“Es ist aufgrund aller mir verfügbaren Evidenz wesentlich wahrscheinlicher, dass ich so wie jetzt auch vor 5 Minuten vor dieser Tastatur saß und diesen Brief begann, als dass ich zu dieser Zeit gerade probeweise im Fegefeuer schmorte oder als Osterhase mit Raumanzug auf dem Mars einherhoppelte, selbst dann wenn aus unabhängigen Quellen, beispielsweise Erleuchtungen anderer Personen oder heiligen Schriften für Letzteres etwas beigebracht werden kann, was als Evidenz deklariert wird (für meine Gedächtnislücken findet sich dann auch schon eine Erklärung).[…] Warum sollten Adepten telekinetischen Tischerückens und Gabelbiegens nicht in physikalischen Fachzeitschriften publizieren? […] Warum sollten Anhänger der Hohlerde-Theorie nicht in geologischen Zeitschriften publizieren? Ist nicht, da Bohrungen allenfalls bis ca. 10 km Tiefe reichen, alle Inferenz auf den inneren Aufbau der Erde indirekt und damit völlig hypothetisch? Und ist nicht eine Hypothese so gut wie die andere? Kann nicht die Hohlerde-Theorie manches ebensogut erklären wie die klassische Geophysik? Und wenn sie etwa durch die Veränderung der Erdmasseannahmen unter anderem eine Revision des Newtonschen Gravitationsgesetzes erzwingt, kann das nicht wissenschaftlich fruchtbar sein, da doch Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie das auch erzwang?”

schreibt Priv. Doz. Dr. Rudolf A. Jörres in einem Leserbrief an die Wochenzeitung FREITAG, die kürzlich einen Artikel des evolutionskritischen Wissenschaftsjournalisten Dr. Benno Kirsch, mit dem Titel “Der McCarthy aus Kassel“, veröffentlichte. Kirsch geht darin der Verschwörungstheorie nach, dass die verschworene Gemeinschaft der deutschen Evolutionsbiologie Angst vor einer kreationistischen Verschwörung hat und deshalb jeden kritischen Gedanken mit aller Macht unterdrückt. Was auch kein Wunder ist, würde doch die Widerlegung der Evolutionstheorie zweifelsfrei nachweisen, dass der christliche Schöpfungsmythos kein Mythos, sondern die reine Wahrheit ist. „Denn wenn die Evolutionstheorie wegbräche, wäre das ein starkes Argument für die Existenz Gottes“ bemerkte der Theologe und Philosoph Daniel von Wachter kürzlich sehr hellsichtig. Und vor nichts ängstigen sich Evolutionsbiologen sosehr wie vor dem Fegefeuer, dem sie dann unmöglich entgehen könnten.

Leave a Reply