Jetzt mal ehrlich

Juni 24th, 2008

Ich mag Christen. Ich mag Juden. Ich mag Muslime nicht so sehr, aber das liegt nicht daran, was sie glauben, sondern eher daran, was sie tun. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

blasphemy-law.jpg

Viel wichtiger ist die Tatsache, dass ich der Meinung bin, dass auch unter Christen natürlich sehr intelligente Menschen sind – auch mir an Intelligenz überlegene und mit größerer Freundlichkeit ausgestattete Menschen.

Warum glauben solche Menschen an die Bibel, also das Buch, von dem Noam Chomsky mal sagte, es sei eins der “most genocidal books in history”? Denn diese Frage ist die eigentliche, die man einem Christen stellen muß: “Glaubst Du an die Bibel?”. Nicht ob er an Gott, Jesus, die Auferstehung, das Leben nach dem Tod glaubt, nein, man muß ihn fragen, ob er an die Bibel glaubt.

Verneint der Befragte dies, so ist er kein Christ. Denn der einzige Beweis für die Existenz ihres Gottes ist die Bibel. Sie ist quasi der
Gottesersatz. Verneint der Christ die Bibel, so glaubt er noch offensichtlicher an Hörensagen und Magie als es sonst – eben mit diesem Buch, also einem Ding, einer Sache – auffiele.

Doch mal abgesehen von dem unzutreffenden Autoritätsargument, dass es das meistverkaufte Buch aller Zeiten sei, was eigentlich für Harry Potter (auch eine schöne Fabel) gilt, hat natürlich auch die Bibel einige bekannte Mängel, die sie nicht unbedingt als “Gottes Wort ” auszeichnen.

Warum also glauben hochintelligente Menschen an die unglaublich widersprüchlichen und teilweise schlimmen Dinge, die in dieser Bibel stehen? Warum picken sie sich ihnen Nützliches heraus und ignorieren Dummes oder Schlechtes, oder deuten es um?

Weil sie Angst haben.

Denn die der Glaube an einen Gott funktioniert vermutlich nach demselben Prinzip wie der gemeine Aberglaube: Magisches Denken.

Irgendetwas tun (Beten) oder unterlassen (Atheismus) um eine Belohnung zu bekommen (Seelenruhe) und ein Strafe zu vermeiden (Höllenqualen).

blasphemy.jpg

Nehmt dem Glauben an Gott den Aberglauben. Nehmt ihm den Himmel, nehmt ihm die Hölle und ihr erhaltet einen schlaffen Sack mit hohlen Phrasen.

Jeffrey Rudski konnte in einer Studie, die im Journal of General Psychology veröffentlicht wurde, zeigen, dass Menschen, die an einen Gott glaubten auch Geister, Telepathie, Geistheilung, Kommunikation mit Verstorbenen, Reinkarnation und Telekinese für möglich hielten.

superstitionsmall.jpg

Kia Aarnio hat in ihrer Dissertation zum Thema “Paranormal, superstitious, magical, and religious beliefs” mit 3000 Teilnehmern zeigen können, dass “the more paranormal beliefs one had, the more religious beliefs one had”.

Jan Beck und Wolfgang Forstmeier argumentieren in Human Nature, dass Aberglaube und Glaube unvermeidliche Nebenprodukte einer evolutionär herausgebildeteten adaptiven Lernstrategie seien, nach dem Motto, Aberglaube sei immer noch besser als Ignoranz, um in einer komplexen Welt zu funktionieren und auch mögliche vorhandene Zusammenhänge zu entdecken.

Aber zum Glück ist die Evolution ja noch nicht am Ende.

Unsere Welt wird noch so fein werden, daß es so lächerlich sein wird, einen Gott zu glauben als heutzutage Gespenster.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Literatur:

Aarnio, K. (2007). “Paranormal, superstitious, magical, and religious beliefs”. Doctoral Dissertation. University of Helsinki.

Beck, J. and Forstmeier, W. (2007). Superstition and belief as inevitable by-products of an adaptive learning strategy. Human Nature 18, 35-46 .

Rudski, J. (2003). What does a “superstitious” person believe? Impressions of participants. The Journal of
General Psychology, 130, 431-445.

4 Responses to “Jetzt mal ehrlich”

  1. Jochen Hoff Says:

    Lach. Was hast du gegen Telekinese. Kommt bei uns zu Hause laufend vor. Ich habe drei Kinder von denen noch keines ein Glas umgestoßen hat, trotzdem passiert das andauernd. Telekinese von der bösen Nachbarin, die eine liebe Frau ist aber so ein Warzenhar auf dem Kinn hat. Gruselig.

    Außerdem bin ich ein Fan von Gucky dem Mausbiber:

    http://www.perrypedia.proc.org/Mausbiber

  2. Robby Says:

    “Warum picken sie sich ihnen Nützliches heraus und ignorieren Dummes oder Schlechtes, oder deuten es um?”

    Machen das nur (an irgendeinen Gott) gläubige Menschen?! 😉

    Davon abgesehen halte ich zumindest Geister und Telepathie für möglich. Auch, wenn erstere mitunter passenderweise dem eigenen Geist entspringen können und Telepathie im Kern die nonverbale Kommunikation par excellence mittels unbewusster Beobachtung feinster Mimik-/Körpersprachennuancen ist.
    Warum auch nicht?! 😀

  3. sapere Says:

    Stimmt natürlich. Das tun alle. Aber nicht in allen Situationen. Verfügen die Leute über ausreichend kognitive Ressourcen, Motivation und das Bewußtsein über mögliche Inkonsistenzen in ihrer Wahrnhemung, sind sie in der Lage, zu Rekategorisieren oder zu Dekategoriseren und ihren ausgetretenen Pfad schematischer Informationsverarbeitung zu verlassen und ihr Weltbild umzuformen. Manchmal in einer Art kopernikanischer Wende, manchmal Schritt für Schritt in Buchhaltermanier und manchmal schaffen sie es leider gar nicht. Das ist dann wohl zumeist bei Menschen mit hoher sozialer Dominanzorientierung oder Right-Wing-Authoritarianism der Fall. 😉

    http://findarticles.com/p/articles/mi_qa3852/is_200001/ai_n8885946

    Was die Geister betrifft: Sprich mal mit Menschen, die an die wandelnden Geister von Verstorbenen glauben!

    Das Konzept der echten Telepathie geht von Gedankenübertragung auch über Distanzen von hunderten von Kilometern aus. Ohne, dass den “Medien” die Mimik oder Körpersprache des jeweils anderen präsent sind:

    Es sind solche Appeasementbefürworter wie Du, die den Kartenlegern, Pendlern und sonstigen Gurus die Leichtgläubigen in die Arme treiben 🙂

  4. sapere Says:

    Passend zum Thema empfehle ich allen Richard Dawkins’ “Enemies of Reason”

Leave a Reply