Mein Glaube ist erschüttert.

Noch vor ein paar Wochen wäre das undenkbar gewesen. Ich war sicher und glücklich im Glauben. Aber seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, wie sich ein Christ zur weltlichen Macht stellen soll … und welche Rolle das Christentum in der Hand der Mächtigen eigentlich spielt.

Ich bin irritiert darüber, dass die Kirche und die Christen in Deutschland und in der Welt nicht gegen sichtbarer und vehementer gegen Ungerechtigkeit und staatliche Zumutungen aufstehen. Wie ist es möglich, dass es Menschen gibt, die täglich Millionen verdienen und mit diesem Geld durch käufliche Politiker und Wähler das Schicksal von Millionen Menschen beeinflussen können? Wie kann es sein, dass ein Mann wie Donald Trump zum Präsidentschaftskandiaten des mächtigsten und christlichsten westlichen Landes der Welt werden kann? Wie ist es möglich, dass Kinder hunderttausende von Dollar für Uhren, Autos, Schmuck, Häuser, Parties verschwenden können, während woanders auf dieser Welt Menschen auf Müllkippen leben? Wie ist es möglich, dass immer mehr Menschen an Überlastungsdepression leiden – während andere in Saus und Braus leben?

Wie ist dieses ungeheuerliche Unrecht möglich? Kann es sein, dass das Christentum dieses System der Ungerechtigkeit und Ausbeutung durch eine Lehre der Duldung und Unterordnung stützt?

Das Evangelium lehrt Duldung von Gewalt (Wenn Dir einer auf die linke Wange schlägt …) und bedingungslose Unterordnung unter die weltlichen Autoritäten (Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist …) mit dem Versprechen einer jenseitigen Entschädigung.

Die sogenannte „Zwei-Regimenter-Lehre“ Luthers hat die Reformation und die gesellschaftliche Entwicklung Europas massiv beeinflusst. Luther ging davon aus, dass die weltliche Gewalt von Gott eingesetzt sei und dass man sich als Christ dem unterzuordnen habe … es sei denn, die weltliche Macht verführt zur Sünde, dann sei nach Apostelgeschichte 5:29 zu verfahren („Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“).


Was wäre, wenn das Christentum eine elegante und sehr wirksame Propagandastrategie sehr mächtiger Menschen zur Schaffung und Erhaltung einer Sklavenpopulation ist?

Im Jahr 2013 veröffentlichte der Privatgelehrte Joseph Atwill ein Buch mit dem Titel „Caesar’s Messiah: The Roman Conspiracy to Invent Jesus‘ (Cäsars Messias: Die römische Verschwörung zur Erfindung Jesu), in dem er die These vertrat, dass die Geschichte von Jesus Christus die dazugehörige Theologie von römischen Machthabern erfunden wurde, um die Armen und Entrecheteten ruhigzustellen und zu befrieden.

ATWILL

Atwill steht in einer langen Tradition von Thesen über eine Verschwörung der Reichen und Mächtigen zur Unterdrückung der Massen durch das Christentum.

Wahlweise waren es also Römer (Atwill-These), die Juden (Ludendorff-These) oder Christen selbst (Lenin-These), die im Verborgenen die Geschicke der Welt lenkten und dabei ganze Völker ausbeuteten, untergruben und gar systematisch vernichteten.

LUDENDORFF

So vertrat der Weltkriegsveteran und heimliche Reichskanzler Erich von Ludendorff die These, das Christentum sei eine Erfindung jüdischer Eliten, um das römische Imperium von innen heraus zu zersetzen. Was ja (folgt man dem Verlauf der Weltgeschichte) auch glänzend funktioniert haben muss. Erich von Ludendorff und seine Frau Mathilde schrieben in ihrem Buch „Die Judenmacht – Ihr Wesen und Ende„:

ludendorffkl

Das Christentum als Erfindung des Judentums, um andere – nicht auserwählte und nicht blutsverwandte Völker – unterwerfen und mit einem religiösen Kodex ausstatten zu können. Es setzte einen unterwürfigen Verlierer an seine Spitze und behauptete – in Anlehnung an die Kernthesen der griechischen Philosophie – eine „wirkliche“ Welt hinter der irdischen Scheinwelt (siehe Platons Höhlengleichnis), in die man einkehren würde, wenn man das irdische Leid genügsam überstanden hätte.

Gegen diese „verweichlichte“ Ideologie mit ihrer Liebe und Güte und grenzenlosen Geduld setzten Herr und Frau Ludendorff nichts weniger als ihre eigene Privatreligion von der bestimmten (nämlich den arischen) Rassen angeborenen „Gotterkenntnis“.

Der von ihnen gegründete „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ besteht übrigens bis heute und hat unter anderem den homosexuellen Politiker der Berliner Piratenpartei, Gerwald Claus-Brunner, hervorgebracht, der offenbar, in einer spektakulären Beziehungstat, zunächst einen Mann – den er zuvor gestalkt haben soll – und dann sich selbst tötete.

Ludendorff und seine Frau Mathilde waren der Überzeugung, dass das Christentum ein Volk zersetze, indem es seine Angehörigen zu Sklaven und Untertanen erzöge.

