eine bestechende Logik.

Wenn die Relativitätstheorie wegbräche, wäre das sicher auch ein starkes Argument für die Existenz der Astrologie. Und wenn die Gravitationstheorie wegbräche, wäre das ein starkes Argument für die Existenz der Telekinese. Und wenn die Immunologie wegbräche wäre das ein starkes Argument für die Wirksamkeit der Homöopathie.

Im Zuge der Buchvorstellung setzte von Wachter die Brights den “Neuen Atheisten” gleich und warf ihnen vor, mit “Propaganda und Tricks” zu arbeiten. Das allein wäre keiner weiteren Beachtung würdig, wenn von Wachters Kollege auf dem Podium, der einschlägig publizierende Journalist Alexander Kissler, sich nicht zu weitreichenderen Unterstellungen bemüßigt gesehen hätte. Der meinte nämlich, dass

“die Möglichkeit der Abtreibung bis zur Geburt [und] die Tötung von schwerstbehinderten Kindern oder Wachkomapatienten, die sich nicht äußern können, [von den “neuen Atheisten”] ethisch als weniger bedenklich betrachtet werde.”

Ein starker Tobak.

Mit diesen Einlassungen riefen von Wachter und Kissel Empörung hervor, die von Wachter mit einer ähnlich abenteuerlich eigenwilligen Logik konterte, wie der, die wir oben bereits beispielhaft bewundern durften.

Von Wachter erklärt nun in einer Stellungnahme sein Unverständnis darüber, wie ein Bright nicht gleichzeitig ein Atheist sein muss.

“Gerne weise ich hier darauf hin, dass die Brights sich als Naturalisten, aber nicht unbedingt als Atheisten verstehen. Ich weise aber darauf hin, dass damit die Brights ein selbstwidersprüchliches Selbstverständnis haben. Unter “Theismus” versteht man die Auffassung, dass es einen Gott gibt, wobei unter “Gott” die Auffassung verstanden wird, dass es eine Person gibt, die körperlos, allmächtig, allwissend, gut und ewig ist, den Schöpfer des Universums. Unter “Atheismus” versteht man die Auffassung, dass es keinen Gott gibt. Unter “Naturalismus” versteht man die Auffassung, dass es nichts als den Inhalt unseres Raum-Zeit-Systems gibt, d.h. dass es nur Materielles gibt. Es gibt demnach z.B. keine Geister, keine Seelen, keine nichtmaterielle “Energie”, keine platonischen Ideen und keinen Gott. Dementsprechend schreiben die Brights auch auf einer ihrer Seiten: “Das Weltbild eines Bright ist frei von übernatürlichen und mystischen Elementen.” Der Naturalismus ist also eine weitergehende Auffassung als der Atheismus, der Atheismus ist ein Teil des Naturalismus. Wenn die Lehre der Brights ist, dass der Naturalismus wahr sei, dass der Atheismus aber nicht zur Lehre der Brights gehöre, ist die Lehre der Brights selbstwidersprüchlich.”

Drei Begriffe werden hier gegenübergestellt. Gott, Naturalismus und Atheismus. “Gott” ist ein Begriff, der bekanntermaßen sehr weit gefasst werden kann und nicht auf die katholische Definition beschränkt ist. So steht der Pantheismus oder manch andere Religion, die das Absolute, Ganzheitliche als “Gott” bezeichnen, durchaus nicht im Widerspruch zum Naturalismus, auch wenn von Wachters persönlicher Gottesbegriff da anderen Dogmen folgt.

Ein pantheistischer Gottesbegriff wird wiederum häufig von den Atheisten abgelehnt, da er von Ihnen für unnötig gehalten wird. Nicht so die Naturalisten. Für sie ist ein pantheistischer Gott, der den Naturgesetzen gehorcht, durchaus vorstellbar, auch wenn er dann nicht mehr allmächtig ist und noch diverse andere logische Probleme hervorruft, die bekanntlich schwer klärbar sind.

