Ausnahmen

August 19th, 2008

In Diskussionen mit religiösen und religionsfreundlichen Menschen begegnet einem aktiven Atheisten immer ein ganz bestimmtes unvermeidliches Argument:

Religiös bedingter Terrorismus und Bürgerkrieg (heute z.B. 11. September, Irak, Afghanistan, Israel, Nordirland, Kosovo, Tschetschenien, Sri Lanka, Pakistan, Nigeria, Saudi-Arabien, Jemen; früher z.B. : Hugenottenkrieg, Achtzigjähriger Krieg, Englischer Bürgerkrieg, Dreißigjähriger Krieg usw.), Inquisition; Hexenverfolgung; Judenpogrome; Massenvernichtung von Ureinwohnern; Kreuzzüge; Sekten; Gehirnwäsche; Frauendiskriminierung; Mißbrauch von Abhängigen; Exorzismus; Ermordung von Abtreibungsärzten; gewaltsame Missionierung; Quacksalberei; Diskriminierung Anders- oder Nichtgläubiger;

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Einschränkung von Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit; Antiwissenschaftlichkeit; Psychische Störungen durch Glaube an angeborene Sünden, Hölle und ewige Verdammnis, Engel und Geister; Gesundheitsschäden durch Mangelernährung, religiös bedingte Diäten, Verweigerung medizinischer Betreuung, Selbstverstümmelung und angebliche Geist- oder Wunderheilung; Schwulenhass, Steinigung; Beschneidung der Geschlechtsteile männlicher und weiblicher Kinder; Massenselbstmorde; Giftgasattentate; Staatliche Indoktrination; Feudalismus, Bestrafung von „Gotteslästerung“, „Sakrilegen“ und „Blasphemie“ und die massive Einflussnahme religiöser Fundamentalisten in Staat und Gesellschaft

sind alles Ausnahmen.

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Religion an sich ist eine gute Sache. Denn sie hilft den Menschen. Religiöse Menschen sind zwar nicht hilfsbereiter als nichtreligiöse und Kirchen unterstützen auch caritative Einrichtungen nicht wesentlich (2% des Haushalts von Caritas und Diakonie kommen von der Kirche, 98% von Staat und Versicherungen), aber Menschen können bedingunsgloses Vertrauen in Gott haben. Mit der winzigkleinen Einschränkung: Wenn sie z.b. an einen christlichen Gott glauben, müssen sie auch die Sünden und die mögliche ewige Verdammnis nach dem Tod berücksichtigen.

Die obengenannten selten auftretenden Merkmale der Religion, sind nur die offensichtlich wahrnehmbaren. Fehlende Logik, fehlende Beweisbarkeit und die Nähe zu anderen Formen des Aberglaubens sind hier noch nicht mit berücksichtigt.

Nichtgläubige Menschen fühlen sich durch die Aussagen, die von v.a. Anhängern der missionarischen Religionen Christentum und Islam gemacht werden, nicht oder nur wenig beeinträchtigt. Atheisten werden zu Recht als „letzter Triumph des Bösen„, gewissenlose Babymörder, Rassisten, entschlossene Verflachung der Kultur, niveaulos, unmoralisch, unreflektiert, oberflächlich, unwissenschaftlich und als Verräter dargestellt.

Zum Ende eine ganz einfache Frage: Nenne mir eine gute Sache, die nur von einem gläubigen Menschen vollbracht werden kann, die nicht genau so auch tagtäglich von einem Atheisten vollbracht wird, und nenne mir eine schlechte Sache, die nur ein gläubiger Mensch, nicht aber ein Atheist unternehmen kann.

Und hier zeigt sich: Religion ist etwas Besonderes. Ohne Religion wäre unsere Welt ein grauer Planet ohne die permanente Freude des nachlassendes Schmerzes.

2 Responses to “Ausnahmen”

  1. Robby Says:

    „Zum Ende eine ganz einfache Frage: Nenne mir eine gute Sache, die nur von einem gläubigen Menschen vollbracht werden kann, die nicht genau so auch tagtäglich von einem Atheisten vollbracht wird, und nenne mir eine schlechte Sache, die nur ein gläubiger Mensch, nicht aber ein Atheist unternehmen kann.“

    Das ist wirklich gut, wirklich!
    Auch wenn beim zweiten Hinsehen das Wörtchen kann aufleuchtet, ist das wirklich gut 😀 🙂

  2. sapere aude » Blog Archive » Die übliche Diskussion Says:

    […] mir das Thema ziemlich wichtig ist. Aber es ist es ist weniger dieses Thema an sich, als vielmehr seine Folgen, die mich dazu bringen, diesem Thema eine erhöhte Aufmerksamkeit zu […]

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