Diese Worte fielen exakt genau so heute Vormittag in einem Gottesdienst einer kleinen örtlichen Pfingstgemeinde.

Und damit keine Mißverständnisse aufkommen: Der Pastor meinte körperliche Züchtigung. Also das Schlagen von Kindern. Aus Liebe. Und nachdem er – geflüstert – von einem Gemeindevorstandsmitglied auf die Schwierigkeit solcher Äußerungen hingewiesen wurde, präzisierte er seine Aussagen nach dem Gottesdienst noch einmal: Er wolle nicht mißverstanden werden, was wegen seiner US-amerikanischen Herkunft ja leicht passiere, er meinte „Spanking“.

Wikipedia erklärt Spanking folgendermaßen:

„Spanking [ˈspæŋkɪŋ] (engl. für hauen, verhauen) bezeichnet das Schlagen auf das bekleidete oder entblößte Gesäß; im weiteren Sinne auch auf benachbarte Körperteile wie die Oberschenkel, den Rücken oder äußere Geschlechtsorgane. Die Schläge erfolgen mit der flachen Hand oder mit einem Gegenstand, etwa Rohrstock, Peitsche, Birkenrute, Teppichklopfer, Haarbürste, Paddle, Martinet, Tawse, Ochsenziemer oder ähnliche.“

Betrieben wird diese – in Deutschland – verbotene Köperstrafe systematisch auch von einer Sekte, die sich „Zwölf Stämme“ nennt:

Diese Praxis also erklärte der Pastor für wünschens- und empfehlenswert unter Berufung auf Hebräer 12:4-6:

Denn ihr habt noch nicht bis aufs Blut widerstanden in den Kämpfen wider die Sünde und habt bereits vergessen des Trostes, der zu euch redet als zu Kindern: „Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des HERRN und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der HERR liebhat, den züchtigt er; und stäupt einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt.“

Liest man jedoch im griechischen Original des Verses, so steht da nichts von „Schlagen“ oder „Körperstrafe“. Es steht dort παιδεύει (paideuei) was nicht als „körperliche Züchtigung“, sondern mit „Erziehung“ und „Disziplinierung“ übersetzt wird. Und insofern macht das auch vollkommenen Sinn.

Der Gottesdienst stand jedoch ursprünglich unter einem anderen Motto: Johannes 15: 1-2

Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jeglich Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reinigen, daß sie mehr Frucht bringe.

In einem langen Vortrag versuchte der Pastor dann nachzuweisen, dass das „Wegnehmen“, nicht so gemeint sei, dass diese Rebe nicht mehr am Weinstock verbleiben dürfe, sondern dass sie vom Boden aufgehoben, gewaschen und am Gestell des Weinstocks neu befestigt würde.

Dem Pastor muss man leider entgegenhalten, dass der Prozess der Reinigung nur für fruchtbringende Reben beschrieben wird. Reben, die keine Frucht bringen aber werden – ganz klar – von Gott weggenommen.

Das läßt sich nicht wegreden. Gott nimmt fruchtlose Reben weg.

Mag sein, dass der Pastor bereits ahnte, dass sich dieser Vers auf ihn beziehen könnte. Denn seitdem er die Gemeinde leitet – und das ist bereits seit 10 Jahren – ist sie nicht nennenswert gewachsen.

Aber was ist mit „Wegnehmen“ gemeint? Es ist die Entfernung einer fruchtlosen Rebe vom Weinstock (Jesus) des Vaters gemeint, damit fruchtbringende Reben nachwachsen können.

Was mit fruchtlosen, verdorrten Reben geschieht, sagt Jesus auch:

Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen.

Ich fürchte, ein Pastor, der seiner Gemeinde zum Schlagen ihrer Kinder mit Gegenständen rät, braucht nichts dringender als Jesus wirklich kennenzulernen.

Aber wer macht ihm das klar?

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