Abgesehen von der Unmöglichkeit einer abschließenden allgemeingültigen Definition eines Gottesbegriffs kann man konstatieren, dass Naturalisten den Gottesbegriff und Religionen nicht per se ablehnen und ihnen nur dann kritisch gegenüberstehen wenn sie übernatürliche Elemente enthalten. Alle anderen Gottesbilder - z.B. rein literarische oder ästhetische - gelten nicht als problematisch solange sie nicht zu den bekannten Naturgesetzen im Widerspruch stehen.

Die Definition des Begriffes “Atheist” ist nicht weniger komplex. Man unterscheidet z.B. aktive und passive Atheisten. In aller Regel neigen aktive Atheisten dazu, Religion grundsätzlich infrage zu stellen und alle Gottesbilder - auch die “euphemisierten” wegen ihrer Mißbräuchlichkeit - in toto abzulehnen.

Brights bezeichnen sich in ihrer Selbstverständniserklärung als Naturalisten, die weder dem Atheismus noch der Religiosität besonders positiv oder negativ gegenüberstehen. Naturalismus ist keine Definition in Abgrenzung zu etwas, auch wenn diese sich im Nachklang notwendig einstellt, sondern eine Kategorienbildung und - benennung infolge bestimmter geteilter Merkmale: nämlicher des naturalistischen Weltbildes, das sich auf Beobachtung und Rationalität gründet und übernatürliche Elemente verneint.

Dass aus dieser Position ein Atheismus oder eine Religionskritik ableitbar ist, bleibt jedem Naturalisten oder Supernaturalisten (Menschen die an Übernatürliches glauben) selbst überlassen.

Für Menschen mit Logikschwäche sei hier noch einmal zusammengefasst: Ein Bright muss kein Atheist sein und ein Atheist kein Bright. So ist Richard Dawkins z.B. beides, Bright und Atheist. Christopher Hitchens ist nur Atheist.

Der Autor des vorliegenden Beitrages ist ebenfalls Bright, Atheist und religionskritisch, lehnt aber Religionen nicht grundsätzlich ab.

Das ist sicher nicht leicht zu verstehen. Aber was ist das schon.

Moses Immanuel Stern
20.08.2008 Edinburgh

Neurologie der Magie

August 20th, 2008

Zauberkünstler entwickelten über Jahrhunderte Methoden, um den menschlichen Geist zu überlisten. Jetzt interessieren sich Neurowissenschaftler für die Gaukler: Deren Tricks sollen helfen zu erklären, wie Wahrnehmung im Hirn funktioniert.

via
Read the rest of this entry »

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Mainz hat am 02.07.2008 festgestellt, dass eine Arbeitnehmerin, die einen Vierpersonenhaushalt zu ernähren hat, von einer kirchlichen Einrichtung fristlos gekündigt werden darf, wenn Sie aus der Kirche austritt. (Aktenzeichen: 7 Sa 250/08). Begründet wird dies mit der Sonderstellung der Kirche und ihrer Einrichtungen in Deutschland. Laut LAG Mainz kam es in diesem Fall zu einer Rechtsgüterabwägung zwischen dem Grundrecht der Klägerin auf Glaubensfreiheit - hierzu gehört auch die Freiheit aus der Kirche auszutreten (Art. 4 GG) und der Verfassungsgarantie des kirchlichen Selbstbestimmungsrechtes (Art. 140 i.V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV)

Zusammengefasst: Das LAG Mainz kommt zu dem Schluß, dass der Kirchenaustritt eines Arbeitnehmers nach dem Selbstverständnis des kirchlichen Arbeitgebers eine - zur Kündigung berechtigende - schwerwiegende Pflichtverletzung darstellen kann, für die das sich aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ergebende Verbot unterschiedlicher Behandlung nicht gilt.

Kurz gesagt, wer nicht an “Gott” glaubt, begeht eine justiziable Pflichtverletzung in einer zu 95% staatlich finanzierten Einrichtung.

Die Kirchen sind der größte “nichtstaatliche” Arbeitgeber in Deutschland mit etwa 1 Million Beschäftigten.

