Warum Brights keine Humanisten sind
March 8th, 2009
erklärt Holger Rudolph im Brightsblog.
“Wesentliches Ziel der The-Brights-Bewegung ist es, Diskriminierungen der naturalistischen Weltbilder zu unterbinden und auf eine Teilhabe von Naturalisten am gesellschaftlichen und politischen Leben hinzuwirken, ohne den Naturalismus verbergen zu müssen. Die Verbindung von Ethik und Moral mit der Vorstellung von der Welt ist jedoch eine klassisch religiöse Vorgehensweise: Dort wird meistens eine bestimmte Gottesvorstellung an eine Moral dergestalt gekoppelt, dass gesagt wird, dass eben diese Moral von der Gottheit stammt. Es handelt sich hierbei jedoch genaugenommen um einen Sonderfall in der Koppelung von Moral mit dem Erkenntnishorizont der Welt. Ohne die Hineindeutung eines Wesens in die Welt und Ableitung von Ethik und Moral von diesem Wesen lässt sich eine Koppelung dieser ansonsten völlig unzusammenhängenden Fragestellungen nur schwer und jedenfalls nicht allumfassend herstellen.”
Atheistinnen
March 8th, 2009
Ich schließe mich mal Florians Initiative an und mache einen Beitrag zum Internationalen Frauentag. Und was läge da näher, als über all die vielen Frauen zu schreiben, die der Aufklärung das Wort sprechen. Wer sind sie, die Atheistinnen? Wer schon einmal einen Blick auf die Rubriken dort an der Seite ==>
geworfen hat, wird sie schon kennen, die erste und einzige Bundestagsabgeordnete und Amtsträgerin, die sich zu ihrer Konfession als “Atheistin” auch öffentlich bekennt:
Simone Violka

Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Geboren am 10. März 1968 in Burgstädt; Atheistin; ledig.
Sie ist nicht die einzige Atheistin im Bundestag – aber die einzige, die das auf ihrem Bundestagsprofil angibt. Möglich ist so etwas wahrscheinlich nur in Ostdeutschland.
Ebenfalls offen atheistisch ist Gesine Lötzsch, Bundestagsabgeordnete für die Linkspartei,
die übrigens ein Sammelbecken für AtheistInnen darstellt. Zweiundsiebzig Prozent der Menschen, die der Linkspartei bei der Bundestagswahl 1998 die Zweitstimme gegeben haben, waren Atheisten.
Selbstverständlich sind auch Künstlerinnen unter den Atheistinnen zu finden: Janina Hartwig zum Beispiel.
Die Mutter Oberin in der ARD-Erfolgsserie Um Himmels Willen ist bekennende Atheistin. Die Nachfolgerin von TV-Nonne Jutta Speidel sagte der Zeitschrift Gong, sie glaube “weder an den großen Erschaffer der Welt noch an einen alten Mann mit weißem Rauschebart…”. Die 45-Jährige hält auch nichts von Gebeten
Die Talkshowmoderatorin Maybrit Illner ist ebenfalls Atheistin.
Die Wochenzeitung ZEIT fragte sie einmal in einem Interview:
“Was ist in Ihrem persönlichen Jahr 2004 passiert, Frau Illner?
Illner: Also, erstens habe ich immer noch kein Kind geboren. Zweitens bin ich immer noch mit demselben Mann glücklich verheiratet. Wir hatten in diesem Jahr 15. Hochzeitstag! Wir schaffen es mittlerweile, mal ein Wochenende gemeinsam reisend zu verbringen, in entlegene mecklenburgische Dörfer oder nach Rom. Überhaupt Rom, da waren wir jetzt zum ersten Mal. Wir haben eine Papst-Messe erlebt, das war wirklich schön.
ZEIT: Obwohl Sie bekennende Atheistin sind?
Illner: Ich bin ein Heiden-Kind, ja!
