Deutschland hat einen neuen Bundespräsidenten und die LINKE muss sich nun rechtfertigen, dass sie nicht über das von SPD und Grünen hingehaltene Stöckchen springt und die Wahl des Kandidaten Gauck – wie angekündigt – verweigert. Mancher in der SED – pardon – DIE LINKE tut das mit drastischen Worten. Der ehemalige Stasi-IM Dieter Dehm und jetzige MdB für die LINKE wählt hierfür z.B. einen Krankheitsvergleich. Die Wahl zwischen Gauck und Wulff, sei wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beide stünden für Krieg und Hartz-IV:

Drastisch. Fürwahr. Dehm hätte besser einen weniger kontroversen Vergleich gewählt. Forderten die beiden Krankheiten Pest und Cholera doch Millionen von Opfern. Müssen diese Opfer nun nicht erneut leiden, wenn ein ehemaliger Stasi-IM die Ursachen ihres Leidens ausgerechnet mit Joachim Gauck und Christian Wulff vergleicht? Werden sie nicht erneut gedemütigt, da sie doch nun bereits mit dieser Krankheit geschlagen sind oder waren?

Und darf man zwei Politiker mit Krankheiten vergleichen? Sollte man nicht besser ein Autobeispiel wählen? Die Wahl zwischen Gulck und Waulff sei wie die Wahl zwischen einem De Dion-Bouton und einem VW-Golf. Oder ein Computerbeispiel: Die Wahl zwischen Gauck und Wulff ist wie die Wahl zwischen einem Zuse Z3 und einem Commodore 64.

Nun ja, ich denke es ist klar geworden. Zuse und Commodore, Dion und Golf hatten weniger Opfer und deshalb darf man Politiker mit ihnen vergleichen.

Unrechtsregime mit Opfern darf man aber auf jeden Fall mit Steinen vergleichen. Das hat der Herr Kollege Welding in seinem einschlägigen Blogeintrag zum Thema gemacht.

Er meint nämlich, die DDR war kein Stein.

Bei Steinen kann man schließlich was wegnehmen und er bleibt immer noch ein Stein. Wenn man der DDR aber Schießbefehl und die Stasi, andauernde Indoktrinierung, die Staatspropaganda und den faktischen Ein-Parteienstaat wegnimmt, ist die DDR keine DDR mehr. Und wenn man dann auch noch freies Unternehmertum erlaubt, Konzerne, Werbung für marktorientierte Konsumprodukte und Börsenspekulation ermöglicht hätte, ui, dann wäre es ganz vorbei mit der DDR.

Nun funktionieren Vergleiche ja immer auf mehreren Ebenen.

Denn genauso wenig wie die DDR ein Stein war, ist auch die BRD ein Stein. Wenn man also aus dem kapitalistischen System der BRD die Kriege um Ressourcen und “Handelswege” beendet, die Arbeits- und Obdachlosigkeit beseitigt, die Schere zwischen Arm und Reich verringert und im Grunde in allem unserem Heiland Jesus Christus nachfolgen würde, wie die Regierungspartei CDU und ihre Millionen von Wählern es vorgeben zu tun, wäre das kapitalistische System der BRD kein kapitalistisches System mehr.

Die beiden Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten sind übrigens ebenfalls “bekennende Christen”. Womit wir auch wieder bei unserer Ausgangsfrage sind. Pest und Cholera forderten Millionen von Opfern. Gauck und Wulff taten das bisher wohl nicht. Hitler und Stalin aber waren die machtvollen Vertreter einer totalitären Ideologie mit Millionen von Opfern. Wulff und Gauck sind als Christen ebenfalls machtvolle Vertreter einer totalitären Ideologie mit Millionen von Opfern.

Gauck und Wulff mit Pest und Cholera zu vergleichen, ist also weit hergeholt – sie mit Stalin und Hitler zu vergleichen liegt dagegen eigentlich recht nahe – auch wenn Gauck und Wulff bei weitem nicht mit der Machtfülle ausgestattet sind, mit der Hitler und Stalin ausgestattet waren.

Aber eines haben beide jedenfalls mit der LINKEN gemein: Den unerschütterlichen Glauben an eine ständig mißverstandene Ideologie.

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