Die Daten des Falles:

Read the rest of this entry »

Graham has some questions

August 19th, 2008

dunnet.gif

Read the rest of this entry »

Ausnahmen

August 19th, 2008

In Diskussionen mit religiösen und religionsfreundlichen Menschen begegnet einem aktiven Atheisten immer ein ganz bestimmtes unvermeidliches Argument:

Religiös bedingter Terrorismus und Bürgerkrieg (heute z.B. 11. September, Irak, Afghanistan, Israel, Nordirland, Kosovo, Tschetschenien, Sri Lanka, Pakistan, Nigeria, Saudi-Arabien, Jemen; früher z.B. : Hugenottenkrieg, Achtzigjähriger Krieg, Englischer Bürgerkrieg, Dreißigjähriger Krieg usw.), Inquisition; Hexenverfolgung; Judenpogrome; Massenvernichtung von Ureinwohnern; Kreuzzüge; Sekten; Gehirnwäsche; Frauendiskriminierung; Mißbrauch von Abhängigen; Exorzismus; Ermordung von Abtreibungsärzten; gewaltsame Missionierung; Quacksalberei; Diskriminierung Anders- oder Nichtgläubiger;

fear.jpg

Einschränkung von Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit; Antiwissenschaftlichkeit; Psychische Störungen durch Glaube an angeborene Sünden, Hölle und ewige Verdammnis, Engel und Geister; Gesundheitsschäden durch Mangelernährung, religiös bedingte Diäten, Verweigerung medizinischer Betreuung, Selbstverstümmelung und angebliche Geist- oder Wunderheilung; Schwulenhass, Steinigung; Beschneidung der Geschlechtsteile männlicher und weiblicher Kinder; Massenselbstmorde; Giftgasattentate; Staatliche Indoktrination; Feudalismus, Bestrafung von “Gotteslästerung”, “Sakrilegen” und “Blasphemie” und die massive Einflussnahme religiöser Fundamentalisten in Staat und Gesellschaft

.

sind alles Ausnahmen.

.

Religion an sich ist eine gute Sache. Denn sie hilft den Menschen. Religiöse Menschen sind zwar nicht hilfsbereiter als nichtreligiöse und Kirchen unterstützen auch caritative Einrichtungen nicht wesentlich (2% des Haushalts von Caritas und Diakonie kommen von der Kirche, 98% von Staat und Versicherungen), aber Menschen können bedingunsgloses Vertrauen in Gott haben. Mit der winzigkleinen Einschränkung: Wenn sie z.b. an einen christlichen Gott glauben, müssen sie auch die Sünden und die mögliche ewige Verdammnis nach dem Tod berücksichtigen.

Die obengenannten selten auftretenden Merkmale der Religion, sind nur die offensichtlich wahrnehmbaren. Fehlende Logik, fehlende Beweisbarkeit und die Nähe zu anderen Formen des Aberglaubens sind hier noch nicht mit berücksichtigt.

Nichtgläubige Menschen fühlen sich durch die Aussagen, die von v.a. Anhängern der missionarischen Religionen Christentum und Islam gemacht werden, nicht oder nur wenig beeinträchtigt. Atheisten werden zu Recht als “letzter Triumph des Bösen“, gewissenlose Babymörder, Rassisten, entschlossene Verflachung der Kultur, niveaulos, unmoralisch, unreflektiert, oberflächlich, unwissenschaftlich und als Verräter dargestellt.

Zum Ende eine ganz einfache Frage: Nenne mir eine gute Sache, die nur von einem gläubigen Menschen vollbracht werden kann, die nicht genau so auch tagtäglich von einem Atheisten vollbracht wird, und nenne mir eine schlechte Sache, die nur ein gläubiger Mensch, nicht aber ein Atheist unternehmen kann.

Und hier zeigt sich: Religion ist etwas Besonderes. Ohne Religion wäre unsere Welt ein grauer Planet ohne die permanente Freude des nachlassendes Schmerzes.

Spray the word

August 18th, 2008

faith.jpg

Lieber Herr Dr. Blume,

August 18th, 2008

Sie zitierten in einem Blogeintrag Dr. Yitzack Block zur Frage eines Gottesbeweises:

“Es gibt Rabbiner, die glauben, dass ihr Job viel einfacher wäre, wenn sie G-ttes Existenz beweisen könnten. In Wahrheit sollten sie dankbar sein, denn könnten sie Seine Existenz beweisen, hätten sie das Judentum widerlegt, was ihre Arbeit ernsthaft in Frage stellen würde.