Die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek antwortete auf die Frage der Welt am Sonntag, ob sie religiös sei recht eindeutig:
“Ich bin nicht religiös, ich glaube nicht an Gott”
Und die amerikanische Schauspielerin Meryl Streep antwortete kürzlich auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ob sie ein religiöser Mensch sei:

Nein. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass Glaubensgrundsätze vielen Leuten Sicherheit und Trost geben. Aber Religionen waren mir stets suspekt, weil sie gewissermaßen Mauern errichten, die uns voneinander trennen. Und ich verwahre mich vehement gegen den lächerlichen Vorwurf, man könne seinen Kindern die entscheidenden Grundwerte und den Sinn des Lebens nicht vermitteln, wenn man nicht Mitglied einer Kirche, eines Tempels, einer Synagoge oder eines Aschrams wäre. Ich habe größte Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens, und ich würde mich als zutiefst moralischen Menschen bezeichnen.
Weitere Atheistinnen findet ihr hier.
Freakshow
March 7th, 2009
Kirchenradio: Deutschlandradio Kultur
March 6th, 2009
Das Deutschlandradio Kultur wird Dank pastoraler Intervention zunehmend zum Sprachrohr religiöser Interessen. Bereits im September letzten Jahres erregte die Besprechung des Buches von Peter Strasser “Warum überhaupt Religion?” einiges Aufsehen, weil sie unverhohlen atheistenfeindlich auftrat. Da fielen solche Formulierungen wie etwa diese:
“Und weil der sich bestürzend wenig von den magischen oder mindestens mythologischen Gottesbegriffen der religiös Naiven unterscheidet, weil Dawkins die Bibel exakt so liest, wie ein Fundamentalist sie lesen würde, nennt Strasser das “Brachial-Atheismus”
oder diese:
“Der österreichische Rechtsphilosoph und Ethiker Strasser [...] möchte bei aller eigenen Religionskritik trotzdem nicht in jener religionslosen Gesellschaft leben, die die “Brights” anstreben.”
Ganz abgesehen von der Tatsache, dass die Brights gar keine religionslose Gesellschaft anstreben, eint die Menschen, die sich als Brights bezeichnen und die ein naturalistisches Weltbild haben, hauptsächlich das Interesse, nicht kulturell übergangen oder politisch an den Rand gedrängt zu werden, sondern stattdessen als Mitbürger und im kulturellen wie politischen Leben als Gleichberechtigte akzeptiert zu werden.
Das sieht der Rezensent des Deutschlandradio Kultur Andreas Malessa offenbar anders. Munter drischt der baptistische Pastor (”Jeder Baptist ein Missionar!”) im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mit Strasser und neuerdings auch Richard Schröder auf alles ein, was atheistisch ist, auch wenn es die eher friedlichen Brights sind.
Gegen Religionskritikkritik ist ja im Grunde auch nicht einzuwenden, wenn sie wenigstens nicht so durchschaubar daherkäme, wie die Einlassungen Malessas.
Deutschlandradio Kultur räumt Malessa für seine obskuren Tiraden reichlich Sendezeit ein. Denn als würde eine Sendung zu dem Buch von Schröder am 18.02.2009, um 9:33 Uhr unter dem Titel ” Abschaffung der Religion? Wissenschaftlicher Fanatismus und die Folgen” nicht reichen, gab es am 4.03.2009, um 16:34 Uhr gleich noch eine Wiederholung als Buchempfehlung unter dem Titel “Buchempfehlung März “Abschaffung der Religion? …” von Richard Schröder”.
Ist soviel Richard Schröder eigentlich dieser Empfehlungsdichte wert?
Mitnichten. Ist das Schröder-Buch doch lediglich eine wohlfeile Abrechung mit der DDR, die er mit dem wissenschaftlichen Naturalismus und dem konsequenten Atheismus Richard Dawkins’ munter in einen Topf schmeißt und wahllos mit weiteren überflüssigen Vorurteilen und thelogischen Konstruktionen verrührt.