LENIN

Doch nicht nur völkische Rassenideologen und Nationalsozialisten waren vom Sklavenhaltercharakter der Religion überzeugt, auch Kommunisten, wie W.I. Lenin schrieben:

Die Religion ist eine von verschiedenen Arten geistigen Joches, das überall und allenthalben auf den durch ewige Arbeit für andere, durch Not und Vereinsamung niedergedrückten Volksmassen lastet. Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt. Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn.

Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft. Die Religion ist das Opium des Volkes. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen.

Doch der Sklave, der sich seiner Sklaverei bewusst geworden ist und sich zum Kampf für seine Befreiung erhoben hat, hört bereits zur Hälfte auf, ein Sklave zu sein. Durch die Fabrik der Großindustrie erzogen und durch das städtische Leben aufgeklärt, wirft der moderne klassenbewusste Arbeiter die religiösen Vorurteile mit Verachtung von sich, überlässt den Himmel den Pfaffen und bürgerlichen Frömmlern und erkämpft sich ein besseres Leben hier auf Erden. Das moderne Proletariat bekennt sich zum Sozialismus, der die Wissenschaft in den Dienst des Kampfes gegen den religiösen Nebel stellt und die Arbeiter vom Glauben an ein jenseitiges Leben dadurch befreit, dass er sie zum diesseitigen Kampf für ein besseres irdisches Leben zusammenschließt.

Aus: W. J. Lenin, Über die Religion. Berlin: Dietz-Verlag „1974.

BIBEL

Und tatsächlich: Schrieb nicht Paulus vor 2000 Jahren in seinem Brief an die Römer (13:1-2):

Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. (Johannes 19.11) (Titus 3.1) 2 Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen.

Und Gott selbst sagt (Sprüche 8:15):

Durch mich regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht. Durch mich herrschen die Fürsten und alle Regenten auf Erden

Und im Titusbrief (3:1) stehen folgende Zeilen:

Erinnere sie, daß sie den Fürsten und der Obrigkeit untertan und gehorsam seien, zu allem guten Werk bereit seien

Und Petrus (1. Petrus 2: 13) schreibt:

„Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des HERRN willen, es sei dem König, als dem Obersten, oder den Hauptleuten, als die von ihm gesandt sind zur Rache über die Übeltäter und zu Lobe den Frommen.“

Ist das Christentum also nichts anderes als eine Verschwörung gewissenloser Reicher und Mächtiger zur Befriedung der Massen und zur Verhinderung des Aufstandes gegen Ungerechtigkeit und diesen Machtmißbrauch?

Ist es gar eine Verschörung geheimer Eliten, wie Freimaurern, Juden oder Jesuiten zu verdanken?

Wenn Politiker wie Gregor Gysi, die sich selbst als nichtreligiös bezeichnen, Religionen allein deshalb für wichtig halten, weil sie eine gundlegend regulierende Funktion in Staat und Gesellschaft übernehmen, könnte man den Eindruck bekommen, Religion ist was für die „einfachen Leute“.

Der ehemalige Sprecher des US-amerikanischen Repräsentantenhauses, Newt Gringrich, hat 2009 ein Buch veröffentlicht über das es heißt:

„It explores “the role of religion in early [United States of] America and the belief that ‘our Creator’ is the source of our liberty, prosperity, and survival as an exceptional nation. From the first permanent English settlement at Jamestown in 1607, through the American Revolution, to the end of the Civil War in 1865, this film tells the story of the deep faith that motivated and sustained our great leaders, and dramatically presents our nation’s belief in religious freedom.”

Der Glaube an den christlichen Gott als „Quelle der Freiheit, des Wohlstandes und des Überlebens als außergewöhnliche Nation“. Menschen, die über außergewöhnliche weltliche Macht verfügen, die in einem Bestseller ihre persönlichen Macht- und Überlegenheitsphantasien ausbreiten können.

Ist das also der wahre Glaube an Jesus Christus? Ist er ein Machtinstrument einer gewissenlosen Elite? Soll damit die Überlegenheit des jüdischen Volkes ein für alle Mal auch den Heiden beigebracht werden? Sollen sie mit dem Neuen Testament zu Sklaven der allmächtigen Juden – die heute als „Finanzjudentum“ in der größten Weltmacht, den USA, an allen wesentlichen Schaltstellen sitzen – gemacht werden? Gibt es deshalb soviel Geld für Missionsarbeit (Personal, Material, Reisen) und repräsentative Kirchen und Gemeindehäuser aus den USA?

________________________________________________________

Sehe ich mir diese Welt und die Hierarchien der Macht an, sehe ich, wieviel Geld – und damit Arbeit und Ressourcen- für sinnlosen Reichtum verschwendet wird, und sehe ich mir die Wirkungsweise von Propaganda an, beginne ich zunehmend an der Harmlosigkeit des Glaubens an Jesus Christus zu zweifeln und ich frage mich, ob dieser Glaube eine der wirksamsten Propagandawaffen der Eliten in den letzten Jahrtausenden war?