[…]

Im Judentum ist G-tt weder ein Lehrsatz der Mathematik oder Logik, noch eine Sache, die du mit deinen Augen sehen oder deinen Händen fühlen kannst. G-tt ist nicht eine Sache in der Welt, er ist über der Welt.

Daher hättest du das Judentum widerlegt, könntest du G-tt beweisen. Würdest du etwas anbeten, das du sehen oder berühren kannst, so betetest du nicht zu G-tt, sondern zu einem Götzenbild (siehe die zehn Gebote).”

Ich schrieb dazu:

So ein himmelschreiender Quark, aber mit erfreulichem Erregungspotential. :o)

Ein Götzenbild ist eine Abbildung (!) einer Sache, nicht die Sache selbst. Damit man etwas abbilden kann, muß diese Sache existieren. Ein orthodoxer, sprich konsequenter Judaismus, in der von Ihnen zitierten Form weitergedacht müßte allerdings nicht nur die Vermeidung der Benennung eines Gottes, sondern schlicht auch jede larvierte Erwähnung, Umschreibung, ja alle Vorstellung und Erwägung der Existenz ablehnen - und damit natürlich auch jede Verherrlichung oder teleologische Interpretation.

Die hundert Euro Schulden, die Sie bereits seit einigen Wochen bei mir haben, kann man auch nicht sehen oder anfassen, geschweige können Sie mir beweisen, dass Sie mir keine hundert Euro schulden. Doch allein durch die Behauptung und meinen feste Überzeugung, und die Immunisierung meiner Forderung gegen jede Gegenargumentation durch ihre Nichtsicht- und berührbarkeit wird die Überlegung, dass Sie mir seit geraumer Zeit hundert Euro schulden zumindest überlegenswert. Und ich bin mir sicher, ich werde Sie noch davon überzeugen. 3000 Jahre Überzeugungsgeschichte sind ein guter Lehrmeister.

Darauf schrieb eine Ihrer Leserinnen:
Read the rest of this entry »

Sehr geehrter Herr Turner,

August 17th, 2008

was Sie da kürzlich im Tagesspiegel, unter der Überschrift “Religion ist Bildung“, veröffentlichten, ist - gelinde gesagt - Quatsch.

Das “unverwechselbare Zentrum des Religionsunterrichts” in Berlin und Brandenburg ist, laut Rahmenlehrplan, “die Frage nach Gott“. Eine Aussage, der der Tagesspiegel-Autor und Jesuit Klaus Mertes im Juni noch mit großer Vehemenz zustimmte. Sie behaupten nun, der Religionsunterricht hätte die Aufgabe, Grundlagen religiöser Kultur und Mythologiegeschichte zu vermitteln.

Ich möchte Ihnen eine andere Definition anbieten:

“Religionunterricht hat die Aufgabe, den Schülern ein ausschließlich positives Bild von Religion zu oktroyieren, um ihr kulturelles Überleben in unserer Gesellschaft zu sichern.”

Ein Umstand, der für einen Menschen, der den Glauben an Übernatürliches, Wunder und Gebete für Unsinn hält und die Konsequenzen religiöser Verblendung, religiösen Alltags und religiöser Lehre vor Augen hat, natürlich eine Provokation darstellt.

Wenn es zu ihrem Bildungsbegriff gehört, Schüler mit ausgesucht positiven Ausschnitten aus der Religionsgeschichte zu unterrichten und all die grausamen, rassistischen, sexistischen, und genozidalen Informationen größtenteils auszusparen, Kreuzzüge, Inquisition und Reichskonkordat unter den Teppich zu kehren, Terroristen, Kreationisten und Mißbrauch von Abhängigen zu verharmlosen und die eklatanten Widersprüche, Halbwahrheiten und Lügen jahrtausendealter “Heils”-geschichte zu verheimlichen, dann bin ich froh, nicht unter Ihrer Ägide im Staatsdienst gestanden zu haben.

Religion ist nicht Bildung, sondern Religion.