SZ: Angenommen, ich habe ein Unrecht erkannt und will etwas tun. Wie sieht eine ideale Intervention aus?

Jonas: Das hängt von der Situation ab. Allerdings gibt es für jedes Einschreiten eine sehr wichtige Faustregel: Immer opferorientiert und nie täterbezogen handeln. Also schützen statt konfrontieren.

SZ: Können Sie ein Beispiel nennen?

Jonas: Ein Beispiel ist der Fall im Einkaufszentrum von Mittweida, wo vor etwa zwei Wochen eine Gruppe rechter Jugendlicher einer 17-Jährigen ein Hakenkreuz in die Haut ritzte, weil diese versuchte, einen kleinen Jungen in Schutz zu nehmen. Leider hat sie die Täter konfrontiert und das auch noch alleine, was sehr gefährlich ist. Vor allem gegen eine Gruppe geht man, wenn überhaupt, nur mit Verbündeten vor. Denkbar im Fall des Mädchens wäre vielleicht eine so genannte paradoxe Intervention gewesen.

SZ: Eine Handlung, mit der niemand rechnet, eine Art Überraschungs-Coup?

Jonas: Ja, sie hätte den kleinen Jungen zum Beispiel anschreien können, etwa mit: “Mensch, ich such dich schon, Mama hat dir hundert Mal gesagt, du sollst hier nicht rumlungern!” Dann hätte sie ihn vielleicht aus der Gruppe ziehen und in einem Laden Schutz suchen können. Die Täter wären verwirrt gewesen und hätten sich nicht angegriffen gefühlt. Zugegeben: Das ist ein Idealszenario. Von einem unerfahrenen Menschen in Bedrängnis kann man soviel Strategiedenken nicht verlangen.

Interview der SZ mit einem Jenaer Sozialpsychologen

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