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Juli 14th, 2021

Es geht wieder. Hat aber auch ein Jahr gedauert. Und nun? Hab ich aufgehört mit dem religiösen Kram? Nö. Es fühlt sich an wie “next level”. Ruhiger, reflektierter, geerdeter, vernünftiger. Ich hab meine Erfahrungen gemacht und habe lange darüber nachgedacht. Zwei Erkenntnisse haben sich bei all dem nun herausgesiebt:

1. Man kann auf der emotionalen Welle religiöser Gefühle ziemlich weit rausschwimmen … bis man den festen Boden aus den Augen verliert.

2. Es gibt da draußen Leute, die die Fähigkeit zur Vermittlung hochemotionaler religiöser Phantasien zur Perfektion getrieben haben. Das kann echt “addictive” werden.

Hier muß man sehr genau hinschauen, wem man sich da mit seiner Psyche anvertraut. Anonymen Randos im Internet jedenfalls möglichst nicht.

Und sonst? Das Leben ist wieder schön. Die Sonne scheint, die grünen Bäume rauschen, die Vögel singen und es gibt echt nette Menschen da draußen, die es ernst meinen mit dem nett sein. Die sich Mühe geben und auch mal mitfühlen und sich zuweilen zurücknehmen. Ich üb’ das auch. Und ich glaub, das war schon vor vielen Jahren richtig, als ich das mit dem Glauben kennengelernt habe. Damals an der Hand von Eugen Drewermann mit seinen Exegesen des Neuen Testaments.

Ich habe in den letzten Jahren so viele Spielarten christlichen Lebens kennengelernt, aber die wenigsten entsprechen dem idealen Bild, das ich mir davon gemacht habe. Christen sind offenbar auch nur Menschen. Aber eines bleibt als Erfahrung: Sie geben sich meist etwas mehr Mühe als die anderen, nett zu sein. Das macht das eh schon schwierige menschliche Zusammenleben deutlich einfacher. Und Kinder lassen sich mit diesen Grundwerten auch besser zu sozial kompetenten Menschen erziehen.

Einen Fehler darf man nicht machen: Man darf die Geschichtend der Bibel nicht(!) als historische-wissenschaftliche Geschichtsschreibung lesen. Sondern es sind symbolisch-metaphorische Erzählungen, die universelle Fragen des menschlichen Leben allegorisch beantworten. Das ist nicht leicht zu verstehen. Aber wenn man es verstanden und begriffen hat, erschließt sich ein krasser Reichtum menschlicher Erfahrung. Und ich ertapppe mich immer wieder dabei, wie ich in eigenen, ungerichteten Reflektionen auf biblische Motive zurückfalle.

Hier kulminiert soviel unerschöpfliche Weisheit, dass es manchmal zum Verzweifeln ist, dass man diese Schätze in einem Menschenleben praktisch nicht alle heben kann. Ich liebe es. Und ich würde mich inzwischen als “Bible nerd” bezeichnen. Die Vertiefung in diese Texte macht einfach unendlich Freude.

Joa, also, mir geht es gut und ich erlebe jeden Tag, dass sich zwar die Kirchen leeren, dass der Glaube unter den Menschen lebendiger ist denn je. Wie sollte es auch anders sein? Wenn man ein solches Meisterwerk in den Händen hält, einen solchen Schatz, wie sollte man das je loslassen? Natürlich verlieren die Kirchen an Macht. Und das ist auch gut so. Als Institutionen, die ihre Macht mißbraucht haben, haben Sie versagt. Aber der Same des echten christlichen Glaubens, der sich in der tiefen Kenntnis der Bibel gründet, wird ganz sicher weiter durch die Generationen getragen, da bin ich überzeugt.

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