Offenbar genau die richtige Brühe für den freikirchlichen Pastor Malessa. Schamlose Unterstellungen Schröders, dass Naturwissenschaften einen Alleserklärungsanspruch hätten, greift er genüßlich, sich mit der Autorität Schröders schmückend, auf und reichert sie mit wissenschaftsfeindlichen Parolen an: In der DDR oder im Stalinismus hätte es einen “Wissenschaftsfanatismus” eines Richard Dawkins bereits schon einmal gegeben.
Atheismus = Stalinismus, so billig ist die Rhetorik Schröders und Malessas, um sich ja nicht in die Untiefen inhaltlich naturwissenschaftlicher oder wissenschaftstheoretischer Argumentation zu begeben.
Im selben Atemzug wird der absurde Glaube an die Existenz von Göttern zu einer Begründung einer humanistischen Ethik, die jede Alternative ad absurdum führt, indem sie sie karikiert. Wie im Falle des Beispiels von Malessa, der Richard Dawkins Metapher vom “Genbehälter” Mensch zu einem grausamen Seelenlosigkeitsalptraum aufbläst, der beliebig und austauschbar und damit auch ausrangierbar sei.
Bei Malessa werden die Menschenrechte plötzlich genuin christlich (tatsächlich mußten sie sich gegen christlichen Widerstand emanzipieren) und für Atheisten als beliebig erklärt, da sie ja nur austauschbare Genbehälter seien.
Malessas Abrechung gipfelt in der Bemerkung Richard Dawkins naturwissenschaftliche Welterklärung sei eine “faschistoide Tour” und der Mensch sei “unheilbar religiös”.
Mit letzterer Metapher liegt Malessa aber ausnahmsweise zumindest teilweise richtig. Religiosität kann man getrost als eine Erkrankung bezeichnen. Doch glücklicherweise gilt eines, was bei Malessa wohl noch nicht angekommen ist und vielleicht auch nie ankommen wird:
Religion ist heilbar. Und die Medizin heißt Bildung.
Clint Eastwood über Demut
March 6th, 2009
SZ: Sie sprachen von Demut. Wie steht es um Ihre Demut vor Gott?
Eastwood: Hm . . .
SZ: Ich frage, weil Sie sowohl in “Million Dollar Baby” wie in “Gran Torino” die Vertreter der Kirche karikieren, oder?
Eastwood: In beiden Filmen sind diese Vertreter keine wirkliche Hilfe, Sie haben recht.
SZ: Stattdessen entscheiden die von Ihnen gespielten Figuren selbst über Leben und Tod. Ein Rest aus Dirty-Harry-Zeiten?
Eastwood: Nein, denn ich schieße niemanden mehr über den Haufen. Aber ich glaube, dass nicht irgendein Gott für unser Leben verantwortlich ist, sondern dass wir selbst das sind. Teils müssen wir es auch ertragen, das Leben, die Krankheiten, die Sachen, die unseren Kindern zustoßen, all das. Es bleibt uns nichts übrig. Ich habe Demut sicher nicht vor dem einen großen Gott, erst recht nicht will ich etwas mit der Kirche zu tun haben. Aber ich habe Demut vor der Schönheit, auch davor, dass wir Menschen die Fähigkeit besitzen, diese Schönheit zu erkennen. Wieso rührt es mich zu Tränen, wenn ich Charlie Parker höre? Wieso, wenn ich in den Rocky Mountains stehe? Von München aus sehen Sie die Alpen, oder?
SZ: Absolut!
Eastwood: Ich erinnere mich kaum, schon mal eine so schöne Verbindung von Bergen, Seen und einer Stadt gesehen zu haben wie in München. Ob das ein Gott gemacht hat? Fragen Sie mal den Papst, der weiß es ja sicher. Es ist mir egal. Deswegen genieße ich diese Schönheit nicht ohne Demut.