Phil Zuckerman, ein US-amerikanischer Soziologe, war sehr überrascht, als er die beiden skandinavischen Länder Dänemark und Schweden besuchte. Er fand eine Gesellschaft, in der ein Glauben an übernatürliche Männer (Götter) sehr selten ist. Ausgehend von dem objektiven Wissen, das es in einem mehrere tausend Jahre alten Buch (sog. “Bibel”) über die Folgen gibt, die Gottlosigkeit auf eine Gesellschaft haben kann, müßte man nun davon ausgehen, dass in Dänemark Mord und Totschlag, Armut und Unglück, entfesselter Egoismus und schrankenloser Hedonismus an der Tagesordnung sind.

So wie in Ostdeutschland.*

Während allerdings der Rationalismus in Ostdeutschland staatlich verordnet wurde und die schwerpunktmäßig naturwissenschaftliche Schulbildung sich sehr fruchtbringend auf die Ausprägung der Fähigkeit auswirkte, zwischen Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden zu können, 70%-80% der Ostdeutschen sind areligiös, entwickelte sich die Weltanschauung der Skandinavier deutlich selbständiger. Dänen und Schweden wurden freiwillig zu Atheisten. Das ist es, was sie von Bürgern sogenannter “atheistischer Regime”, wie der Sowjetunion oder China unterscheidet. Sie haben sich eine von Übernatürlichem, Geistern und Göttern weitgehend freie Gesellschaft geschaffen, die nicht nur funktioniert, sondern vorbildhaft ist, für ihre Demokratie, ihre soziale Gerechtigkeit und ihren überdurchschnittlichen Wohlstand.

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Nicht täuschen lassen sollte man sich von den Zahlen zur Kirchenzugehörigkeit der Schweden und Dänen. Die ist exzeptionell hoch und ein Ausdruck des allzu verständlichen Bedürfnisses nach Identität, Integration und Tradition. In einer großen Umfrage der Europäischen Kommission zu Werten, Wissenschaft und Technologie in der EU fühlten sich 69% der Dänen und 77% der Schweden mit der Formulierung “Ich glaube, dass es einen Gott gibt” nicht korrekt umschrieben.

Phil Zuckermann hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben. Und das ist sehr, sehr lesenswert:

“Society without God: What the Least Religious Nations Can Tell Us About Contentment”

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*Ironie!

One Response to “Phil Zuckerman: Eine Gesellschaft ohne Gott”

  1. roland Says:

    wenn man sich mal das Ranking der friedlichsten Nationen der Welt anschaut (http://www.visionofhumanity.org/gpi/results/rankings/compare/) und in der Detailansicht besonderes Augenmerk auf den Punkt “Importance of religion in national life” richtet, fällt auf, daß es da offenbar einen direkten Zusammenhang gibt. In den friedlichsten Ländern jedenfalls spielt die Relgion in der Öffentlichkeit so gut wie keine Rolle. Und jetzt dürfen alle dreimal raten, welche Rolle die Religion in den kriegerischesten Staaten der Welt spielt.
    Fazit: Wenn schon Religion, dann als Privatsache. Aber auf mich hört ja wieder keiner. :)))

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